Wahrscheinlich guckt wieder kein Schwein – HDTV ohne Zuschauer

Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber hat auf den Münchner Medientagen schon mal für seine neue Rolle im Kabinett Merkel als Superwirtschaftstechnologieeuropaundsonstnochwasminister geübt.  Dort drückte der CSU-Mann bei der Start-Zeremonie den “Roten Knopf” für die HDTV-Kanäle von Sat.1 und ProSieben. Schade nur, dass niemand das hoch auflösende Fernsehbild sehen kann.

“HDTV macht das Fernsehbild deutlich besser. Die neue digitale TV-Technologie ist ein Schritt in die Zukunft des Fernsehens”, jubelte Guillaume de Posch, Vorstandsvorsitzender der ProSiebenSat.1-Gruppe. Da die notwendigen HD-Decoder fehlen, räumte ein Sendersprecher aber später ein, es habe sich eher um einen “symbolischen Start” des HDTV in Deutschland gehandelt. Der Bezahlsender Premiere, der im kommenden Jahr die Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft parallel auch in HD ausstrahlen möchte, hatte schon vorsorglich seinen Start in die HD-Ära verschoben. “Es sind die Chips”, sagte Premiere-Chef Georg Kofler.

Nun, es werden nicht nur die Chips und die fehlenden Decoder sein, die den Start des HDTV in Deutschland erschweren. Bis auf kleine HD-Inseln wird der HDTV-Start auf die Besitzer von Satelliten-Schüsseln beschränkt sein. Außerdem ist für ARD, ZDF und RTL das HDTV derzeit kaum ein Thema. Das ist eigentlich schade. Ich hatte im vergangenen Sommer die Gelegenheit, das Spiel der Deutschen Nationalmannschaft um den dritten Platz im Confed-Cup auf einer Veranstaltung von Philips, Infront und T-Systems in HD anzuschauen und war begeistert. In unserer Mietswohnung gibt es aber nur den Anschluss von Kabel Deutschland. Daher wird das wohl nichts mit der HD-WM für Mr. Gadget.

Update: Kaum hatte Stoiber bei Mr. Gadget gelesen, welchen Titel er in Berlin tragen würde, hat er doch Muffensausen bekommen und angekündigt, in München bleiben zu wollen.

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Mehr als ein Video-iPod

“And yes, it does video.” Mit diesen schlichten Worten teilte Apple-Chef Steve Jobs der Weltöffentlichkeit mit, dass die beiden neuen iPod-Modelle video-tauglich sind. Doch der Apple-CEO kündete in San Jose viel mehr an als zwei portable Video-Player. Der 12. Oktober 2005 wird als der Tag in die Geschichte eingehen, an dem die erste legale Alternative zum schwarzen Video-Download via BitTorrent, eMule etc. geschaffen wurde.

Werbung für den Video-iPod
Foto: Christoph Dernbach
Werbung für den Video-iPod

Vor fünf Wochen mussten die nach London eingeladenen europäischen Journalisten abends noch quer durch die Stadt fahren, um im artsdepot die Übertragung der Jobs-Keynote anzuschauen. Diesmal hatte Apple das zentral gelegene Sendezentrum der BBC als Location ausgesucht. In dem Saal, in dem sich sonst Teenager zu den “Top of the Pops” die Seele aus dem Leib schreien, wurde das Videosignal aus San Jose übertragen. Da weder die BBC noch Apple daran gedacht hatten, in dem Saal einen WLAN-Hotspot aufzustellen und Mobilfunksignale auch nicht zu empfangen waren, ging meine dpa-Story leider eine Stunden später auf den Draht als geplant. In dem benachbarten improvisierten Pressezentrum, direkt neben den großen Bumbum-Boxen der After-Show-Party, konnten wir dann zwar wegen des Lärms kaum telefonieren aber endlich online gehen und unsere Stories absetzen.

Als ich heute morgen dann im Netz gesehen habe, was die Kollegen so geschrieben haben, musste ich mich doch ein wenig wundern. In vielen Berichten wurde fast protokolarisch festgehalten, dass Apple nun den Video-iPod (der bei übrigens bei Apple ganz schlicht iPod ohne jeden Zusatz heißt) auf den Markt gebracht hat. Ich hatte dagegen das Gefühl, einem kleinen historischen Evnet beigewohnt zu haben, das später in einem Atemzug mit ersten Vorstellung des iTunes Musicstores am 28. Februar 2003 genannt wird. So wie der iTMS damals die erste wirkliche legale Alternative zu den illegalen Tauschbörsen bot, so wird sich nun auf der Basis von iTunes ein Ökosystem des legalen Online-Videohandels entwickeln. Die 2000 Musikvideos, die ABC-Shows und die Kurzfilme sind nur der Anfang.

Meine Analyse, die ich für dpa geschrieben habe, kann man u.a.  hier lesen. Übrigens hat der Kurs der Apple-Aktie nur zwei Stunden, nachdem ich die Story auf den Draht gegeben habe, um rund drei Dollar zugelegt und die 50-Dollar-Schwelle locker wieder überschritten.

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One more thing – Apple hält die Branche auf Trab

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Kaum sind vier Wochen nach dem iPod-Launch ins Land gegangen, lädt Apple erneut zu einer mysteriösen Produktvorstellung ein. Die Gerüchte-Sites sind sich fast einig: ein Video-iPod wird den kleinen iPod nano ins Weihnachtsgeschäft begleiten. Das europäische Fachpublikum wurde wieder nach London eingeladen, diesmal nicht ins entlegene artsdepot, sondern zur Mutter aller Rundfunkanstalten, der BBC. Wenn das mal kein Wink mit dem Zaunpfahl ist. 

Mein Kollege Gerd Kamp hofft dagegen inständig auf ein schickes “Handtop”: “Wenn man sich Macosrumors ansieht: ‘Imagine a “Mac Nano” or a “NanoBook.” Significantly smaller than today’s equivalents, and with significantly faster storage performance. That is precisely the kind of thing that we’re hearing about from Apple’s deepest and darkest R&D circles, …’ und dann Berichte über umgebaute, über Batterie laufende Mac minis liest, dann könnte man auf den Gedanken kommen, dass das “One more thing” ein Handtop a la OQO, Sony Vaio U50, MetaPad (siehe: http://www.handtops.com) etc. sein könnte, nur diesmal richtig. Dass man dazu alle möglichen Accessories wie Docking Stations, Festplatten etc.  bauen, kann würde auch wunderbar ins Bild passen.” Nun, vielleicht ist das ein “very long shot”, wie Gerd meint, aber interessant ist der Gedanke auf jeden Fall.

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Warum gibt es 141 Linux-Distributionen?

Kennen Sie Xandros? Oder MEPIS? Oder SLAX? Wahrscheinlich nicht. Dann schon eher Ubuntu, SuSE, Knoppix oder Red Hat. Diese Linux-Distributionen gehören zu 141 Varianten des von Linus Torvalds geschaffenen freien Betriebssystems, die die Website “Linux-Watch” gezählt hat. Kolumnist Steven J. Vaughan-Nichols meint nun, There Are Too Darned Many Linuxes und hat damit eine heftige Debatte ausgelöst.

Statt noch eine Variante von Debian in die Welt zu setzen, sollten die Linux-Programmierer lieber am Hauptzweig von Debian mitarbeiten. Auch das Projekt openSUSE.org könne noch Hilfe gebrauchen – ebenso wie das von Red Hat gesponserte Projekt Fedora. Außerdem fehle es in der Linux-Welt immer noch an Treibern.

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Microsofts “Smart Guy” Martin Taylor

Martin Taylor kann reden wie ein Wasserfall. Darin steht er seinem Boss Steve Ballmer in Nichts nach. Doch im Gegensatz zum bulligen Microsoft-Chef kommt Martin Taylor viel diplomatischer rüber, wenn er die Strategie seines Unternehmens gegen Linux und andere Open-Source-Produkte erläutert.

Martin Taylor
Foto: Microsoft
Martin Taylor

Vor einigen Jahren hätte sich Taylor wahrscheinlich noch “Evangelist” nennen dürfen, doch nach dem New-Economy-Crash sind solche Titel nicht mehr modern. So steht “General Manager Plattform Strategy“ auf seiner Visitenkarte. Taylor, der von seinen Eltern nach Martin Luther King benannt wurde, ist damit in der Microsoftführung für die Auseinandersetzung mit dem größten Wettbewerber zuständig – sieht man mal von Google ab.

Während Ballmer noch im Jahr 2001 Open Source Software (OSS) – und insbesondere die GPL (GNU Public Licence) als “Krebsgeschwür” bezeichnete, schlägt Taylor nun moderatere Töne an. Open Source sei kein Wettbewerber, genau so wenig wie das Wetter ein Wettbewerber sei.

Taylor hat in seinem Team einige linux-Experten um sich gesammelt, darunter den Gründer und Chef-Architekten der Linux-Distribution Gentoo, Daniel Robbins. Seit gut einem Jahr schauen sich Taylor, Robbins und das Platform-Team in Redmond systematisch nicht nur Linux-Varianten, sondern auch andere OSS-Projekte wie Apache oder Cluster-Lösungen im High-End-Bereich an.

“Um keinen Zweifel aufkommen zu lassen: Ich tief davon überzeugt, dass Microsoft die besseren Produkte anbietet. Aber klar ist auch, dass Linux nicht einfach verschwinden wird”, sagte Taylor in der kleinen Runde am Münchner Flughafen. Wettbewerb belebe das Geschäft, räumte er ein, auch wenn sein Unternehmen in den meisten Bereichen ohnehin schon die besseren Produkte anbiete. Und dort, wo OSS in den Augen mancher führe, werde Microsoft nachlegen, beispielsweise bei den Webservern mit dem neuen Internet Information Server (IIS) 7.0.

All zu große Sorgen um die Zukunft macht sich Taylor also nicht: “Microsoft bringt mich nicht um den Schlaf. Das machen dann schon eher meine Kinder”. Taylor ist Vater der fünf Jahre alten Zwillinge Zoe and Zachary und der 18 Monate alten Ella. 

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