Kleinkariertes im Kleingedruckten

T-Mobile und Apple haben heute die iPhone-Tarife für Deutschland veröffentlicht, die erwartungsgemäß so ausfielen wie seit Tagen kolportiert.
Tarife für das iPhone von T-Mobile
Bei der Frage, ob diese Tarife angemessen, günstig oder völlig überteuert sind, gehen die Ansichten natürlich weit auseinander. Im Heise-Forum haben inzwischen die Kritiker von T-Mobile und Apple die Meinungsführerschaft übernommen. Ich kann aber Hinweise auf Datenschnäppchen-Tarife bei E-Plus nicht mehr hören. Was nutzt mir eine halbwegs günstige UMTS-Flatrate für 40 Euro, wenn ich zu häufig einfach kein Netz habe oder ich zum Abhören der Maibox auf den Dachbalkon im Haus meiner Eltern klettern muss.

An der schlechten Stimmung in den Foren ist T-Mobile aber nicht ganz unschuldig: Denn statt einer großzügigen “FairUse-Regel” schreiben die Bonner Mobilfunker kleinkariert bemessene Datengrenzen ins Kleingedruckte der iPhone-Verträge. Werden diese überschritten, verpasst T-Mobile dem iPhone eine Datenbremse:

W-LAN / EDGE-Nutzung in allen Tarifen inklusive. Gilt nur für die Nutzung mit dem iPhone im nationalen T-Mobile Netz und an deutschen HotSpots der Telekom oder von T-Mobile (WLAN). Ab einem Datenvolumen von 200 MB (Complete M), 1 GB (Complete L) oder 5 GB (Complete XL) pro Monat wird die Bandbreite im jeweiligen Monat auf max. 64 kbit/s (Download) und 16 kbit/s (Upload) beschränkt.

Immerhin scheint das Datenvolumen, das über die WLAN-Hotspots von T-Mobile läuft, dabei nicht mitzuzählen.

T-Mobile-Tarife für das iPhone

Kinder, wie die Zeit vergeht …

Cover BusinessWeek 5. Februar 1996Es ist gerade mal elf Jahre her, als die BusinessWeek einen Abgesang auf Apple Computer anstimmte. Und tatsächlich: Die Kombination aus (damals) mittelprächtigen Produkten und einem wenig inspirierenden Management lieferte nicht gerade die Grundlage, optimistisch für Apple in die Zukunft zu schauen.

Today, that Apple–the very icon of a post-industrial, high-tech America–is barely recognizable in the troubled $11 billion company that bears the name. Years of overlooked opportunities, flip-flop strategies, and a mind-boggling disregard for market realities have caught up with Apple. Microsoft Corp.’s Windows 95 has seriously eroded the Mac’s technology edge. A belated decision to expand the Macintosh market by licensing Apple technology to other personal-computer makers has gone almost nowhere. And now, management is in near-meltdown: Out of 45 vice-presidents, 14 have been axed or left in the past year, three more are about to decamp, and CEO Michael H. Spindler’s job looks threatened. Apple is rapidly becoming a minor player in the computer business and may be swallowed up by Sun Microsystems Inc. or another rival.

Es war ein langer Weg für Apple, aus dieser verfahrenen Situation wieder rauszukommen. Die Rückkehr von Steve Jobs 1997 und der iMac (1998) retteten die Firma vor dem Totalabsturz. Und der iPod natürlich. In diesen Tagen wird immer wieder davon geschrieben, dass der iPod einen “Halo-Effekt” generiert und viele Windows-User von der Qualität der Apple-Produkt überzeugt habe. In meinen Augen ist das nicht der entscheidende Punkt für den aktuellen Markterfolg der Macintosh-Rechner. “I think more people are buying Macs because there is no longer a penalty for switching to a Mac. After all, you can run Windows on a Mac, open and edit Word documents in Mac OS, and you probably spend most of your time on one Web page or another that doesn’t care what operating system is in control”, schreibt Tom Krazit von CNET und hat völlig recht.

02/05/96 THE FALL OF AN AMERICAN ICON

Warten auf DHL

DHL Tracking

Angeblich schaffen es die großen Versandfirmen wie DHL, eine Warensendung in zwei, drei Tagen über den großen Teich zu schicken. Ein Testgerät aus Kalifornien, das für eine Besprechung dringend erwartet wird, gammelt nun schon den dritten Tag beim Zoll in Köln rum, ohne dass sich etwas tut. Wie sagte gerade ein Kollege so schön: “Das Gute an der heutigen Zeit ist, man kann das Scheitern wenigstens minutiös nachverfolgen…”

Mr. Jobs! Open that iPhone!

Nokia-WerbungDas hatten sich die Nokia-Manager schön ausgedacht. Eine Kampagne für das “offene Mobiltelefon” sollte noch etliche Monate zumindest ein wenig von dem Rummel um das iPhone ablenken. Schon vor der US-Premiere des Apple-Handys hatte der finnische Konzern angekündigt, auf der Basis des WebKits (das auch von Apple beim iPhone eingesetzt wird), Widgets auf die Nokia-Handys zu bringen. Nokias Plattform, die auf dem WebKit aufbaut, heißt Web Run Time (weitere Details von Nokia gibt es hier und hier).

Nokia-WerbungAuf dem WWDC habe ich live miterleben können, wie sehr etliche Entwickler aus der Apple-Community enttäuscht waren, als sie von Steve Jobs erfahren hatten, das es zunächst kein echtes Software Developer Kit für das iPhone geben wird und man sich mit HTML und JavaScript bescheiden soll. Ob nun die Nokia-Kampagne der Auslöser war, oder Vorstöße von Softwarefirmen und den Partner-Providern: Anyway. Apple bringt ein SDK für’s iPhone. Die Entwickler müssen sich allerdings bis kommenden Februar gedulden, denn Apple möchte nach den Worten von Steve Jobs ausschließen, dass sie die Millionen iPhones in kleine Zombie-Computer verwandeln, die von Viren und anderer Malware ferngesteuert werden. In einem offenen Brief an die Entwickler schreibt Steve Jobs:

Let me just say it: We want native third party applications on the iPhone, and we plan to have an SDK in developers’ hands in February. We are excited about creating a vibrant third party developer community around the iPhone and enabling hundreds of new applications for our users. With our revolutionary multi-touch interface, powerful hardware and advanced software architecture, we believe we have created the best mobile platform ever for developers.

It will take until February to release an SDK because we’re trying to do two diametrically opposed things at once—provide an advanced and open platform to developers while at the same time protect iPhone users from viruses, malware, privacy attacks, etc. This is no easy task. Some claim that viruses and malware are not a problem on mobile phones—this is simply not true. There have been serious viruses on other mobile phones already, including some that silently spread from phone to phone over the cell network. As our phones become more powerful, these malicious programs will become more dangerous. And since the iPhone is the most advanced phone ever, it will be a highly visible target.

Some companies are already taking action. Nokia, for example, is not allowing any applications to be loaded onto some of their newest phones unless they have a digital signature that can be traced back to a known developer. While this makes such a phone less than “totally open,” we believe it is a step in the right direction. We are working on an advanced system which will offer developers broad access to natively program the iPhone’s amazing software platform while at the same time protecting users from malicious programs.

We think a few months of patience now will be rewarded by many years of great third party applications running on safe and reliable iPhones.

Steve

P.S.: The SDK will also allow developers to create applications for iPod touch.

heise online -
Apple-Chef kündigt Entwicklungsumgebung für iPhone an

Qualitäts-Journalismus mit den Textschnorrern von pressetext

Redakteurin Kristina Sam vom pressetext.austria scheint sich weder in Österreich gut auszukennen noch in der IT-Branche. Sonst hätte sie beim dreisten Abschreiben meiner dpa-Meldung zur Verzögerung der Deutschland-Premiere des Microsoft-Players Zune nicht diese Fehler eingebaut. Ja, Kitzbühel wird wie Kitzbühl ausgesprochen, aber nicht so geschrieben. Und dass die Markteinführung “auf unbestimmte Zeit verschoben” wird, hat Redakteurin Sam dem Microsoft-Manager Stephan Brechtmann in den Mund gelegt. Gesagt hat er das so nicht.

Da pressetext.austria bzw. pressetext.europe (pte), die selbst ernannte “Nachrichtenagentur für Meinungsbildner in den Bereichen Hightech, Medien, Business und Leben” bereits für das unerlaubte Abkupfern von Texten von Nachrichtenagenturen wie APA, sda und dpa belangt wurde, hat Redakteurin Kristina Sam in dem geklauten Text auch nicht dpa als Quelle angegeben, sondern die Financial Times Deutschland. Die FTD ist zahlender dpa-Kunde und hat sowohl online als auch im gedruckten Blatt die Zune-Meldung der dpa veröffentlicht (und die Quelle klar gekennzeichnet).

Die FTD-Überschrift “Microsoft bringt iPod-Konkurrenten nicht nach Deutschland” geht dabei über den eigentlichen Sachverhalt hinaus, da Microsoft sich ja nicht generell gegen einen Zune-Start in Deutschland ausgesprochen hat, sondern nur kurzfristig nicht den Zune hierzulande anbieten möchte. In der gesamten Meldung der FTD wird das aber auch klar.
Interessant ist nun, wie der Schnorrer-Text von pressetext seinen Weg auf andere Newsseiten findet. So schreibt beispielsweise Björn Greif von ZDNET unter Berufung auf pte: Zweite Zune-Generation kommt nicht nach Deutschland. Bei Silicon.de fabuliert “Anja Schütz mit Material von pte” über die Zune-Verzögerung.

Sieht irgendwie bekannt aus: Microsoft patentiert "Touch Interface"

Touch InterfaceiPhone CoverflowMicrosoft wollte es dann doch nicht der HTC Corporation überlassen, eine Antwort auf das iPhone von Apple zu formulieren. HTC stellte ja noch vor dem Start des iPhones sein HTC touch vor, bei dem die taiwanesichen Entwickler von HTC die Windows-Mobile-Oberfläche mit einer dünnen Zuckerglasur aus grau-blauen Icons übertünchten. Wie man nun einer Patentanmeldung entnehmen kann, will Microsoft sich nun auch ein Touch-Interface schützen lassen. Sieht aber irgendwie bekannt aus.

Microsoft patents Touch Interface, Looks strangely like Apple’s

Warum Microsoft mit der Zune-Premiere in Deutschland zögert …

Stephan Brechtmann, MicrosoftNoch nie hat ein Microsoft-Manager wie Stephan Brechtmann so im Klartext begründet, warum der Software-Konzern bislang nicht den Zune auf den deutschen Markt gebracht hat. Und bemerkenswert ist auch, dass Microsoft dieses Statement aus einer Hintergrund-Runde im Tiroler Touristenstädtchen Kitzbühel ins “On” geholt hat. Schade ist, dass FTD.de in der Überschrift mal wieder unnötig zuspitzen muss.

Microsoft zögert mit Zune-Player vor «schwierigem deutschen Markt» – Yahoo! Nachrichten Deutschland

Bullshit der Woche: Sony-BMG-Anwältin Jennifer Pariser

Bullshit SymbolfotoJennifer Pariser, die Prozessvertreterin von Sony BMG im Verfahren Capitol Records, et al v. Jammie Thomas, hält das Rippen von CDs für einen mobilen Player oder das Kopieren einer gekauften CD für den Einsatz im Auto für Diebstahl. In dem Verfahren vor dem Bezirksgericht in Duluth im Bundesstaat Minnesota wirft der mächtige Verband der Musikindustrie in den USA (RIAA) der 30 Jahre alten Angestellten Jammie Thomas vor, zahlreiche Songs von Plattenfirmen wie Virgin Records oder Sony BMG Music Entertainment über die Internet-Tauschbörse Kazaa verbreitet zu haben. Thomas bestreitet das.

Jennifer Pariser:

“When an individual makes a copy of a song for himself, I suppose we can say he stole a song.”

Sony BMG’s chief anti-piracy lawyer: “Copying” music you own is “stealing”

Update: Die alleinerziehende Mutter von zwei Kindern wurde von der Jury in erster Instanz zu einer Geldstrafe von 222.000 Dollar verurteilt, 9.250 Dollar für jeden der 24 angeblich über KaZaA angebotenen Songs. Ein weiterer Beweis, in welchem üblen Zustand sich das US-Justizsystem befindet.
RIAA Jury Finds Minnesota Woman Liable for Piracy, Awards $222,000 on Threat Level

Zune 2.0

J Allard und Bill Gates präsentieren den neuen ZuneNein, entspannt sieht Microsoft-Vizepräsident J Allard bei der Präsentation des neuen Zune neben dem relaxten Bill Gates nicht gerade aus. “Beide halten die neuesten Modelle der Microsoft-iPods hoch. Der Unterschied: Gates hält hier nur sein Gesicht hin, Allard seinen Kopf. Er hat die undankbare Aufgabe, die ungeliebten Geräte zum Erfolg zu machen”, schreibt der Spiegel. Nun, so dramatisch werden die Konsequenzen für Allard wohl nicht ausfallen, selbst wenn das Zune-Team ihr Produkt zum Weihnachtsgeschäft nicht an die zweite Stelle hinter dem iPod von Apple drücken kann.

Blueprint für die Zune-Offensive von Microsoft gegen Apple ist der Xbox-Feldzug gegen die Playstation von Sony. Jahrelang akzeptierte die Microsoft-Führung Milliardenverluste des Xbox-Segments, um ein akzeptables Produkt zu entwickeln und dem Wettbewerb die Luft abzudrücken.

Die komplette Zune-FamilieDie neuen Zune-Player liegen preislich in der Klasse der entsprechenden iPods und können bei den Features zum Teil sogar die Apple-Player übertrumpfen (eingebautes Radio, Sync mit dem PC via WLAN). Dem iPod touch und erst recht dem iPhone hat Allards Team aber nichts entgegenzusetzen. Verlierer der Zune-Offensive werden vor allem die Microsoft-Partner Creative, iRiver, Samsung, Trekstor und die anderen Mitglieder der “Plays-for-sure-Allianz” sein.

In einem Reuters-Interview räumt Allard immerhin ein, dass das iPhone seine coolen Seiten hat und mäkelt nur an den fehlenden Start- und Stoppknöpfen für den Musikplayer rum.

Coolest browser ever. The industrial design is great. If I were to try to stereotype it, I would say it’s a really really great beta of an urban companion. The $580 phone bill that came in a box did not dissuade me, but I can really see how a bigger screen, a browser and how a cross application intergration could be handy on a phone. It’s like a little micro-PC thing. Best iPod ever? Not if I can’t skip without taking it out of my pocket. Not if I can’t mute it without taking it out of my pocket. I am not so hot on that and some of the phone and keyboard stuff. Touch is tough.

Interessant ist, dass Microsoft in Sachen Deutschland-Start des Zunes so rumeiert. In 2007 wird da wohl nichts mehr kommen.

Zune Drives Next Generation of Digital Music Experience With Community Web Site Built Around Music

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