"Information at Your Fingertips (2005)" – Zurück in die Zukunft: Die Vision von Bill Gates aus dem Jahr 1994

Machmal lohnt ein Blick zurück. Im November 1994 stellte Microsoft-Mitbegründer Bill Gates seine Vision von der Zukunft vor. “Information at Your Fingertips 2005″ lautete der Titel seiner Keynote auf der inzwischen längst eingegangenen Computermesse Comdex in Las Vegas. Der damals 39 Jahre alte Gates war noch nie ein begnadeter Redner, der seine Zuhörer allein durch seine Rhetorik begeistern konnte. Daher ließ Gates einen aufwendigen Film produzieren, der nicht nur bei den Besuchern der Comdex-Keynote einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen sollte:

“Der Film war damals so spektakulär, dass alle nur mit offenen Mund da saßen. Vieles ist davon jetzt Realität, einiges hat sich anders entwickelt. Der Film zeigt eine Zukunft im Jahr 2005 (von 1995 aus gesehen)”, erinnert sich beispielsweise Andreas J. Greiner, der (wie ich persönlich auch) das Video drei Monate später bei Gates’ Auftritt zur Eröffnung der CeBIT 1995 in Hannover gesehen hatte.

Comdex 1994 – Keynote Bill Gates – Information At Your Fingertips (2005) – The Video from Christoph Dernbach on Vimeo.

In dem aufwändig produzierten Film zeigte Gates damals einen kurzen Krimi um einen Kunstschmuggel und seine rasante Aufklärung mit den wunderbaren Hilfsmitteln futuristischer Kommunikationsmittel. Die Gegenspieler der Schmugglerbande, der clevere Schüler Jackson und seine Mutter, recherchierten in dem Film von der Küche aus im “Cyberspace” alle Details zur präkolumbianischen Kunst und landeten schließlich in einer Galerie mit virtuellen Picasso-Bildern auf hoch auflösenden Flachbildschirmen. Nachdem Jackson bei einer Verfolgungsjagd von einem Auto angefahren wurde, konnte die Besatzung eines Krankenwagens in dem Microsoft-Film noch während der Fahrt über eine Videoverbindung mit der Klinik kommunizieren und die optimale Behandlung für den Jungen diagnostizieren. Die Polizisten im Einsatzwagen verschafften sich schon unterwegs einen Überblick vom Tatort und steuerten den Einsatzcomputer mit Sprachbefehlen. “Sie werden sehen, in zehn Jahren wird sich diese Technik natürlich in unser Leben einfügen”, versprach Gates seinen Zuhörern.

Ich habe lange nach einer Kopie dieses Videos im Netz gesucht und bin zunächst nur bei dieser Website der Technischen Universität in Delft (Niederlande) fündig geworden, wo die Aufzeichnung in vergleichsweise schlechter Auflösung im WMV-Format zu sehen ist. Nach einer längeren Recherche stieß ich dann auch einen Blog-Eintrag von Derek R. Flickinger zum Rückzug von Bill Gates aus der Microsoft-Führung. In dem Artikel erwähnte Derek, dass er 1994 den Auftritt von Gates live gesehen habe und seitdem ein Video dieses Auftritts besitze. Im Jahr 2005 habe er Bill Gates persönlich getroffen und ihm dann eine DVD von der Comdex-Keynote geschenkt. Der Kontakt zu Derek war schnell geknüpft und über einen FTP-Server landete schließlich ein 1,4 Gigabyte großes Windows Media Video File auf meinem Rechner. Nochmals, herzlichen Dank dafür.

Die komplette Keynote ist über eine Stunde lang. Da nicht alle Betrachter so viel Zeit haben (obwohl sich das heute noch lohnt), habe ich den eigentlichen Film rund um den cleveren Schüler Jackson so zusammengeschnitten, so dass man ihn jetzt an einem Stück sehen kann. In der Comdex-Keynote war dieser Film immer wieder von Gates unterbrochen worden, um dem Publikum die eingesetzten Technologien zu erläutern.

Die komplette Keynote findet man hier:


Bill Gates at Comdex/Fall (November 14th, 1994) in Las Vegas
“Information at Your Fingertips (2005)”

Viele der Visionen von Bill Gates aus dem Jahr 1994 sind heute tatsächlich Wirklichkeit geworden: der Mini-PC in der Jackentasche, das individuell programmierbare Fernsehen, der einfache Zugriff auf einen unendlichen Wissensschatz in den Datennetzen. Und irgendwie sieht Jacksons Computer in der Küche aus wie der Schreibtischlampen-iMac (iMac G4), den Apple gute sieben Jahre später auf den Markt brachte.

Manche Vorstellungen des Visionärs Bill Gates von damals erwiesen sich aber als Flop. Der Microsoft-Gründer glaubte auf der CeBIT 1995 beispielsweise noch, mit einem eigenen Microsoft Network dem Internet Paroli bieten zu können. Erst einige Monate später erkannte Gates seinen fatalen Irrtum und befahl seinen Programmierern die Wende. Das in dem Film an mehreren Stellen thematisierte digitale Portemonnaie ist auch im Jahr 2009 immer noch Zukunftsmusik. Und opulente Lehrfilme – wie der Multimedia-Vortrag von Jackson vor seiner Klasse – lassen sich auch heute noch nicht in wenigen Minuten zusammenstellen.

Information at Your Fingertips (Comdex 1990)

Bill Gates: Die erste “Information at Your Fingertips” Keynote – Comdex/Herbst 1990

Link: 20 Years ago: Bill Gates: 1st "Information at Your Fingertips" Keynote - Comdex/Fall 1990

Interessant ist ein Vergleich mit einer anderen Vision, die ebenfalls in einem Video visualisiert wurde. 1987 beschrieb der damalige Apple-CEO John Sculley in seinem Buch “Odyssey” den Knowledge Navigator. Diese fiktive Maschine repräsentierte Sculleys Vision eines persönlichen Computers für das 21. Jahrhundert.

Start am 6. Juni: Palm will Apple die Schau stehlen

Zwei Tage vor dem Start der World Wide Developer Conference (WWDC) wird Palm sein mit viel Vorschusslorbeeren bedachtes Smartphone Pre am 6. Juni in den USA auf den Markt bringen. Das berichtete Marketwatch.com. Launchpartner von Palm ist Sprint Nextel, der drittgrößte US-Mobilfunkanbieter. Bei einem Zwei-Jahresvertrag soll der Palm Pre 199 Dollar kosten. Die Palm/Sprint-Kombi wird es auch bei Best Buy, Radio Shack und einigen Wal Marts geben.

Für Palm stellt der Pre quasi die letzte Chance dar: Der Taschencomputer-Hersteller hatte den Palm Pre im Januar 2009 auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas angekündigt und später auf dem Mobile World Congress in Barcelona auch eine Version für den europäischen Mobilfunkmarkt in Aussicht gestellt. Für Europa und Deutschland wurden aber von Palm noch keine Vermarktungspartner benannt.

Im Juni 2007 war der kalifornische Risikokapitalgeber Elevation Partners bei dem damals angeschlagenen Unternehmen eingestiegen, um die Entwicklung des neuen Betriebssystems webOS und des Palm Pre zu finanzieren. Die Entwicklung des Palm Pre wurde von Jon Rubinstein koordiniert, der zuvor bei Apple für das iPod-Business zuständig war.

Im Vergleich zum (derzeitigen) iPhone überzeugt der Palm Pre durch ein multitask-fähiges Betriebssystem und einer Software-Lösung, die viel stärker soziale Netzwerke wie Facebook einbindet. Die Stärken des iPhones dürften bei den vielen Anwendungen liegen, die im iTunes App Store verfügbar sind.

Sprint | News Release: Sprint to Offer Palm Pre Nationwide on June 6

PR-Panne: Twitter ändert Feed-Einstellungen und erzählt was vom Pferd

Der Mikroblogging-Dienst Twitter zeigt künftige keine sogenannten Replies (“@Benutzername”) mehr an, wenn man nicht die Feeds aller Beteiligten abonniert hat. Die Querverweise sind nur noch in den jeweiligen Nutzerprofilen sichtbar. Mit der Änderung der Feed-Einstellung löste Twitter eine Protestwelle unter den Mitgliedern, die bei Twitter unter dem Stichwort #fixreplies zu finden ist. Und ganz nebenbei stellte sich heraus, dass Twitter beim ersten Versuch einer Begründung seine User einen vom Pferd erzählt hat.

Unter dem harmlosen Titel “Small Settings Update” kündigte Twitter im Unternehmensblog die Änderungen bei den Feed-Einstellungen an. Bislang konnten die Anwender selbst entscheiden, ob ihre Timeline auch Replies, also Erwähnungen von einzelnen Usern bzw. Antworten auf Tweets bestimmter Anwender erhalten möchten, auch wenn sie nicht allen Kommunikationsbeteiligten “folgen”. In dem Blogeintrag nannte Twitter dies eine “undesirable and confusing option”, die ersatzlos gestrichen werde. Doch was “unerwünscht” oder “verwirrend” ist, mochten sich viele Twitter-Anwender nicht vorschreiben lassen und forderten Twitter dazu auf, die Änderungen zurückzunehmen.

Der Fixreplies-Protest kam sofort bei Twitter an. Unter der Überschrift “Whoa, Feedback!” mussten dann Twitter-Mitbegründer Biz Stone den wahren Grund der Änderung eingestehen, nämlich massive technische Probleme:

The engineering team reminded me that there were serious technical reasons why that setting had to go or be entirely rebuilt—it wouldn’t have lasted long even if we thought it was the best thing ever.

fail whale: Twitter hat immer wieder mit technischen Pannen zu kämpfen

fail whale: Twitter hat immer wieder mit technischen Pannen zu kämpfen

Nun ist Twitter ohnehin nicht auf das stabilste Fundament gebaut. Anwender sehen immer wieder den „Ausfall-Wal“ (engl. fail whale), das Pausenbild, das Twitter bei technischen Ausfällen schaltet – eine Karikatur von roten Vögeln, die einen Weißwal aus dem Ozean hieven. Die Beschneidung von Funktionalitäten sind aber kein geeignetes Mittel, um Wachstumsprobleme in den Griff zu bekommen. Und wenn man schon dazu gezwungen ist, darf man seine User nicht mit Notlügen abspeisen.

Links:

Twitter-Nutzer kritisieren geänderte Feed-Einstellungen – Internet | News | ZDNet.de

Twitter Waffles About Why @Replies Were Dumbed Down

P.S. Twitter ist gerade mal wieder down:

"Twitter is currently down for maintenance. We expect to be back in about an hour. Thanks for your patience."

Twitter für Einsteiger (2) – Die populärsten Twitter-Programme

Im ersten Teil der Anleitung “Twitter für Einsteiger” habe ich beschrieben, worum es überhaupt bei Twitter geht und wie man bei dem Mikroblogging-Dienst mitmachen kann. Im zweiten Teil möchte ich mich der Frage widmen, wie man Twitter auf unterschiedlichen Plattformen bedienen kann. Dabei stelle ich die zehn populärsten Twitter-Programme (Stand 9. Mai 2009) vor.

1. Der Browser

Marktanteil: 25,4 %
Tweets pro User: 7,1
(Stand: Mai 2009)

Twitter im Browser

Twitter im Browser

Rund ein Viertel aller Twitteranwender nutzt einen normalen Web-Browser, um über die Twitter-Homepage zu kommunizieren.
Plus: Man muss keine Extra-Software installieren. Und man kann von jedem beliebigen Rechner aus twittern.
Minus: Man kann seine ausgewählten Twitter-Feeds, die sogenannte Timeline, nur über einen begrenzten Zeitraum verfolgen, da Twitter die Anzeige auf die jüngsten 800 Tweets beschränkt. Außerdem kann man nicht mehrere Ansichten auf den Twitter-Feed (Timeline, Twitter-Suchen, Antworten auf eigene Tweets) parallel anzeigen lassen. Das Verfolgen von mehreren Twitter-Konten ist sehr umständlich.


2. TweetDeck

Tweetdeck

Marktanteil: 12,5 %
Tweets pro User: 6,9
(Stand: Mai 2009)
Link TweetDeck

Twittern mit TweetDeck

Twittern mit TweetDeck

TweetDeck ist eine Desktop-Anwendung für Twitter auf der Basis von Adobe AIR. Tweetdeck nutzt wie andere Twitter-Anwendungen die Programmierschnittstelle (API), um Tweets zu senden und zu empfangen. Tweetdeck ist kompatibel mit Microsoft Windows (XP und Vista), Mac OS X und (mit etwas manuellen Aufwand) auch mit GNU/Linux.

Plus: Die Anwender können bei TweetDeck die Twitter-Inhalte in mehreren Spalten organisieren, um so neben der allgemeinen Timeline auch die Tweets von seinen Kontakten oder bestimmte Suchabfragen im Auge zu behalten. Dabei kann man die Feeds auch in Gruppen (z.B. Freunde, Job, Fußball) einteilen. Weiterhin kann man Inhalte aus Facebook, Twitscoop, 12seconds und Stocktwits verfolgen. TweetDeck wird kostenlos angeboten (Stand: Mai 2009).

Minus: TweetDeck unterstützt nur einen Twitter-Account. Die Spaltengröße lässt sich nicht individuell einstellen.


3. Tweetie

Tweetie Logo

Marktanteil: 9,9 %
Tweets pro User: 4,8
(Stand: Mai 2009)
Link Tweetie

Twittern mit Tweetie

Twittern mit Tweetie

Tweetie ist der populärste Twitter-Client im Apple-Universum. Das Programm wurde zunächst für das iPhone entwickelt und hat sich dort mittlerweile gegen Konkurrenten wie Twitterrific, Twitterena und Twittelator durchgesetzt. Seit Mai 2009 ist Tweetie auch für den Mac verfügbar. Im Gegensatz zu vielen anderen Twitter-Programmen stellt Tweetie die Inhalte in einer Spalte dar.

Plus: Tweetie überzeugt durch sein elegantes Design und die gute Benutzeroberfläche. Die unterschiedlichen Feeds werden durch vertikal angeordnete Tabs angesprochen: Timeline, Mentions (also die Erwähnungen des eigenen Usernamens durch andere Twitterer), Messages (direkte, nicht öffentliche Mitteilungen) und Searches (Suchergebnisse).

Minus: Tweetie kostet Geld: 19,95 US-Dollar für Tweetie for Mac , 2,99 Dollar bzw. Euro im deutschen iTunes Store für das iPhone. Ist es aber auch wert, vor allem auf dem iPhone.


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Die populärsten YouTube-Videos aller Zeit

Die Online-Video-Plattform Visible Measures hat gerade eine Liste mit den populärsten “viralen” Online-Videos veröffentlicht. Danach wurden 18 Videos häufiger als 100 Millionen mal abgerufen. (Dabei hat Visible Measures allerdings alle Varianten eines Videos zusammengefasst, auch wenn einige davon bei YouTube-Wettbewerbern abgerufen wurden.) In dem 100-Millionen-Club sind acht Musikvideos, vier Trailer von Kinofilmen, zwei Clips von TV-Shows sowie immerhin vier Videos, die Anwender selbst gedreht haben.

Susan Boyle, die “Nachfolgerin” von Paul Potts in der britischen Talentshow BGT, hat es in der sensationellen Zeit von nur einem Monat geschafft, mit 186 Millionen Videoabrufen auf Platz fünf zu landen. Paul Potts selbst liegt übrigens auf Platz 15.

1. Platz – 356.300.000 Abrufe: “Crank Dat” Musikvideo von Soldier Boy

2. Platz – 266.500.000 Abrufe: Trailer des Kinofilms “Twilight”

3. Platz – 230.200.000 Abrufe: “Touch My Body” Musikvideo von Mariah Carey

4. Platz – 196.500.000 Abrufe: Jeff Dunham – “Achmed the Terrorist”

5. Platz – 186.000.000 Abrufe: Susan Boyle in der TV-Sendung “Britain’s Got Talent”


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