"Mission Accomplished" – Torsten Ahlers verlässt AOL

Torsten Ahlers im November 2006 in der AOL-Zentrale in Dulles (USA)In Hamburg haben das die Spatzen seit Tagen von den Dächern gepfiffen – und nun ist es offiziell: AOL-Deutschland-Chef Torsten Ahlers verlässt das Unternehmen und wird eine neue Aufgabe außerhalb der AOL-Gruppe suchen. „Profitabilität war eines von Ahlers wichtigsten Zielen und jetzt, nach deren Erreichung wird sich Ahlers, im gegenseitigen Einverständnis, einer anderen Aufgabe außerhalb von AOL Europa widmen“, heißt es in der Pressemitteilung von AOL.

Die schlaueste Analyse zum Abtritt von Torsten Ahlers lese sich beim FAZ-Netzökonom Holger Schmidt:

AOL hatte sich nach dem Verkauf des Zugangsgeschäfts in Europa zunächst darauf konzentriert, ein Portal zu werden. Aber schon kurze Zeit verordete die Konzernspitze in Amerika den nächsten Strategiewechsel: AOL sollte ein Werbenetzwerk werden – verbunden mit erhöhten Renditezielen. Dafür wurden viele neue Portale in Europa gegründet und die Vermarktung fremder Seiten übernommen – auch um den Bedeutungsverlust der eigenen AOL-Seiten in Deutschland, Frankreich und Großbritannien nach den Verkäufen der Zugangsgeschäfte zu kompensieren. Allerdings wird in der Branche bezweifelt, dass es AOL noch einmal gelingen wird, Portale in relevanter Größenordnung aufzubauen.

Torsten Ahlers hat diesen von New York verordneten Doppelschwenk in Deutschland erfolgreich ausgeführt, die Kosten dramatisch gesenkt und AOL als Werbevermarkter gut positioniert. Das zeigen auch die aktuellen AGOF-Zahlen. Auf der Strecke geblieben ist aber ein erheblicher Teil der AOL-Mannschaft. Am Millerntor in der ehemaligen AOL-Zentrale saß einst eine der größten Online-Redaktionen des Landes. Davon kaum etwas übrig geblieben. Nun spiegelt aol.de nur noch die Online-News des Springerblatts „Die Welt“ (Springer-Chef Matthias Döpfner ist gleichzeitig auch Mitglied im Aufsichtsrat der AOL Muttergesellschaft Time Warner).

Mit dem Wechsel von AOL auf Alice zerbröselte auch von die heile Online-Welt von AOL, die zwar von vielen Internet-Profis mitleidig belächelt wurde, aber Leuten wie meinem Vater eine halbwegs gut zu bedienende, übersichtliche Untermenge des Internets bot.

[Netzökonom : Ahlers verlässt AOL]

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