Die Geschichte des Apple Macintosh – Quellen im Netz

Update: Zu Geschichte des Apple Macintosh habe ich inzwischen eine eigene
Website, Mac History, eingerichtet.

Im Herbst 1983 erschien das Business Week Magazin mit einem IBM Personal Computer auf dem Titelblatt und der Schlagzeile: “And the winner is…IBM.”

Apple, der wahre Erfinder des Personal Computers, steckte damals in der ersten großen Krise. Der Apple II, mit dem Apple die PC-Industrie begründet hatte, war zu diesem Zeitpunkt schon längst nicht mehr “State of the Art”. Der Apple III verkaufte sich schlecht. Und auch der aufwändig entwickele Apple Lisa, der erste kommerziell verfügbare Rechner mit einer grafischen Benutzeroberfläche, fand angesichts eines astronomisch hohen Verkaufspreisen von über 10 000 Dollar kaum Kunden.

Der erste Apple MacintoshDer Macintosh, Ende der siebziger Jahre von Jef Raskin als innovativer und preiswerter Volkscomputer entworfen und schließlich von einem Team rund um Steve Jobs in die Realität umgesetzt, sollte Apple retten. Der Apple-Mitbegründer hatte unter einer Piratenflagge etliche kreative Köpfe versammelt, die Computer-Geschichte schreiben sollten.

Wer sich für die Details interessiert, findet im Web jede Menge Quellen und Schilderungen von Zeitzeugen.
Die umfangreichste deutsch-sprachige Site zur Geschichte von Apple Computer hat Helge Fetz mit Cupertino.de ins Netz gestellt. Dort findet man nicht nur die TV-Spots von Apple (darunter auch den legendären 1984-Spot, der am 22. Januar während des Super-Bowl den Macintosh ankündigte), sondern auch eine komplette Übersicht aller Macintosh-Modelle. Cupertino.de wird aber offenbar seit geraumer Zeit nicht mehr aktualisiert. Deshalb habe ich mir vorgenommen, mit Mac History eine neue Anlaufstelle für alle aufzubauen, die sich für die Geschichte von Apple und des Apple Macintosh interessieren.


Das englischsprachige Gegenstück zu Cupertino.de heißt apple-history.com, ist aber manchmal schwer zu erreichen.

Das Computer History Museum im Silicon Valley (1401 N. Shoreline Blvd., Mountain View, Kalifornien) würdigt den Mac und die Geschichte in dem Apple History Weblog.

Eine erstklassige Dokumentation der Entstehungsgeschichte des Macintosh haben Studenten der kalifornischen Stanford-Universität online gestellt. Making the Macintosh bietet u.a. Material aus Sammlungen aus Stanford (darunter Abschriften von etlichen Interviews mit den “Machern” des Macs) und erstmals publiziertes Material aus den privaten Sammlungen etliche Leute, die an der Geschichte des Macinbtosh persönlich beteiligt waren.

Nerds

Einen hervorragenden Überblick über das “größere Bild” verschafft die TV-Dokumentation des öffentlich-rechtlichen TV-Senders PBS “Triumph of the Nerds”, in der Autor Robert X. Cringely nicht nur die Titanen der Computer- und Software-Industrie wie Bill Gates, Steve Ballmer, Steve Jobs oder Larry Elison zu Wort kommen lässt, sondern auch die entscheidenden Macher wie Andy Hertzfeld. Die eigentliche TV-Doku kann man nur in den USA als NSTC-Videoband bekommen. Auf der PBS-Site findet man aber auch das komplette Transkript der dreiteiligen Sendung. Klasse Service!

Maus-Demo von Doug EngelbartIm Zusammenhang mit der Geschichte des Macintosh stellt sich natürlich auch die Frage nach den Ursprüngen des “Graphical User Interfaces” (GUI). Hier lohnt ein Blick auf die Mousesite, die zu Ehren des Erfinders der Computermaus, Doug Engelbart, eingerichtet wurde. Auf der Site findet man auch die berühmte Maus-Demo von 1968 als Video, die als “Mutter aller Demos” in die Computergeschichte einging.

Doug Engelbart war in den frühen 60er Jahren ein Wissenschaftler am Stanford Research Institute (SRI), in Menlo Park, Kalifornien. Er war der Überzeugung, dass die Probleme der Menschheit schneller wuchsen als die Möglichkeiten diese zu lösen. In der individuellen Wissenserweiterung sowie der globalen Verknüpfung des menschlichen Wissens sah er einen Ausweg aus diesem Dilemma. So versuchten sie damals am SRI im Rahmen des Augmentation System Projects, kurz AUGMENT, Wege zu finden, diese Ziele zu erreichen.

1945 hatte Doug Engelbart einen Artikel von Vannevar Bush im Atlantic Monthly, “As we may think”. In seinem Artikel stellte er die Einrichtung des Arbeitsplatzes für Wissenschaftler mit der Bezeichnung “Memex” vor. Seine Vision war, dass Nutzer in Zukunft mit dem Computer durch eine graphische Oberfläche interagieren würden. Engelbart war von den Ideen, die Bush vorschlug, fasziniert. Während Bush seine Arbeit nur als theoretisches Modell konzipiert hatte, lernte Engelbart den Umgang mit Computern und kam schließlich zur Überzeugung, ein Computerprogramm schreiben zu müssen, dass “die menschliche Intelligenz vermehren” sollte. Ein bewundernswertes Unterfangen, wenn man bedenkt, dass nach Engelbarts Aussagen, der schon zu dieser Zeit in Kalifornien lebte, sich der nächste Computer an der Ostküste befand.

Als Engelbart 1962 Direktor eines eigenen Labors beim SRI, dem späteren Augmentation Research Center, wurde, hatte er endlich die Möglichkeiten, dies in die Tat umzusetzen. Nachdem in diesem Labor der erste Hypertext und damit auch die erste Links erfunden worden waren, störte Engelbart das zeitaufwendige Ansteuern der Links über die Tastatur. Er entwickelte ein Eingabegerät, dass er “X-Y Indicator for a Display System” nannte. Seine Ideen setzte der damalige Chefkonstrukteur des SRI 1964 um: ein Holzkästchen mit einem Knopf und zwei Rädern an der Unterseite, der ersten Maus. Die Maus ermöglichte das Ansteuern der Hyperlinks in strengen vertikalen und horizontalen Geraden, ein diagonales Bewegen war noch nicht möglich. Später stieß noch Jeff Rulifson hinzu, der die Software für die Maus stark verbesserte.

Maus-Prototyp aus Holz

Windows 2.03Bei den Recherchen zu dieser Geschichte bin ich auch auf die Site GUIdebook – Graphical User Interface Gallery gestoßen. Hier kann man nicht nur die fast vollständige Palette aller Versionen des Macintosh-Betriebssystems als Screenshot sehen, sondern auch die anderen historischen GUIs wie Commodore Amiga, Be OS, Solaris, NeXT, OS/2 und natürlich auch Windows. Hatte schon ganz vergessen, wie primitiv Windows zu dem Zeitpunkt aussah, als der Mac auf den Markt kam. Immerhin – schön bunt war’s.

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