iGerücht

Von | Apple

Wann stellt Steve Jobs schnellere Macs vor? Wann kommt das G5-PowerBook? Wann ist ein günstiger Zeitpunkt gekommen, um einen neuen iPod einzukaufen? Apple macht es seinen Kunden bei der Suche nach einem günstigen Shopping-Zeitpunkt nicht leicht.

iWalkHartgesottene Apple-Fans konnten es nicht fassen. Der 20. Jahrestag der Markteinführung des Macintosh verstrich, ohne dass es von Apple irgend eine Ankündigung gegeben hatte. Dabei spekulierten unzählige Websites, die sich auf Gerüchte rund um Apple spezialisiert haben, auf etwas “Großes”. Es musste ja nicht gerade eine Neuauflage des legendären “Spartacus“-Macs sein, der offiziell “20th Anniversary Macintosh” hieß und 1997 zum 20jährigen Firmenjubiläum für knapp 10000 Dollar auf den Markt kam. Aber einen “Jubel-iPod” oder ein anderes nettes Gadget zum Mac-Geburtstag hatten etliche in der Fan-Gemeinde schon erwartet.

Apple-Chef Steve Jobs ignorierte jedoch das Bedürfnis der treuen Stammkundschaft, das Mac-Jubiläum mit einer größeren Produktankündigung zu feiern. Nur er allein wäre in der Lage, diese Entscheidung treffen, denn obwohl er als Apple-CEO und Boss des Filmstudios Pixar gerade in diesen Wochen einer gewaltigen Doppelbelastung ausgesetzt ist, kontrolliert er alleine die Produktpolitik bei Apple bis ins Detail. Und in der Regel ist es der Chef auch selbst, der die neuen Produkte der staunenden Öffentlichkeit vorstellen darf.

Die Präsentation neuer Produkte auf Veranstaltungen wie der MacWorld Expo hat Jobs in den vergangenen Jahren perfektioniert. Sein “Oh, just one more thing!” ist in der Mac-Szene schon zum Sprichwort geworden, wenn Jobs in den letzten Minuten seiner Keynote die wirklich wichtigen Ankündigungen macht.

Wer jemals eine dieser Keynotes von Steve Jobs besucht hat, fragt sich schon, wie Apple es schafft, dass in einer Stadt wie San Francisco bereits wenige Minuten nach der geheimnis-umwitterten Produktpräsentation fast jede Littfass-Säule in der City schon mit einem Plakat des neuen Apple-Produkts beklebt ist. Offensichtlich verhindert die Androhung von hohen Vertragsstrafen, dass vorab Produktfotos an die Öffentlichkeit kommen.

Kaum ein anderes Computer-Unternehmen betreibt solche eine Geheimnis-Krämerei um neue Produkte wie Apple. In der klassischen PC-Industrie bestimmen vor allem die Chip-Hersteller Intel und AMD das Programm. Gerade Intel ist dafür bekannt, seine “Roadmap” etliche Monate im Voraus bekannt zu geben und dann auch mehr oder weniger exakt einzuhalten. An diesem Fahrplan orientieren sich dann auch die OEM (Original Equipment Manufacturer) wie Dell, Gateway, Fujitsu-Siemens, IBM, Medion oder andere. Und dann hat natürlich auch noch Microsoft einen erheblichen Einfluss darauf, ob und wann bestimmte Gerätetypen wie ein Windows Media Center PC oder die zweite Generation der Tablet PCs auf dem Markt kommen. Microsoft hat sich über viele Jahre hinweg den Ruf erworben, immer etwas zu vollmundig zu frühe Termin für den Abschluss großer Projekte zu nennen, wie zuletzt auch beim großen neuen Windows-Release “Longhorn”. Die OEM wissen aber schon mit einem Vorlauf von über einem halben Jahr, wann welche Windows-Version genau als “Golden Master” vorliegt.

Bei Apple ist fast alles ganz anders, obwohl natürlich auch die Produktentwickler im kalifornischen Cupertino auf die Zulieferung der Mikroprozessoren von Motorola und insbesondere IBM angewiesen sind. Die Branchenexperten wissen zwar ziemlich genau, wo sich etwa IBM bei der Entwicklung und Produktion seiner PowerPC-Prozessoren befindet. Doch welche IBM-CPUs Apple nun wann für welche Produkte einsetzen wird, steht damit längst noch nicht fest.

Ganz aktuell heizen Nachrichten aus der IBM-Fab East Fishkill im US-Bundesstaat New York die Gerüchte um neue Apple-Produkte gehörig an. IBM hatte erklärt, dass ein neuer Produktionsprozess aufgesetzt worden sei, bei dem drei verschiedene bekannte Technologien neu kombiniert werden. In East Fishkill produziert IBM den Mikroprozessor PowerPC 970FX. Die aktuelle Version des PowerPC 970FX Chips, der 970, wird von IBM selbst in einigen Servern eingesetzt – und aber vor allem im neuen Xserve G5 Server von Apple.

Zum einen setzt IBM Kupfer anstelle von Aluminium ein. Zusätzlich verwendet der PowerPC-Hersteller das Verfahren Silicon on Insulator (SOI). Dabei wird eine dünne Oxid-Schicht als Isolator unterhalb des eigentlichen Transistors eingeschoben, um Leckströme zu verringern. Außerdem wird IBM mit gestrecktem Silizium (Strained Silicon) arbeiten, in dem sich die Ladungsträger freier bewegen können. Damit kann IBM höhere Schaltgeschwindigkeiten erzielen und somit die Taktfrequenzen in die Höhe treiben.

Intel setzt bei seinem Spitzen-Chip Prescott auch Strained Silicon ein, muss sich allerdings derzeit in der Fachpresse vorwerfen lassen, den Strombedarf in ungeahnte Höhen geschraubt zu haben. IBM will es beim neuen PPC970FX mit Hilfe einer systemweiten Stromspartechnik („PowerPC Power Tuning“) besser machen. PowerPC Power Tuning steht für eine dynamische Spannungs- und Taktsteuerung.

Mit der neuen IBM-CPU rückt ein G5-PowerBook in greifbare Nähe: “Mit dem neuen Herstellungsprozess könnten entweder Chips produziert werden, die schneller laufen oder die weniger Strom ziehen”, sagte Richard Doherty, Research Director des US-Marktforschungsunternehmens Envisioneering. Der geringere Strombedarf führe zu einer längeren Batterielaufzeit. Apple könnte die neue CPU in einem Notebook-Computer für Spiele-Enthusiasten einsetzen, meinte Doherty. “Es wäre logisch, wenn Apple die Flexibilität dieses Chips für sein Notebook der nächsten Generation auswählen würde”, sagte Doherty.

Von solchen doch eher spekulativen Ãußerungen lebt die Apple-Gerüchte-Szene, die Websites wie Mac Rumors, Spymac oder AppleInsider Zulauf bescheren. Doch in der Regel stochern diese Sites im dicken Nebel.  Denn ob und wann Apple bei den tragbaren Rechnern auf die G5-CPU umsteigen wird, können nämlich außer Steve Jobs nur ganz wenige Eingeweihte bei Apple sagen.

So lagen viele Spekulanten auch im Vorfeld der jüngsten Großereignisse wie der MacWorld in San Francisco völlig daneben, die zum wiederholten Male die Vorstellung eines neuen Apple-PDAs voraussagten. Einen Produktnamen hat die Szene auch schon: “iWalk” sollte das Gerät heißen, das ein würdiger Nachfolger des Apple Newton werden sollte. Bei den “iWalk“-Propheten gab es nach der Keynote von Steve Jobs natürlich lange Gesichter, denn ein “iWalk” war bei den Produktneuheiten von Apple nicht dabei. Da hatte es auch nicht geholfen, dass auf spymac.com schon ein Videoclip mit einem vermeintlichen “iWalk“-Prototypen zu sehen war.

Doch so schnell schreibt die Gemeinde ihr Lieblingsgerücht nicht ab. Ganz aktuell nähren Pläne von Palm Source, die nächste Palm-OS-Version 6 ohne eine direkte Unterstützung für Mac OS X herauszubringen, die Hoffnungen auf “iWalk”. Vielleicht ist es ja auf der MacWorld im Januar 2005 in San Francisco so weit?

Palm verweist unterdessen darauf, dass die “flexible Architektur des Palm OS” den Lizenznehmern alle Möglichkeiten gebe, den Support für das Macintosh-Betriebssystem in ihr “Palm Powered Device” einzubauen. Albert Chu, bei PalmSource Vice President of Business Development, versuchte auch sofort die Wogen wieder zu glätten: “Wir schätzen die Gemeinschaft der Mac-User sehr”, sagte er in einem Interview. Chu war übrigens bei Apple für die Entwicklung des Newton mitverantwortlich, der im August 1993 auf den Markt kam und im Februar 1998 von Steve Jobs persönlich aus dem Programm genommen wurde. Chu sagt heute: “Der Newton bestand aus einer guten Technologie. Er hatte viele tolle Features. Doch als wir ihn auf den Markt brachten, war das keine Markteinführung als ein Teil von Apple.” Der Newton sei seiner Zeit voraus gewesen. “Für die Primetime war er aber noch nicht bereit, denn die Handschriften-Erkennung funktionierte nicht.”

Zurück zu den aktuellen und künftigen Apple-Produkten: Für die laufende Erneuerung der “Brot-und-Butter“-Maschinen werden Messen wie die MacWorld immer weiter an Bedeutung verlieren. Früher hatten sich fast alle Apple-Händler und viele, viele Apple-Kunden rund um den Globus die Termine der Ausstellungen in New York, Tokio, Paris und insbesondere San Francisco rot im Kalender angestrichen, denn die Präsentation neuer Hardware-Modelle gehörte zur Routine einer MacWorld. Im Vorfeld der Messen sackte allerdings der Absatz der “alten” Macs, PowerBooks und iBooks immer in den Keller, denn wer will sich schon einen Rechner kaufen, der möglicherweise in wenigen Wochen quasi zum alten Eisen gehört. Deshalb verzichtet Apple auf fixe Einführungstermine und verteilt seit über einem Jahr die Einführung neuer Computer über das ganze Jahr.

Vor diesem Hintergrund begeben wir uns auch einmal auf das Feld der Spekulationen und wagen einige Prognosen für das restliche Jahr 2004: Schnellere PowerMacs für die Profi-Kundschaft werden kommen. Sie werden das ganze Jahr über verteilt präsentiert werden, ohne großes Tamtam.

Es gibt einige Indizien dafür, dass sich Apple auf einen heißen Herbst vorbereitet. Führt man sich den Lebenszyklus der iMac-Familie vor Augen, könnte der iMac mit dem Flachbildschirm langsam einem neuen Konzept weichen. Und mit den neusten Chips von Intel und AMD, die den Windows- und Linux-PCs Beine machen, wird auch hier der Umstieg auf die G5-Architektur anstehen.

Für das Konsumer-Laptop iBook, das wohl noch eine geraume Zeit lang mit G4-Prozessoren angeboten wird, ist der Beginn des Herbstsemesters an den US-Highschools und Universitäten („Back to School“) sowie das Weihnachtsgeschäft maßgeblich. Daran dürften sich auch die Produktpläne bei Apple orientieren.

Das Weihnachtsfest dürfte auch der Fixpunkt für neue größere iPod-Modell sein. Schließlich verkauft Apple in dem “Xmas-Quartal” ein Großteil seiner Mobilplayer. Und damit auch 2004 möglichst viele iPods unterm Weihnachtsbaum liegen sollen, wird Apple vorab wohl neue Modelle mit mehr Speicher präsentieren.

Eine Prognose, wann endlich der iTunes MusicStore in Deutschland, Österreich und der Schweiz startet, fällt selbst der MACup schwer. Denn hier spielt nicht nur die Produktpolitik von Apple eine Rolle, sondern auch das Verhalten der Musikindustrie. Apple hatte immer klar gemacht, dass der iTunes MusicStore bei uns auch mit allen fünf (bzw. nach der Fusion der Bertelsmann Music Group und Sony) vier großen Musikkonzernen an den Start gehen soll. Apple, so hört man, hat seine technischen Hausaufgaben erledigt. Es fehlt aber noch die Tinte unter den Verträgen mit Universal Records, Sony BMG, Warner und EMI. Daher könnte es auch Herbst 2004 werden, bis sich hier etwas tut.

Christoph Dernbach

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