Hoffnungsloser Fall

Von | Apple

Diesen Streit konnte Apple nur verlieren. Ein Berufungsgericht in Kalifornien entschied nun, dass Blogger wie Jason O’Grady mit seiner PowerPage sich wie Journalisten auf die im “First Amendment” zur Verfassung der Vereinigten Staaten verbriefte Pressefreiheit und ein kalifornisches Gesetz zum Quellenschutz von Journalisten berufen können.

Im Vorfeld der MacWorld Expo im Januar 2005 hatten einige Gerüchte-Sites und Blogger spekuliert, Apple werde ein unter dem Codenamen “Asteroid” entwickeltes Audio-Hardware-Interface auf den Markt bringen, mit dem Anwender der Musiksoftware GarageBand ihre Instrumente via Firewire an einen Mac anschließen können. Nachdem Apple Insider und PowerPage über die Pläne des Unternehmens berichtete, erstattete Apple am 13. Dezember 2004 Anzeige gegen mehrere “Does”, also gegen Unbekannt. Mit der Klage wollte Steve Jobs vor allem den illoyalen Leuten in den eigenen Reihen klar machen, dass er beim Verrat von Betriebsgeheimnissen kein Pardon kennt.

Mit dem einstimmig gefassten Berufungsurteil verwarfen die Richter den Beschluss der ersten Instanz aus dem März 2005, nach dem Apple von den Providern der Websites AppleInsider und PowerPage die Herausgabe von E-Mails über das Apple-Projekt “Asteroid” erzwingen konnte.

In der Öffentlichkeit wurde die Klage natürlich als Attacke auf die Meinungsfreiheit verstanden. Das war aber abzusehen. Gibt es bei Apple eigentlich keine vernünftigen PR-Berater, die der Führungsmannschaft in Cupertino klar machen (können), dass man solche Klagen nur verlieren kann? Selbst wenn man vor Gericht gewinnt, ist der öffentliche Schaden größer als die Tatsache, dass vor einer MacWorld noch einige Gerüchte mehr im Netz stehen.

In den Blogs wird nun das Urteil als großer Sieg für die Pressefreiheit gefeiert werden. Jason O’Grady feiert seinen Sieg schon jetzt bei ZDNet. Dabei kommt wieder die Tatsache zu kurz, dass die Blogs nicht etwa einen Skandal bei Apple aufgedeckt hatten, sondern Mitarbeiter des Konzerns dazu überredet hatten, gegen ihre Arbeitsverträge zu verstoßen. Das ist kein “investigativer Journalismus”, sondern eine in aller Öffentlichkeit inszenierte Werksspionage.

Apple hat “Asteroid” übrigens nie auf den Markt gebracht.

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