Happy Birthday, iPod!

Der erste iPod, der vor genau fünf Jahren von Steve Jobs in San Francisco vorgestellt wurde, hat nicht nur die Branche der Unterhaltungselektronik und der Musikindustrie von Grund auf verändert, sondern auch maßgeblich zu einer neuen Musikkultur beigetragen.

Der erste iPod
Foto: Apple
Der erste iPod hatte einen Speicher von 5 GB

In den sechziger Jahren bestimmte die Single die Rahmenbedingungen der Musiker, später die Langspielplatte und die CD. Der iPod (und auch die Möchte-Gern- iPod-Killer) haben dazu beigetragen, dass sich Musikliebhaber ihr persönliches Programm machen, sich eigene Sammlungen zusammenstellen oder mit einem großen iPod einen Großteil ihrer Musikbestände ständig mitnehmen können. Mein 60-GB-iPod, auf dem sich so ziemlich jeder Song befindet, den Johnny Cash jemals veröffentlicht hat, bedeutet für mich immer ein Stück „zu Hause“, wenn ich wie in diesen Tagen mal wieder längere Zeit unterwegs bin. Für dpa habe ich ein kleines iPod-Porträt zum 5. geschrieben, das im Netz umfangreich aufgegriffen wurde.

In der Story zitiere ich auch die erste kritische Reaktion von SPIEGEL ONLINE („Der wird wohl kaum die Welt verändern“), an die sich SPON in der aktuellen Geburtstagsmeldung nicht mehr so recht erinnern kann. Das Zitat aus dem Spiegel fehlt übrigens auch in der Fassung meines Berichts, der beim Manager Magazin online gelaufen ist. Komplett zum Nachlesen anbei die Fassung von heise.de:


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Fünf Jahre iPod: Apple landet mit seinem Musikplayer einen Megahit

Zur Präsentation des ersten iPods von Apple vor fünf Jahren lief Unternehmenschef Steve Jobs zur Höchstform auf. „Es wird das heißeste Geschenk der Saison sein“, versprach der charismatische Apple-Mitbegründer am 23. Oktober 2001.

Doch viele Beobachter griffen die großspurige Ankündigung nur mit großer Skepsis auf. „Der wird wohl kaum die Welt verändern“, schrieb der Spiegel. Auch die Neue Zürcher Zeitung zeigte sich enttäuscht: „Es war dann halt einfach ein portabler MP3-Player.“ Und der Stern sagte voraus, dass der iPod „kein Umsatzbringer“ werde.

Tatsächlich war der iPod nicht von Beginn an ein Megaseller: Wenige Wochen nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 hielten die Verbraucher noch ihr Geld zusammen. Der erste iPod, der 1000 Songs speichern konnte, kostete in den USA immerhin 399 US-Dollar, in Deutschland sogar knapp 500 Euro. Im ersten Jahr wurden denn auch nur 376.000 iPods verkauft. Den echten Durchbruch erreichte Apple erst im Weihnachtsgeschäft 2004, als sich der Quartalsabsatz auf 4,6 Millionen Player im Vergleich zum Vorjahr mehr als versechsfachte. Mittlerweile hat Apple insgesamt 67,6 Millionen iPods verkauft und damit die gesamte Branche umgekrempelt.

Was die technischen Daten der Player anging, konnten etliche Konkurrenten von Apple mithalten oder den iPod sogar übertrumpfen. Doch die als „iPod-Killer“ angekündigten Geräte erwiesen sich oft als Ladenhüter. Selbst der einstige Branchenprimus Sony blieb mit seinen Walkman-Nachfolgern chancenlos. Apple zog immer weiter davon und eroberte allein in den USA 75 Prozent des Marktes. Als entscheidend für den Erfolg erwies sich das Design des iPods. „Das ist nicht nur, wie (ein Produkt) aussieht und sich anfühlt. Design ist, wie es funktioniert“, erläutert Steve Jobs in einem Interview mit der Londoner Times. „Einstöpseln. Whirrrrrr. Fertig.“

Den Erfolg des iPods kann man nicht isoliert von der Musiksoftware iTunes betrachten, die 2003 auch für Windows-PCs veröffentlicht wurde. „Eine unserer größten Erkenntnisse war die Entscheidung, die Musik-Datenbanken nicht auf dem iPod, sondern in iTunes zu verwalten. Andere haben versucht, alles auf dem Gerät selbst zu machen – dadurch wird es so kompliziert, dass es nutzlos wird“, sagte Jobs dem US-Nachrichtenmagazin Newsweek.

Im April 2003 baute Apple iTunes zu einem Online-Musikladen aus, nachdem Jobs persönlich die Chefs vieler Musiklabels in langen Gesprächen überzeugt hatte, dass nur ein legales Download-Angebot die Musikpiraterie im Internet stoppen könne. Auch hier landete Apple den Megahit und hat inzwischen über 1,5 Milliarden Songs verkauft. Nur in Deutschland kann Musicload von T-Online mit Apple mithalten. In den meisten anderen Ländern führt der iTunes Music Store den Markt mit großem Vorsprung an.

Musikstücke aus dem iTunes-Laden sind mit dem Kopierschutz „FairPlay“ versehen, so dass ein Titel auf bis zu fünf Rechnern abgespielt und auf beliebig viele iPods übertragen werden darf. Songs aus konkurrierenden Online-Musikläden wie Musicload, die mit einem Kopierschutz von Microsoft arbeiten, laufen dagegen nicht direkt auf dem Apple-Player. Außerdem können Titel aus dem iTunes Music Store nicht ohne komplizierten Umweg auf Playern der Apple-Konkurrenz abgespielt werden. Sie müssen umständlich zunächst auf eine CD gebrannt und dann in ein geeignetes Format umwandelt werden.

Nach Ansicht von Apple trägt die Kombination von iPod und iTunes dazu bei, dass die Kunden ohne technische Hürden Musik und Videos online einkaufen und mobil abspielen können. Verbraucherschützer in Deutschland, Skandinavien und Frankreich kritisierten dagegen die Koppelung als unfair und werfen Apple vor, die Verbraucherrechte zu ignorieren.

Konkurrent Microsoft scheint nun das umstrittene Koppelgeschäft von Apple kopieren zu wollen. Im November will der Softwaregigant seinen neuen Musikplayer Zune auf den Markt bringen, der online nur noch mit einem neuen Zune-Store zusammenarbeiten soll. Selbst Musikstücke von Microsoft-Partnern wie Musicload oder Napster sollen nicht auf dem Zune laufen können.

Chronologie:

23. Oktober 2001: Der Computerkonzern Apple stellt zunächst nur für die USA den Musikplayer iPod mit einer 5 Gigabyte großen Festplatte vor. Das weiße Gerät ist kleiner als andere MP3-Player auf dem Markt. Es läuft nur mit Apples Macintosh-Computern und kostet 399 Dollar. Im Ende September abgeschlossenen Geschäftsjahr macht Apple 25 Millionen Dollar Verlust bei 5,36 Milliarden Dollar Umsatz.

Juli 2002: iPods mit 10 und 20 GByte Kapazität kommen hinzu. Der Player lässt sich jetzt auch an Windows-Computer anschließen.

April 2003: Apple startet zunächst in den USA den Online-Shop iTunes Music Store, in dem 200 000 Titel für je 0,99 Dollar zum Download verfügbar sind. Viele Experten sind angesichts der starken Musikpiraterie skeptisch.

September 2003: Zehn Millionen Songs beim iTunes Music Store verkauft.

Oktober 2003: Im iTunes-Store können jetzt auch Windows-Nutzer einkaufen.

Januar 2004: Zwei Millionen iPods und 30 Millionen Songs verkauft. Der kleinere iPod mini mit einer Alu-Hülle in vier Farben und einer 4GB-Festplatte kommt hinzu.

Juni 2004: Der iTunes Music Store startet auch in Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Im ersten Jahr werden in Europa 50 Millionen Songs abgesetzt.

Juli 2004: 100 Millionen Songs über iTunes verkauft.

August 2004: Der iTunes Store hat eine Million Titel im Angebot.

Oktober 2004: Apple geht über die Musik hinaus. Der iPod Photo mit Festplatten von 40 und 60 GByte kann bis zu 25 000 Bilder speichern. Damit kommen auch Farbbildschirme zum Einsatz.

Januar 2005: 250 Millionen Songs bei iTunes verkauft. Der einfache iPod shuffle ohne Display wird eingeführt.

Juli 2005: 500 Millionen Songs bei iTunes verkauft.

September 2005: Der iPod mini mit Festplatte wird durch den deutlich kleineren iPod nano mit Flash-Speicher ersetzt. Einige Kunden beschweren sich, dass die Glasoberfläche der nanos leicht zerkratzt.

Oktober 2005: Der iTunes Music Store verkauft in den USA auch Musikvideos und Serienfolgen für jeweils 2,49 Dollar. Die neuen iPods sind eleganter und schmaler und fassen 30 und 60 GByte. In weniger als drei Wochen wird die erste Million Videos verkauft.

Februar 2006: Eine Milliarde Songs im iTunes Music Store gekauft. Apple führt iPod Hi-Fi, seine erste Musikanlage für den iPod ein.

März 2006: Gegenwind für Apple aus Frankreich. Das Parlament beschließt ein Gesetz, das die Kompatibilität aller Formate fordert, während Musik aus iTunes nur auf den iPods abspielbar ist. Auch in Norwegen gibt es Kritik von Verbraucherschützern. Nach Warnungen vor Hörschäden führt Apple eine Software zur Lautstärken-Begrenzung ein.

August 2006: Berichte über schlechte Arbeitsbedingungen bei einem iPod-Produzenten in China.

September 2006: Apple startet im US-Markt auch den Verkauf von Spielfilmen – zunächst nur von Disney – ab 9,99 Dollar. Auf die erneuerten iPods passen jetzt 30 und 80 GB. Der Spitzen-iPod kostet mit 349 Dollar weniger als das allererste Modell 2001. Der iPod nano bekommt das alte Design des mini mit farbigen Alu-Hüllen wieder. Für Januar wird das Gerät iTV angekündigt, dass Filme, Musik oder Fotos vom Computer drahtlos zum Fernseher bringt.

Oktober 2006: Mehr als 67 Millionen iPods und mehr als 1,5 Milliarden Songs über iTunes verkauft. Apple schließt das Geschäftsjahr 2006 mit einen Umsatz von 19,3 Milliarden US-Dollar und 2 Milliarden US-Dollar Gewinn ab. Das Musikgeschäft bringt 42 Prozent der Umsätze.

November 2006: Microsofts Musikplayer Zune soll auf den Markt kommen.

(Christoph Dernbach, dpa)

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