Focus verfährt sich mit Apple-Story

Mehr als 570 Worte umfasst der Artikel des Nachrichtenmagazins Focus zum angeblichen Einstieg von Apple in den Markt der Navigationsgeräte: Bordcomputer: Apple erobert die Autos – so lautet die Schlagzeile.
Die Textpassage, auf die es ankommt, fiel aber ziemlich schmal aus:

Tatsächlich steuert das Unternehmen seit der Erfolgsstory seines Musikplayers iPod zunehmend weg vom Image des Computerherstellers – hin zum Vollsortimentler für den digitalen Alltag. Nun drängt Apple in die nächste Bastion der modernen Lebenswelt: Mercedes wird seine Fahrzeuge nach FOCUS-Informationen voraussichtlich ab 2009 exklusiv mit Hightech aus den Entwicklungslaboren des einstigen Computerkonzerns ausrüsten. Nach sechs Monaten sollen auch andere Autohersteller folgen.

Focus zitiert keine Quelle, es gibt nicht einmal einen vagen Hinweis. An anderer Stelle führt das Magazin aus:

Nach FOCUS-Informationen soll das Gerät, das der US-Computerhersteller derzeit entwickelt, Unterhaltung, Kommunikation und Navigation in einer Einheit kombinieren. Mercedes wird die neue Apple-Garnitur für sechs Monate exklusiv anbieten. Mit einer Markteinführung ist voraussichtlich 2009 zu rechnen. Unklar ist noch, ob Apple – ähnlich wie beim iPhone – auf Google Maps als Navigationshilfe vertrauen wird.

Ich befürchte, Focus-Autor Alexander von Streit hat sich bei der Story mächtig verfahren. “Da ist nichts dran”, sagte am Montag ein Sprecher von Daimler zu der Story, die bis zur Apple-Zentrale in Cupertino Wellen geschlagen hatte. Apple selbst sagt stoisch, zu Marktgerüchten nehme man keine Stellung. Autokenner sagen, dass für 2009 ohnehin nur die Einführung einer neuen E-Klasse bei Mercedes anstehe. Und wahrscheinlich habe Focus eine angestrebte Optimierung der iPod-Einbindung in das Mercedes-Entertainmentsystem mit einem neuartigen Apple-Bordcomputer auf der Basis eines iPods verwechselt.
Kein deutscher Automobilhersteller ist außerdem derzeit bereit, die Benutzeroberfläche des Bordcomputers einem Hersteller wie Apple oder Microsoft (wie in der Zusammenarbeit mit Fiat) zu überlassen. Und wer wiederum Steve Jobs etwas kennt, weiß auch, dass es wahrscheinlich nur eine Automarke gibt, mit der Jobs sich vorstellen könnte, so ein Projekt durchzuziehen. Und die heißt BMW und nicht Mercedes.

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