Apfel und Birnen bei der Wirtschaftswoche

Von | Apple, Personal Tech

Ich möchte nicht den Verteidiger der iPhone-Anbieter T-Mobile und Apple spielen, aber dieser Fehler der Wirtschaftswoche in der aktuellen Ausgabe nervt einfach. In einer dreieinhalbseitigen Story (leider nicht online) unter der Überschrift „Preis der Coolness“ schildern die Wiwo-Redakteure alle Vorzüge und Nachteile des iPhone und kommen zu dem Schluss, dass das Apple-Handy cool, aber leider sehr teuer sei. Nun kann man über die Frage, was preiswert und was teuer ist, trefflich streiten. Und Apple war in Deutschland ja auch nicht angetreten, Billig-Provider wie Simyo oder BILD-Mobil zu unterbieten. Blöd wird es aber, wenn ein Medium die These vom hohen „Preis der Coolness“ aufstellt und dann die Belege nicht stimmen.

Ausriss aus der WirtschaftsWoche 45/2007 Die Kollegen schreiben: „Doch selbst in der günstigten Version ist der iPhone-Tarif teuer. Das zeigt ein Kostenvergleich mit Nokias Multimedia-Smartphone N95 in Verbindung mit T-Mobiles Zweijahrestarif Relax 100 XL und der passenden SMS-option. Gemessen daran verlangen Hersteller und Netzbetreiber für das iPhone 270 Euro Luxussteuer. Zu den Tarifen der Konkurrenz beträgt der iPhone-Aufschlag 250 bis 350 Euro.“

Es ist aus meiner Sicht durchaus fair, das iPhone mit dem N95 zu vergeleichen. Beide Geräte spielen in einer Liga. Ich besitze seit Monaten ein N95 und konnte nun eine Woche lang Erfahrungen mit dem Original-iPhone von T-Mobile sammeln. Das N95 hat eine schnellere Datenverbindung und einen GPS-Empfänger (der in engen Straßen in der Stadt allerdings nur bedingt zu nutzen ist). Dafür glänzt das iPhone mit einem größeren Bildschirm, längerer Batterielaufzeit und einem intuitiveren Bedienungskonzept. Es ist auch richtig, dass Relax 100 XL nur 39 Euro im Monat und das N95 nur 199,95 Euro kostet.

Tarif Relax 100 XL mit Nokia N95

Ein wichtiges Detail übersieht die Wiwo allerdings: Relax 100 XL bietet gerade mal 120 Minuten Internet-Verbindung inklusive. Jede weitere Minute muss mit 9 Cent bezahlt werden. Das kann bei mobilen Dauersurfern ganz schön ins Geld gehen. Und im Gegensatz zu den drei iPhone-Tarifen ist die Nutzung der 8.000 WLAN-Hotspots von T-Mobile auch nicht inklusive.

Da man mit dem N95 auch mit UMTS ins Netz gehen kann, sind die Tarife schwer zu vergleichen. Als Beweis, dass das iPhone nur mit „teuren Telefongebührenmodellen“ zu haben sei, taugt der Vergleich der Wiwo aber auf keinen Fall.

Einen besseren Job hat hier Spiegel Online gemacht. Die SPON-Redakteure Konrad Lischka und Matthias Kremp kommen in ihrem ausführlichen Tarifvergleich zu dem Schluss: „Deutsche Apple-Fans toben wegen des Teuer-Tarifs fürs iPhone. Doch der Vergleich zeigt: Das Apple-Handy kostet so viel wie vergleichbare Angebote. Extras wie die W-Lan-Flatrate schlagen sogar hausinterne Konkurrenz bei T-Mobile.“

One Response to " Apfel und Birnen bei der Wirtschaftswoche "

  1. […] wie Uli Geiger von c’t-TV ein Sturm der Entrüstung los – auch das konnte ich nur bedingt nachvollziehen. Piefig finde ich bis heute die Begrenzung der Übertragungsgeschwindigkeit nach bestimmten […]

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