Kraut und Rüben bei Spiegel Online

Von | Apple, Medien, Personal Tech

Manchmal kann ich über Spiegel Online nur den Kopf schütteln. Etwa wenn Frank Patalong darüber berichtet, dass für die Macintosh-Rechner seit langer, langer Zeit mal wieder eine ernstzunehmende Malware, ein Trojanisches Pferd mit dem Namen „OSX.RSPlug.A“, aufgetaucht ist.

Das Kuriose an dem SPON-Bericht: Eigentlich sind alle Fakten korrekt in dem Artikel aufgeführt:

  • es handelt sich um einen Trojaner, nicht um einen Computervirus
  • das Schadprogramm ist „auf die aktive Mithilfe des arglosen Nutzers angewiesen“ – er muss nämlich der Installation zustimmen und mit seinem Admin-Passwort bestätigen

Die SPON-Redaktion hat sogar einen kleinen Hintergrund-Kasten in den Artikel eingebaut, in dem die Unterschiede zwischen Virus, Trojaner, Rootkit und anderer Malware beschrieben werden. Schade ist nur, dass diese Erkenntnisse sich im Artikel selbst nicht niedergeschlagen haben. Dort werden munter Computerviren (die sich selbstständig verbreiten) und Trojanische Pferde (die diese Komponente nicht haben) verwechselt. „Ein richtig bösartiger Virus, den sich Surfer auf Porno-Seiten einfangen können.“ Kraut und Rüben, alles egal.

Patalong schreibt: „Die Mac-Gemeinde hört es mit Schrecken: Zum ersten Mal seit mehr als einem Jahr kursiert ein Schadprogramm, das ein Mac-Betriebssystem befällt.“ Die Wirklichkeit ist, dass man sich das Schadprogramm aktiv auf Pornoseiten abholen und selbst installieren muss. Inklusive der Bestätigung durch das Admin-Passwort.


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Auffällig ist auch, wie SPON versucht, den Trojaner mit dem neuen Mac OS X Leopard in Verbindung zu bringen, obwohl es keine besondere Verbindung „OSX.RSPlug.A“ und Leopard gibt. Das fängt mit der Dachzeile „Kranker Leopard“ an und hört bei dieser Bemerkung auf: „Bedenklich scheint, dass es nach Veröffentlichung des neuen Systems gerade eine Woche brauchte, bis das erste ernsthafte Schadprogramm in Umlauf kam.“

Patalong garniert diese Sticheleien mit kritischen Bemerkungen von Experten über die im Auslieferungszustand nicht aktivierte Firewall bei Mac OS X Leopard, die sicherlich alle berechtigt sind. Aber selbst die beste Firewall kann nicht verhindern, dass ein User bei der Suche nach Online-Pornos alle sieben Sinne verliert und sich ein dubioses Programm herunterlädt und aktiv auf seinem Rechner installiert.

Kranker Leopard: Porno-Falle für Mac-Rechner – Netzwelt – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten

Mac Users Get A Credit Card Stealing Trojan for Halloween, Security Company Reports | Threat Level from Wired.com

OSX.RSPlug.A erläutert bei Mac Essentials

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