Gibt es ein Grundrecht auf ein iPhone?

Wir hatten schon zum Launch des iPhones in den USA in der Redaktion heftig diskutiert, ob Apple verpflichtet werden sollte, sein Handy für alle Provider zu öffnen. Meine Kollegin Renate Grimming setzte sich entschieden für ein „iPhone für alle“ ein und wetterte gegen das iPhone-Monopol für einzelne Netzbetreiber. Ich dagegen kann dagegen gut damit leben, dass Apple sich seine Partner aussucht, solange die Tarife der iPhone-Anbieter halbwegs attraktiv sind.

Interessant ist, dass sich nun der Telekommunikationsexperte Torsten Gerpott in der Rheinischen Post vor dem Hintergrund des Streits zwischen T-Mobile und Vodafone mit dieser Aussage zu Wort meldet: „Es gibt kein im Grundgesetz verankertes Recht auf das iPhone. In einer freien Marktwirtschaft entscheiden immer noch die Unternehmen, wie und mit wem sie ihre Produkte verkaufen wollen.“ Das hatte ich damals in unserer internen Debatte fast wortwörtlich auch so gesagt.

Als T-Mobile dann seine drei „Complete“-Tarife für das iPhone veröffentlichte, brach in Teilen der Blogosphäre und auch bei Kollegen wie Uli Geiger von c’t-TV ein Sturm der Entrüstung los – auch das konnte ich nur bedingt nachvollziehen. Piefig finde ich bis heute die Begrenzung der Übertragungsgeschwindigkeit nach bestimmten Datenvolumen. Sonst können sich die T-Mobile-Tarife eigentlich sehen lassen, insbesondere wenn man sie mit anderen Datentarifen vergleicht.

Dass Vodafone und Apple nicht zusammengekommen sind, hat mich zu keinem Zeitpunkt überrascht. Zu ausgeprägt ist das Markenbewusstsein der Briten, das sich kaum mit dem Sendungsbewusstsein von Steve Jobs und seinem iPhone-Team verträgt. Wenn Vodafone nun in Deutschland vor Gericht zieht, um T-Mobile den exklusiven Vertrieb des iPhone zu untersagen, spricht das nun nicht gerade für eine Gelassenheit bei Vodafone (und auch nicht für allzuviel Vertrauen in das exklusiv bei Vodafone angebotene Samsung Qbowl).

Die 999 Euro, die T-Mobile jetzt für ein iPhone ohne SIM-Lock verlangt, sind natürlich ein Witz. Doch dieses Problem wird durch den Markt gelöst. Wer unbedingt ein iPhone mit einem anderen Provider als T-Mobile betreiben möchte, wird auch woanders fündig. Bei eBay sind „befreite“ iPhones für 550 oder 600 Euro zu haben. Und wer einen Bekannten in den USA hat, kommt für noch deutlich weniger Geld an das Apple-Handy.

Aber: Wer das iPhone nicht nur als Deko-Artikel für’s Café-Tischchen, sondern als mobilen Internet-Computer und Handy nutzen möchte, ist meiner Ansicht nach mit dem T-Mobile-Vertrag nicht schlecht bedient. Dazu kommt, dass T-Mobile in Deutschland derzeit das beste EDGE-Netzwerk hat und außerdem seine 8.000 WLAN-Hotspots in die Waagschale werfen kann.

Natürlich würde ich mich darüber freuen, wenn T-Mobile seine Complete-Tarife nachbessern würde. Die Abrechnung im Minuten-Takt ist völlig unzeitgemäß. Mit Minutenpreisen von 39 bzw. 29 Cent (nachdem die jeweiligen Pauschalminuten aufgebraucht sind) liegt T-Mobile am oberen Ende der Preisskala. Außerdem sollte T-Mobile die lästige Geschwindigkeitsbremse für Vielsurfer abschaffen.

heise online – iPhone: Freiheit nur gegen „Strafzuschlag“

About Christoph

Check Also

Apple outet sich am Ku’damm

Update: Der Zaun ist weg. Der Store wird am 3.5. 2013 um 17 Uhr eröffnet: …

Kommentar verfassen