Wettrennen um den Apple-BS-Pokal

Spiegel Online scheint sich gerade mit der Financial Times Deutschland einen Wettkampf zu liefern, wer die schwachsinnigste Apple-Geschichte schreibt. Nachdem die FTD am Nikolaustag einen schlecht recherierten und mäßig übersetzten Beitrag  geliefert hatte, macht heute SPON seine Netzwelt-Rubrik mit dieser Überschrift auf:

iPod-Telefon: Hardware-Hacker fürchten Apples Zorn

Darin berichtet Konrad Lischka über drei Freizeit-Bastler, die den MP3-Player iPod touch zum Internet-Telefon tunen wollen. So weit so gut. Die Story gab es zuvor schon bei Leo und anderen zu lesen. Spiegel Online würzt nun die Geschichte mit der Behauptung, die „Hardware-Hacker fürchten Apples Zorn“. „Verdienen wollen sie damit nichts, es geht ihnen nur ums Basteln – trotzdem fürchten sie Ärger mit Apple“, heißt es in dem Artikel-Vorspann. Wenn man nun in der Story selbst auch nur nach einem Beleg für die Behauptungen aus Überschrift und Vorspann sucht, wird man nicht fündig.

Keine Silbe dazu, wie dieses Drohszenario aussieht. Noch nicht einmal ein direktes Quote der Hacker, dass sie sich subjektiv bedroht fühlen (was ja auch ohne eine Drohung von Apple möglich wäre). Nur ein lahmer Absatz, in dem das Motiv der Überschrift ohne weiteren Beleg aufgegriffen wird: „Inzwischen macht nicht nur die Technik den drei Bastlern Sorgen: Nachdem Blogs und Online-Medien über ihr Projekt berichtet haben (mehr…), fürchten sie möglichen Ärger mit Apple. Der deutsche Hacker Eok, der die iPod-Veredelung koordiniert, ist besorgt, dass der Konzern die Aktion falsch versteht. Er wolle lieber anonym bleiben, schreibt er SPIEGEL ONLINE. Eok erklärt: „Uns geht es nicht darum, Geld verdienen oder Apple Konkurrenz zu machen. Wir wollen mit der Hardware spielen, sie verbessern – mehr nicht.““

Lischka liefert dann merkwürdigerweise selbst die Begründung, warum Überschrift und Vorspann des Artikels grober Unsinn sind: „Anlass für Klagen von Apple ist auf den Webseiten der Hacker nicht zu finden: Sie veröffentlichen keine Interna, verwenden auch nicht urheberrechtlich geschütztes Material.“ Dieses Beispiel passt vielleicht ganz gut in die aktuelle Debatte „Kloppen und Klicken„, die unter anderem im Blog von Stefan Niggemeier geführt wird.

Update: Das neuste Apple-Stück auf SPON hat Leo von fscklog auseinandergenommen.

About Christoph

Check Also

Eröffnung des Apple Stores in Berlin rückt näher

Die Eröffnung des Apple Stores am Kurfürstendamm in Berlin rückt in greifbare Nähe. Seit über …

One comment

  1. Wer kein Talent hat, gute Überschriften zu verfassen, erfindet eben reißerische.

Kommentar verfassen