Die 100-Millionen-Dollar-Chance für die iPhone-Szene

John Doerr Kleiner Perkins Caufield & Byers (KPCB) ist der bekannteste Wagniskapitalgeber im kalifornischen Silicon Valley – und John Doerr ist das Aushängeschild von KPCB. Er hat die Gründung von Amazon.com, Google, Sun Microsystems und anderen Silicon-Valley-Ikonen begleitet. "Doerr (und Kleiner) bilden das Zentrum der Schwerkraft im Internet", sagte Amazon-Gründer Jeff Bezos.

Doerr erschien am Donnerstag zusammen mit Apple-Chef Steve Jobs auf der kleinen Bühne des "Home Theater" im Apple-Haupquartier in Cupertino, um die Gründung eines "iFund" in Höhe von 100 Millionen US-Dollar zu verkünden. "Das reicht aus, um mehrere Amazons und Googles zu gründen", sagte Doerr. Er muss es schließlich wissen. "We’re all here today because we LOVE Apple products, and I’m here because I really love Apple entrepreneurs. They do more than anyone thinks possible with less than anyone thinks possible — the risk takers, the rebels. So it’s particularly touching to be here today with the supreme commander of the rebels, Steve Jobs."

Die wahren iPhone-Rebellen sind zur Zeit aber nicht Steve Jobs oder die Mitarbeiter und Partner von Apple, sondern die lebendige "Jailbreak-Szene", die das iPhone schon etliche Monate vor Veröffentlichung des Apple-SDK für Applikationen geöffnet haben. Leute wie der inzwischen 18 Jahre alte George Hotz, der hinter dem Projekt ZiPhone steckt für den Bootloader verantwortlich ist und Hackern wie Zibri ermöglicht hat, die Software ZiPhone zur „Befreiung“ des iPhones anzubieten.

Doerrs Versprechen lautet: "It’s about this great opportunity, but it’s about more than the money — it’s about the great team at Apple and the great talent we can recruit together. … if you want to build the future, the iFund wants to help you fund it. I can’t wait to see the companies we’ll build together." KBCP und Apple werden damit sicherlich etliche Hacker auf ihre Seite ziehen können. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass ein harter Kern der Szene den Verlockungen von Doerr und Jobs widerstehen werden.

Die offiziell freigegeben Software für das iPhone wird Apple ähnlich verteilen wie die Hacker, nämlich über das iPhone selbst. Die Installer-Anwendung von Apple heißt "App Store". 70 Prozent der Erlöse gehen an den Entwickler. 30 Prozent behält Apple für den Betrieb des App-Stores und das damit verbundene Marketing für sich. Scheint mir auf den ersten Blick kein unfairer Deal zu sein.

Spannend wird die Frage, wie Apple das Zulassungsverfahren genau gestaltet. Jobs kündigte nämlich an, dass es bestimmte Anwendungen im "App Store" nicht geben wird (Porno, Schadprogramme, SIM-Lock-Knacker – aber auch Anwendungen, die zu verschwenderisch mit der Bandbreite umgehen). So sollen zwar VoIP-Anwendungen erlaubt sein, die mit der Wifi-Verbindung arbeiten. VoIP over EDGE wird hingegen unterbunden.

[ArsTechnica – Live Coverage of the iPhone Software Roadmap Announcement] [iLounge – Live from Apple’s iPhone Software Roadmap Event] [Engadget – Live from Apple’s SDK press conference] [Fscklog – Berichtererstattung zur iPhone-Roadmap] und sehr lesenswert auch:
[iPhone-Blog: Gedanken zum SDK]

QuickTime-Stream der iPhone-Software-Roadmap-Veranstaltung
Die Aufzeichnung der iPhone-SDK-Veranstaltung (alternativ: RTSP-Direktlink für QuickTime).

und die Pressemitteilung von Apple:

Apple kündigt iPhone 2.0 Software Beta an

Enthält SDK & integriertes Microsoft Exchange ActiveSync

CUPERTINO, Kalifornien – 6. März 2008 – Apple hat heute über die iPhone 2.0 Software informiert, deren Veröffentlichung für Juni dieses Jahres geplant ist. Eine Beta-Version steht ausgewählten Entwicklern und Unternehmenskunden bereits zur Verfügung. Die Beta-Version der iPhone 2.0 Software enthält neben dem iPhone Software Development Kit (SDK), weitere – für den Unternehmenseinsatz geeignete – neue Features: zum einen die Unterstützung von Microsoft Exchange ActiveSync, zur sicheren drahtlosen Aktualisierung von E-Mails, Kontakten und Kalendereinträgen; Remote Wipe sowie zusätzlich Ciscos IPsec VPN zum verschlüsselten Zugriff auf Unternehmensnetzwerke.

„Wir freuen uns sehr darauf eine aktive Entwicklergemeinde zu schaffen, die tausende von nativen Anwendungen von Drittherstellern für iPhone und iPod touch möglich macht“, sagt Steve Jobs, CEO von Apple. „Die Enterprise-Features des iPhones in Verbindung mit seiner revolutionären Multi-Touch Benutzeroberfläche und seiner hochentwickelten Software-Architektur gewährleisten eine höchst komfortable Bedienung und bilden zusammen die fortschrittlichste Software-Plattform, die es je für ein mobiles Gerät gegeben hat.“

Das iPhone SDK stellt den Entwicklern eine Vielzahl an Programmierschnittstellen (APIs) sowie diverse weitere Tools zur Verfügung, um innovative Anwendungen für iPhone und iPod touch zu entwickeln. Ab sofort kann eine Betaversion des iPhone SDK kostenlos heruntergeladen und der iPhone Simulator auf dem Mac installiert werden. Apple führt ein neues iPhone Developer Program ein, um Entwickler bestmöglich bei der Entwicklung von nativen Anwendungen zu unterstützen. Der neu vorgestellte App Store bietet Entwicklern die Möglichkeit, ihre Anwendungen für iPhone und iPod touch-Anwender drahtlos anzubieten.

Mit dem iPhone SDK können Drittanbieter native Anwendungen für das iPhone entwickeln. Die APIs beinhalten Schnittstellen wie Core OS, Core Services, Media und Cocoa Touch-Technologien. Das iPhone SDK ermöglicht es Entwicklern wirklich innovative Anwendungen für den mobilen Einsatz zu schaffen, mit denen die spezifischen Fähigkeiten des iPhone wie die Multi-Touch Benutzeroberfläche, die Animationstechnologien, der große Speicher, die eingebauten 3-Achsen-Sensoren sowie die Ortungstechnologie voll ausgeschöpft werden.

Apple hat Exchange ActiveSync von Microsoft lizensiert und wird diese Technologie direkt in das iPhone integrieren. Das iPhone verbindet sich mit Microsoft Exchange Server 2003 und 2007 und aktualisiert drahtlos E-Mail, Kontakte und Kalendereinträge. Die Integration von Exchange ActiveSync ermöglicht darüber hinaus diverse weitere Sicherheitsfeatures, wie beispielsweise Remote Wipe, Passwörterverwaltung oder Auto-Discovery.

Die iPhone 2.0 Software unterstützt IPsec VPN von Cisco um ein höchstmögliches Maß IP-basierter Verschlüsselung für die Übertragung sensibler Unternehmensdaten zu gewährleisten. Neben dieser Verschlüsselung besteht auch die Möglichkeit der Authentifizierung per Passwort, Mehr-Faktor-Token oder digitalem Zertifikat. Der Einsatz von WPA2 Enterprise mit 802.1x Authentifizierung versetzt Unternehmen in die Lage, aktuellste WLAN-Sicherheitsstandards beim iPhone und iPod touch einzusetzen.

Die iPhone 2.0 Software stellt ein Konfigurationstool zur Verfügung, das den IT-Administrator in die Lage versetzt, möglichst schnell und einfach eine Vielzahl an iPhones aufzusetzen – inklusive Passwortverwaltung, VPN-Einstellungen, digitaler Zertifikate, den E-Mail-Server-Einstellungen und vielem mehr. Ist die Konfiguration einmal festgelegt, kann sie einfach und sicher über Internet-Link oder E-Mail dem jeweiligen Anwender bereit gestellt werden. Um diese dann auf dem iPhone zu installieren, muss der Anwender sich lediglich über seine User-ID oder Passwort authentifizieren, die Konfiguration herunterladen und auf „Installieren“ tippen. Danach hat der Anwender Zugriff auf die IT-Services im Unternehmen.

Die iPhone 2.0 Software wird den App Store beinhalten. Der App Store ist eine neue Anwendung, über die sich das Angebot von Dritthersteller-Programmen durchblättern, suchen, kaufen und sofort drahtlos auf iPhone oder iPod touch herunterladen läßt. Über den App Store erreicht der Entwickler jeden iPhone und iPod touch-Anwender. Entwickler legen den Preis für ihre Anwendung selbst fest – evtl. auch als kostenloses Angebot – und erhalten 70 Prozent der Umsatzerlöse. Anwender können frei verfügbare Anwendungen zum Nulltarif herunterladen, Bezahl-Software kann zum jeweiligen Preis mit nur einem Mausklick gekauft werden.

Unternehmenskunden haben darüber hinaus die Möglichkeit, sich einen eigenen, geschützten Bereich im App Store einzurichten, auf den nur eigene Mitarbeiter zugreifen können. Apple übernimmt alle Kosten rund um Kreditkarten, Web-Hosting, Infrastruktur als auch DRM, die bei der Bereitstellung von Anwendungen im App Store anfallen. Anwendungen von Drittanbietern für iPhone und iPod touch müssen von Apple genehmigt werden und werden ausschließlich über den App Store erhältlich sein.

Das iPhone SDK bietet einen zuverlässigen, schnellen und sicheren Weg um innovative Anwendungen für das iPhone und den iPod touch zu entwickeln. Neben zahlreichen iPhone OS APIs stellt das iPhone SDK hochentwickelte Tools zur Entwicklung nativer iPhone- und iPod touch-Anwendungen bereit: Xcode für das Bearbeiten von Source Code, ein effizientes Projektmanagement und graphisches Debuggen, Interface Builder für die Oberflächengestaltung per Drag & Drop und mit Live-Preview, Instruments, um die Performance der Anwendung in Echtzeit messen und optimieren zu können sowie den iPhone Simulator zum Testen und Debuggen der Anwendung.

Während der Beta-Phase des iPhone SDK Programms wird nur eine limitierte Anzahl von Entwicklern zum neuen iPhone Developer Programm von Apple zugelassen und die Möglichkeit bekommen, den Code auf ihren iPhones zum Testen zu erhalten. Das Standard-Programm kostet 99 US-Dollar im Jahr – Teilnehmer erhalten das iPhone SDK und Entwicklerwerkzeuge, Zugriff auf Pre-Release iPhone Software, technischen Support, Test-Code für das iPhone als auch die Möglichkeit, die entwickelten Anwendungen über den neuen App Store zu vertreiben. Das Enterprise-Programm kostet 299 US-Dollar im Jahr.

Zusätzlich zu den neuen iPhone Netzwerk-und Sicherheitsfeatures stellt die Beta-Version der iPhone 2.0 Software neue Mail-Funktionen bereit. Neben der Anzeige von Word- und Excel-Anhängen lassen sich auch PowerPoint-Dateien wiedergeben sowie E-Mails nicht nur einzeln sondern auch in Mengen verschieben oder löschen.

Preise & Verfügbarkeit

Apple plant die fertige iPhone 2.0 Software, inklusive iPhone SDK und den neuen Features für den Unternehmenseinsatz, als kostenloses Software-Update für alle iPhone-Kunden Ende Juni zu veröffentlichen. Anwendungen von Drittanbietern, die für das iPhone entwickelt werden, sind auch auf dem iPod touch lauffähig. iPod touch-Nutzer müssen jedoch vorab ein spezielles Software-Update erwerben, damit die Anwendungen funktionieren. Die Beta-Version des iPhone SDK ist ab sofort weltweit zum kostenlosen Download unter developer.apple.com/iphone/program verfügbar. Das iPhone Developer Program wird anfangs ausschließlich in den USA angeboten, weitere Länder folgen in den nächsten Monaten. Apple nimmt ab heute Anfragen von Unternehmen entgegen, die am speziellen iPhone Enterprise Beta Program teilnehmen möchten (www.apple.com/iphone/enterprise).

Leading Developers, Enterprise Customers & Partners Applaud iPhone 2.0 Software

AOL
„No question the powerful tools and APIs in the iPhone SDK made it easy to develop a feature-rich mobile application for the iPhone,“ said Kevin Conroy, executive vice president, AOL. „The rapid development cycle for this application was very intuitive, and when you add the App Store, it’s an unbeatable combination for development and distribution of mobile applications.“

Cisco
„As a result of this collaboration between Cisco and Apple, iPhone users will have seamless and highly secure access to mission critical information as it is needed from anywhere in the world,“ said Richard Palmer, senior vice president of the Security Technology Group, Cisco. „The connected world is becoming more mobile and collaborative where employees need access to private business information no matter where they are.“

Disney
„Apple has really done their homework, addressing issues of security, manageability and integration,“ said Randy Brooks, senior vice president, IT Strategy and Architecture, The Walt Disney Company. „We currently have hundreds of iPhone users and expect the demand to grow significantly with this release.“

Electronic Arts
„The animation technology in the iPhone OS enables us to build awesome games,“ said John Riccitiello, CEO of Electronic Arts. „I think iPhone consumers are going to be blown away by the games we create for this platform.“

Epocrates
„By putting so much computing power into such an elegant mobile device, Apple has opened up tremendous opportunities for application developers,“ said Kirk Loevner, chairman and CEO, Epocrates, Inc. „The technology and software in the iPhone OS will allow us to create new and innovative applications that help improve patient safety and provide healthcare professionals with an unsurpassed user experience.“

Genentech
„I believe the iPhone is a watershed event in mobile computing for corporations,“ said Todd Pierce, vice president, Corporate Information Technology, Genentech, Inc. „Genentech’s pilot with iPhone has shown its potential to be the most useful business mobility tool we’ve ever used. We now have 3,000 planned for deployment based on how easy and simple it was to integrate iPhone with our corporate email system.“

Microsoft
„Licensing Exchange ActiveSync to Apple enables them to build support right into the iPhone for simple, out-of-the-box connectivity with Exchange Server,“ said Terry Myerson, corporate vice president, Unified Communications Group, Microsoft. „Microsoft believes in building open and interoperable products, and Microsoft Exchange Server is no exception.“

Nike
„With support for Exchange ActiveSync, this new iPhone release really delivers a true plug-and-play enterprise solution,“ said Roland Paanakker, vice president and CIO, Nike. „We already had Nike employees using iPhones, and now look forward to deploying more iPhones to more business users.“

Salesforce.com
„The opportunity to use the innovative iPhone OS platform to deliver compelling Software-as-a-Service applications to mobile users is empowering to us, and ultimately, our customers, „said Marc Benioff, chairman and CEO of Salesforce.com. „They are asking us for new ways to harness the power of Force.com to access their business information on any device regardless of location.“

Sega
„The iPhone OS is a robust development platform that will allow Sega to deliver mobile gaming experiences that are truly compelling,“ said Simon Jeffery, president and COO, Sega of America. „Using the iPhone’s accelerometer to power a tilt control feature adds a whole new dimension to Super Monkey Ball, and we can’t wait for gamers to try it.“

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2 comments

  1. Sehr schöner Beitrag mit einer kleinen Korrektur:

    <<Leute wie der inzwischen 18 Jahre alte George Hotz, der hinter dem Projekt ZiPhone steckt.<<

    George Hotz ist nicht Zibri. Hotz war für den Bootloader verantwortlich, Zibri hat darauf aufgebaut mit seiner Software ZiPhone.

  2. Danke für den Hinweis. Ich habe das im Text korrigiert und die Links zu George Hotz und Zibri ergänzt.

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