Funktion folgt Form – Das MacBook Air im Praxistest


Creative Commons License photo credit: dan taylor

Der Auftrag von Apple-Chef Steve Jobs war klar: Seine Ingenieure in Cupertino sollten ein extrem schlankes und elegantes Notebook konstruieren. Und tatsächlich geriet das neue MacBook Air zum dünnsten Laptop aller Zeiten. Gerade mal vier Millimeter misst das Gerät an der dünnsten Stelle. Die Kompaktheit erkaufte Apple allerdings mit dem Verzicht auf manche vertraute Funktionen eines herkömmlichen Laptops.

MacBook Air

Erstaunlicherweise fühlt sich das superschlanke Notebook von Apple keineswegs fragil, sondern mit seinem dünnen Aluminium-Gehäuse überraschend handfest an. «Mir erscheint es als das robusteste Modell der MacBook-Reihe», sagt Leonhard Becker, der das Fach-Weblog «Fscklog.com» betreibt. Das MacBook Air bringt 1,4 Kilogramm auf die Waage, so wenig, dass man zuerst immer wieder in der Laptoptasche nachschaut, ob man den Rechner tatsächlich mitgenommen hat.

MacBook Air von der Seite

Apple hat die neue Leichtigkeit nicht mit einem Verzicht auf Größe erkauft. Das MacBook Air verfügt über einen 13,3-Zoll-Bildschirm sowie eine vollwertige Laptop-Tastatur, die auch mit größeren Händen gut bedient werden kann. Unter der Tastatur liegt die Hauptplatine des Rechners, die nicht größer als eine Scheibe Knäckebrot ist.

Während die größeren Schwestermodelle, das MacBook und und MacBook Pro im laufenden Betrieb ordentlich heiß werden können, bleibt das MacBook Air dank eines besonders stromsparenden Hauptprozessors (Ultra-Low-Voltage-Chip), einem Intel Core 2 Duo, vergleichsweise kühl. Der Lüfter springt zwar hin und wieder an, stört aber kaum. Das neue MacBook laufe «cool», könne auch Windows nutzen und wache von einer Sekunde auf die andere aus dem Ruhezustand auf, lobt der IT-Experte David Pogue von der «New York Times».

In dem schlanken Gehäuse blieb neben dem Akku dann nur noch Platz für eine 1,8-Zoll-Festplatte, wie man sie auch im iPod Classic findet. Daher kann man das MacBook Air nur mit einem maximalen Festplattenvolumen von 80 Gigabyte ordern. Eine größere Festplatte hätte nicht mehr unter die Tastatur gepasst.

MacBook Air

«Form Follows Function», die Form folgt der Funktion, so lautet der Gestaltungsleitsatz von Louis Sullivan, einem der ersten großen Hochhausarchitekten in den USA. Apple-Chefdesigner Jonathan Ive hat mit dem MacBook Air dieses Prinzip auf den Kopf gestellt. Um die kompakte Bauform des neuen Notebooks zu ermöglichen, verzichtete Ive nämlich auf manche Funktionen, die man üblicherweise bei einem Notebook vorfindet.

MacBook Air Anschlüsse

MacBook Air Anschlüsse geöffnet

So sucht man an dem Alu-Gehäuse vergeblich nach einer Ethernet- Buchse für den Netzwerkzugang. In der Welt von Steve Jobs und Jonathan Ive gehen Notebook-User mittlerweile drahtlos ins Netz. Und wer in Ausnahmefällen auf einen drahtgebundenen Netzzugang angewiesen ist, kann sich mit einem USB-Adapter behelfen. Aus Platzgründen gibt es für diese Schnittstelle auch nur eine Buchse. Schließlich kann eine externe Maus auch über Bluetooth angeschlossen werden. Und reicht der eine USB-Port nicht aus, kann ein kleiner externer USB-Hub Abhilfe schaffen.

Verzichtet haben die Apple-Ingenieure auch auf ein eingebautes optisches Laufwerk. Ein externer DVD-Brenner, der per USB angeschlossen wird, schlägt mit zusätzlichen 99 Euro zu Buche. Mit Hilfe einer speziellen Software können allerdings auch die Laufwerke von anderen Macs und Windows-PCs von dem MacBook Air «geliehen» werden, um beispielsweise Programme von einer DVD auf dem Apple- Notebook zu installieren. Filmfreunde, die unterwegs im Zug oder Flugzeug ihren Rechner gerne als DVD-Player nutzen, werden das fehlende interne Laufwerk allerdings schmerzlich vermissen. Es sei denn, sie kaufen ihre Filme ohnehin schon online über das Netz ein.

Kompromisse musste Apple auch beim Akku des MacBook Air eingehen. Er erreicht zwar immerhin eine Laufzeit von knapp fünf Stunden. Allerdings wurde er mit acht Schrauben im Alu-Gehäuse befestigt und kann nach Angaben von Apple nur von einem Fachservice getauscht werden. Es ist also nicht ohne weiteres möglich, einen Ersatz-Akku mit auf eine lange Reise zu nehmen und die Stromquelle unterwegs auszuwechseln.

Diese Einschränkungen führen bei Walt Mossberg vom «Wall Street Journal» auch zu einem gemischten Urteil über das MacBook Air: «Wenn Sie auf ein dünnes Subnotebook mit großem Bildschirm und großer Tastatur Wert legen, keine DVD im Flugzeug anschauen und keine Zusatzbatterien benötigen, dann ist das MacBook Air perfekt.» Wer jedoch auf Ersatz-Akkus angewiesen ist, die übliche Auswahl von Schnittstellen erwartet und gerne DVDs im Flieger abspielt, kaufe sich diesen Computer besser nicht.

Immerhin ist das MacBook Air für Apple-Verhältnisse vergleichsweise preiswert. Die Standardvariante mit einer 80-Gigabyte-Festplatte und einem 1,6-Gigahertz-Prozessor kostet 1700 Euro. Ein Sondermodell, im dem die Festplatte durch einen 64 Gigabyte großen Flashspeicher ersetzt wurde und in dem ein 1,8-Gigahertz-Chip steckt, ist mit 2870 Euro deutlich teurer.

Christoph Dernbach

(Dieser Text wurde für den dpa-Themendienst geschrieben.)

 

Apple MacBook Air

CPU

Core 2 Duo 1.6GHz (65 nm, Merom, 4MB L2)

Chipset

Intel GM965

Bus-Frequens

800MHz

System-Speicher

2GB Dual-Channel DDR2-667 SDRAM

Grafikkarte

Intel X3100

Video-Speicher

144MB UMA

Display

13.3“
1280 x 800

Festplatte

Samsung HS082HB (80GB, 4200RPM, ATA-100)

Optisches Laufwerk

Keines

Netzwerk-Controller

WiFi 802.11a/b/g/n: Broadcom 802.11n
Bluetooth 2.0+EDR

Audio

Realtek ALC885
1 Lautsprecher
Mikro

Erweiterungsslots

Keine

Ports

1 x USB 2.0
1 x Micro-DVI
Kopfhörer

Anderes

0,3 MPix Web-Cam

Akku

37 WHr

Maße und Gewicht

325mm x 227mm x 19 mm
1,36kg

Netzteil

45W

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