All You Can Eat? – Was Apple von Napster lernen kann

Die Musikindustrie drängt Apple, sich nicht länger einem Abo-Modell zu verschließen, berichtete am Mittwoch die Financial Times – und scheint damit ganz gut gelegen zu haben. Inzwischen haben auch andere Medien ihre Quellen dafür, dass Steve Jobs vor allem mit Universal über ein “All You Can Eat”-Modell verhandelt.

Unlimited iTunes

Aus Sicht der Labels sieht die Rechnung ziemlich einfach aus. Pro verkauftem iPod werden derzeit im Durchschnitt Musik im Wert von knapp 20 Euro im iTunes-Store gekauft. Mit einer Pauschale von 100 Dollar, wie sie wohl Nokia für bestimmte Handy-Modelle mit der Musikindustrie vereinbart hat (“Comes with Music“) könnte man diesen Umsatz signifikant nach oben treiben (auch wenn bei dieser Rechnung nicht berücksichtigt wird, wie viele CDs sich iPod-Besitzer kaufen und ganz legal rippen und auf den Player übertragen).

Steve Jobs hat bei verschiedenen Anlässen deutlich gemacht, dass er von Mietmusik nicht viel hält.

Never say never, but customers don’t seem to be interested in it.
The subscription model has failed so far.
People want to own their music.

Ich selbst nutze seit einigen Monaten die Musik-Flatrate von Napster. Nicht, dass ich damit einen mobilen Player damit bestücken möchte. Die Erfahrungen, die ich vor geraumer Zeit damit gemacht habe, waren doch zu ernüchternd, als dass ich dafür fünf Euro im Monat zusätzlich ausgeben möchte.

Die Napster-Channels

Die Napster-Channels im Web (Klicke auf den Screenshot, um die hohe Auflösung zu sehen)

Der Grund, warum ich Napster eine zweite Chance eingeräumt habe, ist das geniale digitale Audio-Verteilsystem von Sonos, mit dem ich drei Räume in meiner Wohnung vernetzt habe. Neben den MP3-Dateien auf meinem Computer kann ich damit Internet-Radiostationen aus aller Welt anhören und nun auch im kompletten Audio-Katalog von Napster stöbern.
Napster auf Sonos

Sonos hat inzwischen auch von Microsoft die DRM-Technologie lizensiert, um geschützte WMA-Dateien abspielen zu können. Nur Apple und Sonos sind leider bislang nicht zusammen gekommen, so dass DRM-gesicherte Songs aus dem iTunes Store leider nicht über Sonos abgespielt werden können.

Napster auf dem Sonos DeviceNapster auf dem Sonos DeviceNapster auf dem Sonos DeviceNapster auf dem Sonos Device

Klicke auf die Screenshots, um die höhere Auflösung zu sehen

Die Suche nach dem Repertoire einzelner Musiker funktioniert in der Kombi Sonos/Napster ganz ordentlich. Und auch der Umfang des Katalogs überzeugt. Allerdings habe ich stets den Eindruck, dass der Service insgesamt recht lieblos zusammengestellt wurde. Sollte Apple selbst einen Musik-Mietstore aufbauen, kann ich beispielsweise nur hoffen, dass die redaktionelle Betreuung des Angebotes besser ausfällt als bei Napster. Die Radio-Kanäle von Napster wurden wie bei Hempels unter’m Sofa zusammengestellt. Der Klassik-Bereich besteht gerade mal aus drei Channels (Deutsche Grammophon, Nigel Kennedy, Anne-Sophie Mutter). Obwohl inzwischen Ostern vor der Tür steht, werden immer noch die Kanäle mit Weihnachtsmusik und Songs für Halloween promotet.
Bei einem “All You Can Eat”-Büffett kommt es auch darauf an, dass alles schön angerichtet ist. Dass Highlights und Neuheiten angemessen präsentiert werden. Und Leute, mit einem besonderen Geschmack sollten auch fündig werden.

[ Steve’s not big on renting music, but he does like owning customers : Good Morning Silicon Valley]
[ Apple Will Listen to Universal’s Music Subscription Pitch – Bits – Technology – New York Times Blog/]
[ iTunes Unlimited: Does Apple really want to mess with a good thing? » VentureBeat]
[All You Can Eat iTunes? We Hope! Analyzing the Economics… – Silicon Alley Insider]
[iPod Ein Stück vom Apfelkuchen – Computer – sueddeutsche.de]
[Unlimited Tunes from Apple? Not So Fast]

2 Gedanken zu „All You Can Eat? – Was Apple von Napster lernen kann

  1. Ist schon eine verdrehte Welt: Apple möchte eine Einzelabrechnung pro Song, während die Plattenfirmen auf pauschale “Flatrates” drängen. Ich bin mal gespannt, wie sich das ganze zukünftig entwickeln wird.

    Niko

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