WWDC 2008 – iPhone 3G: "It's the software, stupid"
Veröffentlicht in Apple, Personal Tech am 09.06.2008 von Christoph
“One more thing” hatte Steve Jobs diesmal nicht im Programm. Erst überließ der Apple-Chef bei seiner Keynote auf dem WWDC 2008 seinen Mitarbeitern und Partnern über eine Stunde lang die Bühne, um die Funktionen der neuen Software iPhone 2.0 anzupreisen, die nach einem (kostenlosen) Upgrade auch auf dem alten iPhone laufen können. Dann präsentierte Jobs kurz und knackig die Hardware-Features für das neue “iPhone 3G”, die von jedermann erwartet worden waren. Das iPhone unterstützt nun also endlich auch UMTS und bekommt einen GPS-Empfänger verpasst. Kein iPhone nano, kein MacTablet, von dem angeblich der deutsche Intel-Chef schwadroniert hatte. Ach ja, die Batterie des iPhones kann man immer noch nicht einfach austauschen. Und Cut/Paste kann das iPhone immer noch nicht.
Ein Schweizer Kollege hier in San Francisco war nach der Keynote richtig enttäuscht. “Konnte man doch alles schon vorab in den Blogs lesen”, raunte er in das Mikrophon des deutschen TV-Senders N24, der eigens für die WWDC und die iPhone-Ankündigung von Jobs kurzfristig ein Team von Los Angeles nach San Francisco geschickt hatte.
Ja, stimmt -- und nein, stimmt nicht. Bei 3G und GPS lagen quasi alle Beobachter richtig, die im Vorfeld eine Prognose zum Inhalt der Keynote abgegeben haben. Hier gab es keine Überraschungen. Dennoch waren die zwei Stunden im Moscone-Center alles andere als langweilig. Die Serie der Software-Präsentationen der Apple-Partner ließ erahnen, welches Potential im iPhone steckt. Mit der ersten iPhone-Generation setzte Apple mit seinem Handy in Sachen Bedienbarkeit und Eleganz neue Maßstäbe. Nun kommen Produktivität und Spaß mit dazu.
Das iPhone arbeitet jetzt nicht nur umfassend mit der Exchange-Infrastruktur von Microsoft zusammen, sondern kann künftig neben Word-Dokumenten und Excel-Tabellen nun auch PowerPoint-Folien darstellen. Außerdem zeigt das iPhone die Dokumente des Apple-Office-Pakets “iWork” an.
Software-Partner Loopt vereint gleich zwei Megatrends: Social Networking und Geo-Tagging. “Sie müssen nie wieder alleine oder in einem lausigen Restaurant zu Mittag essen”, fasste Sam Altman, der blutjunge CEO von Loopt, die Idee seines Dienstes zusammen.
Als dpa-Journalist fand ich natürlich die iPhone-Anwendung von AP sehr spannend. Associated Press vereint auf dem iPhone-Screen Nachrichten und Fotos seiner “Members”, also den lokalen und regionalen Tageszeitungen der USA, und kombiniert diesen Content mit AP-Inhalten, darunter auch Videos.
Die Reihe der Software-Präsentationen nahm fast kein Ende: Sega spielt auf dem iPhone jetzt Super Monkey Ball. SixAparts Blogging-System TypePad kann nun bequem vom iPhone aus bedient werden. Zwei Anwendungen richteten sich an (angehende) Mediziner. Außerdem mit dabei: eBay und die US-Baseball-Liga MBL.
Den meisten Beifall der Entwickler erhielten aber zwei iPhone-Anwendungen aus Europa: Der britische Versicherungsangestellte Mark Terry, der mit seinem kleinen Unternehmen Moo Cow Music eine aberwitzige Musikanwendung für das iPhone programmiert hat, und die spanische Games-Schmiede Digital Legends Entertainment für ein Jump-and-Run-Spiel mit einer Grafik, die schon ziemlich nah an die Playstation Portable kommt. Yes, it’s the software, stupid.

Das iPhone im musikalischen Einsatz… man müsste dafür doch auch eine feine Universalfernbedienung für DAWs wie Logic Pro oder Pro Tools entwickeln können…
Wär’ natürlich ein Traum wenn Musikprogramme wie Pro Tools, Cubase, Logic oder Fruity Loops (natürlich in abgespeckten Versionen) auf dem Iphone laufen würden. Auf sowas warte ich schon lange:)