Die Zukunft von OS X ist parallel

Veröffentlicht in Apple am 11.06.2008 von Christoph

Steve Jobs auf dem WWDC 2008 - Foto: Christoph DernbachFür Journalisten ist die WWDC, die Entwicklerkonferenz von Apple, stets eine merkwürdige Veranstaltung – zumindest im Vergleich zur MacWorld Expo. Zur Keynote von Apple-Chef Steve Jobs haben die Reporter einen privilegierten Zugang. Noch vor dem zahlenden Publikum, das in einer langen Schlange am Moscone Center anstehen muss, werden die Medienleute zu einem reservierten Bereich geführt, links vorne an der Bühne. Ganz nah am Geschehen.

Doch kaum ist die Keynote vorbei, müssen die Journalisten schnell das Moscone Center räumen. Die nachfolgenden Veranstaltung stehen unter einer Verschwiegenheitsvereinbarung (“Non Discloser Agreement Non Disclosure Agreement”) und sind ausschließlich den Developern vorbehalten. Für Briefings mit Apple-Managern wird man dann wieder von PR-Leuten durch das Center eskortiert, damit man sich als Journalist nicht in ein bezahlpflichtiges Forum verirrt.

Jobs und seine Kollegen haben sich in der Keynote in diesem Jahr fast ausschließlich mit der neuen iPhone-Software 2.0 und der neuen Hardware, dem iPhone 3G, beschäftigt. Vor diesem Hintergrund sind die News zum neuen Betriebssystem OS X 10.6 ein wenig untergegangen. Apple will sich fast vollständig auf neue Features verzichten. Lediglich eine bessere Anbindung von Mail, iCal und Co. an die Exchange-Architektur von Microsoft ist vorgesehen. “Snow Leopard” werde “die Leistungsfähigkeit von OS X verbessern, einen neuen Standard für Qualität setzen und die Basis für zukünftige OS X Innovationen bilden”.

Das ist für Apple-Verhältnisse ein ungewohntes Under-Statement, insbesondere wenn man den Bericht von John Markoff liest. Apple will sich mit “Snow Leopard” Antworten auf die Herausforderung der neuen Prozessor-Architekturen bieten. “The way the processor industry is going is to add more and more cores, but nobody knows how to program those things”, sagte Jobs. “I mean, two, yeah; four, not really; eight, forget it.”

In der Pressemitteilung von Apple heißt es dazu:

Snow Leopard bietet eine unvergleichbare Unterstützung für Mehrkern-Prozessoren mit einer neuen Technologie die den Codenamen “Grand Central” trägt. Diese Technologie macht es Entwicklern einfacher Programme zu entwickeln, die das Leistungspotential der Multi-Core Macs voll ausschöpfen. Snow Leopard erweitert die Unterstützung moderner Hardware mit Open Computing Language (OpenCL), die es jeder Applikation ermöglicht die große Leistung der Gigaflops anzuzapfen, die bisher nur Grafikapplikationen zur Verfügung stand. OpenCL basiert auf der Programmiersprache C und ist als offener Standard beabsichtigt. Den Vorsprung von OS X im Bereich der 64-Bit Technologie ausbauend, hebt Snow Leopard das theoretische Systemspeicher-Limit für Software auf 16 TB RAM.

Markoff verweist in seinem Bericht auf den Supercomputer-Geschwindigkeitsrekord, den in dieser Woche das Los Alamos National Laboratory aufgestellt hat. Die Supermaschine wurde aus 12.000 IBM-Cell-Prozessoren zusammengebaut, die ursprünglich für die Playstation 3 von Sony entworfen wurde. “Wenn Apple seine Computer künftig mit ähnlichen Chips bestückt, dann wird das die Computer-Industrie ändern.

Im Gespräch von John Markoff mit Steve Jobs gab es übrigens ganz nebenbei den ersten halbwegs konkreten Hinweis auf den strategischen Hintergrund der Übernahme von PA Semi: “PA Semi is going to do system-on-chips for iPhones and iPods.”

Apple in Parallel: Turning the PC World Upside Down? – Bits – Technology – New York Times Blog

3 Responses to “Die Zukunft von OS X ist parallel”

  1. Gerd sagt:

    - Kleiner Typo: Non Disclosure Agreement
    - Der Artikel von Markoff ist einfach schlecht. Er vermischt Dinge die nichts miteinander zu tun haben und versteht nicht worüber geredet (er selbst hat schon zwei Updates nachgeschoben), in den Kommentaren des Artikels wird nicht ganz zu Unrecht die Frage aufgeworfen warum gerade er diesen Artikel schreibt.

  2. Michael sagt:

    Vielleicht versteh ich den Abschnitt in Markoffs Artikel falsch, aber ist nicht auch “Grand Central” von PA-Semi? Dann hätte sich Apple mit dem Kauf auch gleich die Basis von “Snow Leopard” geschaffen.

  3. Christoph sagt:

    Zum Thema “Grand Central” führt vielleicht die Definition weiter, die die Kollegen von heise.de formuliert haben:

    Größte Änderung (bei Snow Leopard) dürfte die Einführung der Bibliothek “Grand Central” sowie die zugehörige Runtime “Grand Central Dispatch” (GCD) sein. Dabei handelt es sich um eine zentrale Verwaltungsinstanz, die das Management von Ereignissen in der so genannten Event-Loop für alle Anwendungen vereinfachen soll. Dieser Verteiler führt eintreffende Ereignisse aus unterschiedlichen Quellen zusammen und leitet ihre Ausführung in die Wege. Dabei spielt es keine Rolle, ob eine CPU oder eine GPU (auf einer Grafikkarte) das erledigen.

    Mit der Arbeit von PA Semi hat das meiner (beschränkten) Einsicht nach wenig bis nichts zu tun.

Leave a Reply