Das Desaster um MobileMe

Von | Apple, Mobile

Screenshot MobileMe-Status-Blog

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Steve Jobs hatte das Thema schon abgehakt: „I think we finally got it right“, sagte der Apple-Chef auf dem Entwicklerforum WWDC 2008, nachdem er den neuen Onlinedienst MobileMe präsentiert hatte. Doch der holprige Start von MobileMe brachte sogar die Apple-Freunde Walt Mossberg vom Wall Street Journal („Apple’s MobileMe Is Far Too Flawed To Be Reliable“) und David Pogue von der New York Times („Apple’s MobileMess“) in Wallung.

Ich persönlich hatte nur am allerersten Tag (12. Juli) Schwierigkeiten, weil der MobileMe-Service nicht erreichbar war. Außerdem erschien die notwendige Systemaktualisierung nicht automatisch, sondern musste von mir manuell angesteuert werden. Aber viele andere hatte wohl massive Probleme. Und die wurden auch kaum durch das Entschuldigungsgeschenk von Apple gemindert, die MobileMe-Mitgliedschaft kostenlos um 30 Tage verlängern.

Es war vielleicht auch keine besonders gute Idee, den Verkauf des iPhone 3G am selben Tag wie den neuen Onlineservice zu starten. Doch zum PR-Desaster wurde MobileMess erst durch die arrogante Reaktion von Apple. Auf der Support-Website von MobileMe erschien dieser Hinweis: „1% of MobileMe members cannot access MobileMe Mail. We apologize for this service interruption and are working hard to resolve the problem.“ Ein Prozent? Das schien doch sehr geschönt zu sein. Nach den Schätzungen von David Pogue wären ein Prozent der MobileMe-Kunden rund 20 000 Leute. „Und fast jeder von diesen hat mir eine E-Mail geschickt.“

Außerdem musste Apple ein Versprechen von Steve Jobs, nämlich die „Push“-Funktionalität von MobileMe, relativieren.

Ein kleines Problem bleibt jedoch noch zu erwähnen und zwar die Bedeutung des Begriffs „Push“, der all das beschreibt, was wir unter MobileMe verstehen. Zwar werden alle E-Mail-, Kontakt- und Kalenderänderungen, die im iPhone und in den Webanwendungen vorgenommen werden, augenblicklich zur und von der MobileMe-Wolke synchronisiert; Änderungen, die jedoch auf Ihrem Mac oder PC gemacht werden, brauchen bis zu 15 Minuten, bis sie mit der „Wolke“ oder Ihren anderen Geräten synchronisiert werden. Im Klartext heißt das, dass wir, obwohl alles derzeitig tatsächlich sofort zu und von Ihrem iPhone und den Webanwendungen „gepusht“ wird, den Begriff „Push“ erst dann wieder benutzen werden, wenn das auch von Ihrem PC oder Mac aus möglich ist.

Durch die Berichte von Mossberg und Pogue scheint nun auch die Konzernspitze in Cupertino mitbekommen zu haben, dass da etwas auf dem Ruder läuft und die Kundschaft richtig sauer ist. Auf Geheiß von Steve Jobs muss nun das MobileMe-Team in einem Blog fortlaufend über den Status von MobileMe berichten. Allerdings wurde am Freitag dort erneut das Ein-Prozent-Märchen erzählt. Immerhin gab es ein paar detaillierte Hinweise, an welcher Stelle die technischen Probleme aufgetreten sind. Und das Team gestand ein, dass „mehr als 70 Bugs“ gefixt werden mussten.

Dauert wohl ein bisschen, bis Steve Jobs zurecht sagen kann: „I think we finally got it right.“

Apple – MobileMe – Status

fscklog: MobileMe-Mail-Zugriff teilweise wiederhergestellt

2 Responses to " Das Desaster um MobileMe "

  1. Ché Borko sagt:

    Ich freue mich total darüber, dass Apple sich so gewandelt hat und total offen über die Probelme zu sprechen scheint…. Da kann man ihnen fast so ein Desaster verzeihen!

  2. pescheLi’s Blog » Neues Mac OS X-Update ist da sagt:

    […] Update macht das System (hoffentlich) stabiler, gibt MobileMe endlich die erwartete Push-Funktion und bringt die Sicherheit auf den […]

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