Microsoft will mit Billigheimer-Spots gegen Apple punkten

Im ewigen Wettstreit zwischen Microsoft und Apple legt der Softwaregigant aus Redmond nun nach. In einer Serie von Werbespots werden zehn potentielle Computerkäufer mit einem begrenztem Budget losgeschickt, die sich natürlich alle gegen ein Apple-Produkt entscheiden und eine der günstigeren Windows-Kisten kaufen.

Die Kampagne von Crispin Porter + Boguksy hat allerdings einige gravierende Fehler, die die von Microsoft-Boss Steve Ballmer in der vergangenen Woche proklamierte Botschaft („500 Dollar sind zuviel für ein Logo„) ins Gegenteil verkehren könnte.

Kaum war der erste Spot mit Käuferin „Lauren“ veröffentlicht, machte sich eine Heerschar von Bloggern und IT-Journalisten daran, die Details zu untersuchen. Dabei kamen spannende Dinge raus:

„Lauren“, die von Microsoft als zufällig über Craigslist ausgewählte Interessentin präsentiert wurde, ist tatsächlich eine professionelle Schauspielerin mit einer Mitgliedkarte der Gewerkschaft SAG. Es ist natürlich nicht unethisch, Schauspieler für einen Werbespot zu engagieren. Allerdings sollte man nicht so tun, als handle es sich bei diesen Kandidaten um normale Leute von der Straße.

In dem „Mac-Store“ hat „Lauren“ sich übrigens gerade mal 30 Sekunden oder so aufgehalten. Das ist einem aufmerksamen Beobachter des Videos aufgefallen, der die Passanten vor dem Apple-Store im Auge hatte.

An dem Laptop von HP, den „Lauren“ in dem Best-Buys-Laden für 699 Dollar erstanden hat, wird die junge Frau vermutlich wenig Freude haben. „Dieser Rechner läuft mit Vista Home auf einem langsamen AMD Mobile-Prozessor. Er hat DDR2-RAM Hauptspeicher, wie man ihn im 300-Dollar-Netbooks findet. Das ist die Konfiguration, an der sich die Gerichtsverfahren über das „Made for Vista“-Label entzündet hat“, schreibt die Computerworld, die nicht als Apple-Fan-Boy-Magazin abgetan werden kann. Auch der Bildschirm mit der merkwürdigen Auflösung von 1440 x 900 Pixeln und schlechten Blickwinkel-Eigenschaften, die veraltete Netzwerktechnik (802.11G-WLAN und 100Mb Ethernet) sowie die kurze Akkulaufzeit werden den Spaß an diesem Laptop einschränken. An diesem Rechner hätte man vermutlich auch nicht viel Freude, wenn man ein Ubuntu-Linux oder ein gehacktes MacOS darauf installieren würde. (Ich würde Lauren übrigens dazu raten, den Laptop mit einem Windows XP oder einem Windows 7 komplett neu aufzusetzen.)

In der gekauften Windows-Variante muss sich „Lauren“ allerdings außerdem mit der „Crap-Software“ (Ausprobier-Versionen von verschiedenen Softwarepaketen, die die Geschwindigkeit des Rechners deutlich reduzieren) herumschlagen, die HP vorinstalliert hat. Und nach einigen Monaten muss sie außerdem noch mal in die Tasche greifen, weil dann die Testperiode für die installierte Anti-Virus-Software abgelaufen ist und man sich mit einem Windows-PC besser nicht ohne Schutz im Netz bewegt.

Da man Schauspielerin „Lauren“ ja buchen kann, sollte Apple mal in drei Monaten ein Team vorbeischicken, um die junge Frau zu befragen, wie viel Spaß sie an diesem Gerät hat.

Microsoft wird sich fragen lassen müssen, welche Botschaft man mit Spots wie diesem verkünden möchte. Seth Weintraub von Computerworld fasst diese Message so zusammen:

Wir gestatten es, dass unsere Software auf wirklich billigen Maschinen installiert wird.

Bei Nick Mediati, Kolumnist bei PC World, ist diese Aussage angekommen:

Die neue Botschaft von Microsoft: Windows ist was für Loosers

Too cool to use Windows, too cheap to buy a Mac |Notes from the Field | Robert X. Cringely® | InfoWorld

Lauren in 'Joy of Tech'
Lauren in 'Joy of Tech'
Update:

Die Geekculture-Zeichner Nitrosac & Snaggy (The Joy of Tech) haben auf die Microsoft-Werbung, die die hohen Kosten für Macs attackiert (nicht aber deren Wert), eine passende Antwort. (Die aufmerksamen Beobachter werden es vielleicht gemerkt haben: Snaggy hat auch mein Portrait im Header-Bereich dieses Blogs gezeichnet.)

via:
Montag, 30. März: Schlagzeilen

Update 2:
Schauspielerin Lauren De Long wird demnächst Spots für 7-Eleven drehen:

Next up for Microsoft’s ‚real life‘ Windows star: 7-Eleven ads – TechFlash: Seattle’s Technology News Source

About Christoph

Check Also

Apple Stores in Deutschland auf einer interaktiven Landkarte

Die Apple Retail Germany GmbH betreibt in Deutschland nach der Eröffnung des Apple Stores in …

Kommentar verfassen