Die Geheimnisse der Präsentationen von Steve Jobs

  1. Jedes Drama hat einen Helden – und einen Bösewicht

  2. Der Gegenpol muss nicht immer ein Wettbewerber sein. Es kann sich auch um den Zustand der Branche handeln oder eine Problemstellung. Jedes Problem öffnet die Tür für eine Lösung.

    Bei der Vorstellung des ersten Apple Macintosh Ende 1983 hieß der böse Gegenspieler IBM. Später nahm oft Microsoft diese Rolle ein.

    httpv://www.youtube.com/watch?v=lSiQA6KKyJo

  3. Twitter-freundliche, knackige Überschriften

  4. Steve Jobs betont keine technischen Details, sondern beschreibt seine Produkte so, wie er sie in der Presse vorgestellt wissen will. Das MacBook Air wurde von dem Apple-CEO nicht als ein Notebook mit einem 13,2-Zoll-Widescreen-Display angekündigt, sondern als das “dünnste Notebook der Welt”.

    httpv://www.youtube.com/watch?v=x5iPJwZkr6E

  5. Verkaufe Träume, keine Produkte

  6. Bei der Einführung des iPod sprach Steve Jobs nicht von einem neuen MP3-Player, sondern von der “Transformation der Musik”. Er erklärte, warum Apple die Musik liebt und wie man das Leben von Musikliebhabern verändern möchte.

    httpv://www.youtube.com/watch?v=kN0SVBCJqLs

  7. Proben, proben, proben

    Steve Jobs übt wichtige Präsentationen viele, viele Stunden über Wochen hinweg ein und überlässt nichts dem Zufall.

  8. Backup

    Zur guten Vorbereitung einer Präsentation gehört ein Backup. Wenn ein Rechner ausfällt, steht ein zweiter sofort einsatzbereit zur Verfügung: Pannen, wie ich sie zum Beispiel bei Bill Gates auf der der CES 2005 gesehen habe, kommen bei Jobs quasi nicht vor oder werden sofort durch bereitstehende Backup-Systeme aufgefangen.

    Steve Jobs geht nie ohne Sicherheitsnetz in eine wichtige Präsentation
    Steve Jobs geht nie ohne Sicherheitsnetz in eine wichtige Präsentation

    Comic – The Joy of Tech comic – What is really behind a Steve Jobs keynote
  9. Wenig Text

    Viele Folien von Steve Jobs bestehen nur aus wenigen Worten. Wenn Jobs Spiegelstriche bzw. Bullet-Points verwendet, dann auch nur wenige. Die Punkte erscheinen nacheinander, nicht alle auf einmal. In der Regel, versucht Jobs die Bullet-Points zu vermeiden, die für quasi jede PowerPoint-Präsentation typisch sind, und verwendet statt dessen Grafiken:

    Im Vergleich: Steve Jobs …

    Steve Jobs vermeidet häufig den Einsatz von Bullet-Points
    Steve Jobs vermeidet häufig den Einsatz von Bullet-Points

    … und Bill Gates

    Bill Gates ist ein Freund von Bullet-Points
    Bill Gates ist ein Freund von Bullet-Points
  10. Große Schrift, aussagekräftige Screenshots, schöne Bilder

    Die Schrift auf den Folien von Steve Jobs ist im Vergleich zu herkömmlichen Powerpoint-Präsentationen oft extrem groß (60 Punkt). Mit der Kombination von wenigen Worten und großer Schrift kommt eine Präsentation von Jobs häufig auf über 100 Folien, die alle aber perfekt auf den Punkt erscheinen.

    Steve Jobs stellt hier im September 2007 eine neue iPod-Familie vor
    Steve Jobs stellt hier im September 2007 eine neue iPod-Familie vor
  11. Zen

    So ….

    Steve Jobs - Der Zen-Master
    Steve Jobs - Der Zen-Master

    Und nicht so …

    Bill Gates präsentiert
    Bill Gates präsentiert
    Ähnlich sieht auch die aktuelle Präsentation von Steve Ballmer aus
    Ähnlich sieht auch die aktuelle Präsentation von Steve Ballmer aus

Quellen:

How to Change the World: Lessons from Steve’s Keynote

The Presentation Secrets of Steve Jobs – ABC News

Presentation Zen: Gates, Jobs, & the Zen aesthetic

15 Gedanken zu „Die Geheimnisse der Präsentationen von Steve Jobs

  1. Schön zusammen gefasst, auch wenn ich als Nicht-Macianer nicht immer dem Hype folgen kann.
    Das der Gates auf seinen angesprochenen Präsentationen so ziemlich alles falsch macht, was man so falsch machen kann, sieht man ganz gut. Das lernt man aber glaube ich auch in der 2. Stunden im “richtig Präsentieren” Seminar.
    Wie auch immer, es gab mal einen interessantes Kapitel über Story Telling im Bezug auf das iPhone. Leider kriege ich es nicht mehr ganz zusammen, aber es handelte darüber, dass es Apple schaffte, vor dem Release bereits einen Mythos um das Produkt zu entwickeln. Naja im Prinzip, ich sage mal “der Rest ist Geschichte”.

    Die Frage, die ich mir allerdings immer wieder stelle ist: Wer oder was kommt nach Steve Jobs?

    Beste Grüße
    Kai

  2. Hm, ein paar Sachen mag ich gerne zustimmen, anderen wiederum nicht. (http://www.youtube.com/watch?v=KsKKQNZG3rE) Apple war als Unternehmen seit der Enstehung auf minimalistische Produkte spezialisiert. Daher erklären sie sich in der Vermarkterrolle auch lieber mit kurzen Überschriften und wenig Text, mag man nun “cool” nennen und das ist sicherlich salonfähig, aber dafür braucht man das richtige Profil. Nicht jedes Unternehmen kann auf diesem Zug aufspringen. Vor allem aber braucht es eine Ikonfigur an der Front und da ist Steve Jobs passend. Die Keynotes werden wegen ihm gesehen und vermutlich könnte er vielen Quatsch erzählen und die Leute würden es immer noch glauben. “Safari ist der beste Webbrowser” beispielsweise.

    Bill Gates ist in meinen Augen auch eine solche Figur. Auch er begeistert Menschen, wenn auch nicht mit den Mitteln eines Jobs. Die Präsentationen mit Gates sind nicht “zen”, viel mehr spiegeln sie die liebliche Sympathie wieder, die Gates gegenüber Software, Technologien und seinem Lebenstraum des Personal Computers hegt. Wörter wie “technology”, “device” und “software” machen das Vokabular seiner Auftritte aus, zeigen aber wie sehr er noch die Person ist, die er war, als Microsoft noch mit einem Bindestrich geschrieben wurde. Ich glaube, dass diese Authentizität, zu sein, wer man ist, besser ist, als der Versuch, etwas anderes zu verkörpern.

    Die beiden teilen als Ausgangsfiguren der Computerindustrie eine lange Geschichte, einen wackeren Start und durften hin und wieder stürmische Tage erleiden. Apple vielleicht etwas mehr, dafür tätowiert sich niemand das Microsoft-Logo auf die Brust. Im bekannten Interview für D/All Things Digital sieht man beiden auch an, wie sehr sie sich in gewissen Punkten in nichts nach stehen.

  3. @pell Interessanter Kommentar. Für diejenigen, die den gemeinsamen Auftritt von Bill Gates und Steve Jobs auf der WSJ-Konferenz All Things D aus dem Jahr 2007 nicht kennen, anbei der Link:

    http://d5.allthingsd.com/20070530/steve-jobs-and-bill-gates-together-part-1-of-7/

    Der YouTube-Film mit den “Apple Keynote Bloopers” ist eher ein Beweis für die These, dass Steve Jobs seine Keynotes extrem unter Kontrolle hat. Wenn man neue Produkte, egal ob Software oder Hardware, vorführt, kann es immer man an der ein oder anderen Stelle haken. Der einzig wirklich ratlose Mensch in diesem Video ist der Sony-Chef, der damals bei seinem Auftritt völlig den roten Faden verloren und quasi einen Blackout hatte. Ich saß damals mit im Publikum und hatte echt Mitleid mit ihm.

  4. @christoph Stimmt, Jobs wirkt eigentlich recht sympathisch bei den Patzern. Eine unbefangene Offenheit zu Fehlern hat auch einen sehr viel humaneren Effekt als grobe Perfektion.

    Nun bin ich etwas neidisch. Jobs live zu sehen, kommt ja fast einem Beatles-Konzert gleich. War es denn gut? =D

  5. @pell Die Beatles habe ich leider verpasst. Als die auseinander gingen, war ich erst zehn Jahre alt. Aber als Technologie-Korrespondent der dpa hatte ich mehrfach die Pflicht (und das große Vergnügen), bei einer Keynote von Steve Jobs live in San Francisco oder in Cupertino dabei zu sein. Das ist wirklich ein Erlebnis. Ich habe auch schon mehrfach Bill Gates, Steve Ballmer oder andere Hightech-Größen live gesehen, aber ich finde, dass Jobs in einer eigenen Liga spielt. Carly Fiorina, damals Chefin von HP, kam auch sehr überzeuegnd rüber. Und die beiden Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin haben mich bei ihrem Auftritt auf der CES in Las Vegas auch in den Bann gezogen – aber eher in der kleinen Diskussionsrunde nach der Keynote als bei dem öffentlichen Vortrag selbst. Leider macht Steve Jobs so etwas nach seinen Keynotes nicht. Nur auf einer Apple Expo in Paris hat er sich mal den Fragen von Journalisten gestellt.

    Was bei den Apple-Keynotes nervt, ist das ganze Theater im Vorfeld. Normalsterbliche müssen sich stundenlang vor dem Event auf dem Bürgersteig vor dem Eventcenter anstellen und sich die Beine in den Bauch stehen. Und selbst in der priviligierten Press-Lane muss man noch ziemlich lange auf den eigentlichen Auftritt warten. Das war aber zuletzt bei den großen Ansprachen von Bill Gates auf der CES in Las Vegas genau so.

    Bill Gates hat meiner Ansicht nach seine beste Keynote im Februar 2009 auf der TED-Konferenz gehalten, als er nicht für Microsoft aufgetreten ist, sondern im Namen seiner Stiftung. Leider war ich bei diesem Event nicht dabei, man kann sich den Auftritt aber auf Video anschauen.

  6. auch geil ist lawrence lessig. der benutzt zwar wenig graphiken, scheint aber seine präsentation auf die sekunde genau mit stichworten geplant zu haben, wie man z.b. hier sehen kann:

  7. Ein Purist hat’s nicht leicht…
    Jobs war unter coolen Leuten immer cool, für die logischen Komplikatoren fehlte ihm schon auch mal etwas die Ruhe, nicht nur die Geduld.
    R.I.P., Steve. ;)

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