Wie die Blogger bei der iPhone-Demo von Steve Jobs dazwischengefunkt haben

Von | Apple

In diesem Blog geht es in diesen Wochen etwas ruhiger zu, weil ich mitten in den Vorbereitungen des Umzugs nach Berlin stehe. Die dpa-Redaktionen aus Frankfurt, Hamburg und Berlin (Reinhardtstraße) ziehen bekanntlich Anfang Juli in den neuen riesigen Berliner dpa-Newsroom in der Markgrafenstraße. Und auch ich werde mit meiner Familie der schönen Hansestadt Hamburg den Rücken kehren und nach Berlin-Charlottenburg umsiedeln.

Das Moscone Center in San Francisco

Das Moscone Center in San Francisco

Bevor es so richtig an das Kartonpacken geht, habe ich mich aber noch einmal mitten ins Getümmel gestürzt und die World Wide Developer Conference (WWDC) von Apple in San Francisco gecovert. Durch den skurillen Vorfall in einer deutschen Bierkneipe unweit der Apple-Zentrale in Cupertino, war ja im Vorfeld bekannt, dass Apple auf der WWDC ein neues iPhone ankündigen wird. Die Geschichte von dem unglücklichen Apple-Programmierer, der in der Bar den Prototypen des neuen iPhone 4 verloren hatte, kennt hier in Kalifornien inzwischen jedes Kind. Zum Ärger von Steve Jobs kaufte das Technik-Blog Gizmodo den Prototypen an, zerlegte ihn in sämtliche Einzelteile und erntete weltweit Aufmerksamkeit – bis die Apple-Rechtsabteilung und die kalifornischen Strafverfolgungsbehörden der Geschichte ein Ende bereiteten.

Zur Keynote auf der WWDC 2010 hatte Steve Jobs erneut seine Probleme mit den Bloggern. Diesmal ging es nicht um Geheimnisverrat oder andere Vorwürfe, sondern um ein physikalisches Phänomen, das den Ablauf der Demos in der Jobs-Keynote empfindlich störte. Das Frequenzspektrum für WLAN-Verbindungen verträgt nächlich nicht allzuviele Hotspots.

UMTS-WLAN Router E5 E5830 von Huawei

UMTS-WLAN Router E5 E5830 von Huawei

Da man als Journalist oder Blogger bei einer Keynote einer Apple-Veranstaltung nie sicher sein kann, ob es am Veranstaltungsort ein funktionierendes WLAN gibt, bauen die Kollegen aus den USA vor und bringen ihre eigenen Netzverbindungen mit. In den vergangenen Jahren handelte es sich dabei in der Regel um UMTS-Steckkarten oder Mobilfunk-Sticks, mit denen man über die Netze von Verizon, AT&T, Sprint oder T-Mobile online gehen kann.

In den vergangenen Monaten wurde hier in Kalifornien eine neue Gerätekategorie äußerst populär, nämlich die eigene portable WLAN-Station, die wiederum mit einem Mobilfunknetz verbunden ist. Der Vorteil einer solchen Lösung: Man kann mehrere Geräte gleichzeitig über einen Vertrag online gehen lassen, in dem man beispielsweise Laptop, Smartphone, Kamera oder einen Tablet-PC per WLAN mit der Station verbindet. So wirbt beispielsweise Verizon für den „Intelligent Hotspot MiFi 2000“ mit diesem Versprechen:

The Intelligent Mobile Hotspot is your portable, wireless Wi-Fi hotspot. From wherever you are in the coverage area, it detects the Verizon Wireless network and allows you to access a reliable broadband connection.

In Deutschland kann man ein MiFi per Amazon bestellen – oder auch ähnliche Geräte wie den UMTS-WLAN Router E5 E5830 von Huawei.

Zur WWDC-Keynote von Steve Jobs hatten viele Zuhörer auf diese Weise ihre Verbindung hergestellt – genauer gesagt, sehr viele. Nach Angaben von Apple waren in dem Saal im Moscone Center 570 WLAN-Stationen als Hotspot aktiv. Und da für WLAN-Verbindungen nur zwei ziemlich eng begrenzte lizenzfreie Frequenzblöcke zu Verfügung stehen, war dann irgendwann Schluss. Der Leidtragende war Steve Jobs auf der Bühne, der eigentlich online vorführen wollte, wie toll das neue Rentina-Display mit seiner um den Faktor 4 erhöhten Pixelzahl aussieht.

Steve Jobs auf der WWDC 2010

Nach der Demo wieder entspannt: Steve Jobs auf der WWDC 2010

Damit Steve Jobs zum Schluss der Keynote sein „One more thing“, nämlich die Videochat-Funktion „FaceTime“, überhaupt noch präsentieren konnte, musste der Apple-Chef mit beschwörenden Worten die Zuschauer bitten, ihre MiFi-Stationen auszuschalten, damit im überlasteten Frequenzspektrum wieder ein wenig Platz für die Übertragung der Videodaten zwischen zwei iPhone 4 frei wurde. Was ihm dann auch gelang.

Strom- und CAT7-Kabel

Strom- und CAT7-Kabel

Damit schließt sich wieder der Bogen bis nach Berlin. In dem Haus, in das ich in drei Wochen einziehen werde, funken zwar nicht 570 WLAN-Stationen wie im Moscone Center in San Francisco. Aber nach meinen bisherigen Erfahrungen sind so zwischen zwölf und 15 Hotspots online, was die Kanalauswahl für eine möglichst ungestörte und breitbandige WLAN-Verbindung auch nicht gerade einfach macht. Ich habe deshalb die ohnehin fällige Sanierung der Stromleitungen in der Altbauwohnung ausgenutzt, um parallel auch schön abgeschirmtes CAT7-Kabel verlegen zu lassen. Im Zusammenspiel mit einer neuen Fritzbox 7390 entsteht dann ein Heimnetzwerk, in dem der Haupttraffic über Kabel läuft. Für Geräte wie das iPad werde ich aber dann auch die WLAN-Komponente der Fritzbox aktivieren.

2 Responses to " Wie die Blogger bei der iPhone-Demo von Steve Jobs dazwischengefunkt haben "

  1. Marko sagt:

    Es ist wirklich unglaublich, dass ganze 570 Hotspots in diesem Raum zu finden waren. Das bedeutet ja im Prinzip, dass nahezu jeder Besucher einen eigenen Hotspot zur Verfügung hatte. Jedenfalls war es schon schade, dass die Demonstration nicht ganz so gut funktioniert hat. Besonders spannend wäre es gewesen, den Videochat in voller Bandbreite zu sehen.

  2. Christoph sagt:

    @Marko Das Moscone Center in San Francisco ist riesig. Da passen locker 5000 Leute rein. Aber auch wenn „nur“ jeder zehnte Besucher ein Hotspot betrieben hat, ist das gewaltig.

Kommentar verfassen

Audrey, IBM Shoebox, ViaVoice, Dragon, Siri, Google Now, Cortana: Die Geschichte der automatischen Spracherkennung

1962 präsentierte IBM ein Spracherkennungssystem, das nur...

Wie mit dem MITS Altair 8800 die PC-Revolution begann

Die Ausgabe der Elektronik-Zeitschrift “Popular...

15 Jahre Windows 95 – Wie Microsoft die Software-Geschichte umschreibt

Heute vor 15 Jahren, am 24. August 1995, brachte Microsoft...

Das war quasi mein iPod, damals

Ich räume gerade unsere Wohnung in Hamburg auf, um den...