Focus beim Thema Apple wieder auf dem Holzweg?

Das Nachrichtenmagazin Focus widmet Apple und seinem Chef Steve Jobs die aktuelle Titelgeschichte („Der Imperator – Wie Steve Jobs mit Apple die Welt revolutioniert und bevormundet“). Auf zehn Seiten werden dort Archivstücke aus den letzten drei Jahrzehnten mit aktuellen Geschehnissen wie dem „Antennagate“ und dem „SpyPhone“-Patent zusammengerührt. Ich habe kaum etwas gefunden, was man nicht zuvor woanders gelesen hätte (z.B. hier). Nur eine kleine Passage war mir neu:

Ausriss Focus
Ausriss Focus

Nach FOCUS-Informationen ist Apple im Begriff, ins Auto vorzudringen. In Kooperation auch mit deutschen Herstellern wie BMW entwickeln die Amerikaner ein Gerät auf iPhone-Basis für Pkws. Es soll Navigationssysteme ersetzen und zugleich „Kommandozentrale“ und Unterhaltungseinheit im Fahrzeug werden.

So etwas Ähnliches hatte Focus allerdings schon einmal geschrieben – und zwar im Juni 2007. Damals hieß es:

Tatsächlich steuert das Unternehmen seit der Erfolgsstory seines Musikplayers iPod zunehmend weg vom Image des Computerherstellers – hin zum Vollsortimentler für den digitalen Alltag. Nun drängt Apple in die nächste Bastion der modernen Lebenswelt: Mercedes wird seine Fahrzeuge nach FOCUS-Informationen voraussichtlich ab 2009 exklusiv mit Hightech aus den Entwicklungslaboren des einstigen Computerkonzerns ausrüsten. Nach sechs Monaten sollen auch andere Autohersteller folgen.

Focus zitierte auch damals keine Quelle, es gab nicht einmal einen vagen Hinweis. An anderer Stelle führte das Magazin aus:

Nach FOCUS-Informationen soll das Gerät, das der US-Computerhersteller derzeit entwickelt, Unterhaltung, Kommunikation und Navigation in einer Einheit kombinieren. Mercedes wird die neue Apple-Garnitur für sechs Monate exklusiv anbieten. Mit einer Markteinführung ist voraussichtlich 2009 zu rechnen. Unklar ist noch, ob Apple – ähnlich wie beim iPhone – auf Google Maps als Navigationshilfe vertrauen wird.

Ich hatte damals schon vermutet, dass Focus sich mit seiner Story mächtig verfahren hat. Und tatsächlich: Das Jahr 2009 ging ins Land, ohne dass Mercedes-Kunden eine Unterhaltungs- und Navigations-Kombi von Apple buchen konnten. Und vermutlich werden auch die BMW-Fahrer lange Zeit warten müssen, bis die Münchner Autobauer ein Herzstück ihrer Entwicklung, die Gestaltung der grafischen Benutzeroberfläche der digitalen Anwendungen im Fahrzeug, an Apple outsourcen werden. Wetten?

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2 comments

  1. Zumindest für Smartfahrer (Smart gehört zu Mercedes) ist das schon Realität. Eine Ausweitung auf andere Hersteller erscheint nicht so ungewöhnlich.

    Quelle: Heise online (Februar 2010) / Apple AppStore (aktuell)
    http://www.heise.de/newsticker/meldung/Smart-bringt-Bordcomputer-als-App-aufs-iPhone-935678.html

  2. @NoName Das Herausbringen einer iPhone-App bei Smart hat aber wenig mit dem Statement aus dem FOCUS aus dem Juni 2007 zu tun („Mercedes wird seine Fahrzeuge nach FOCUS-Informationen voraussichtlich ab 2009 exklusiv mit Hightech aus den Entwicklungslaboren des einstigen Computerkonzerns ausrüsten.“). FOCUS hat doch damals den EIndruck erweckt, als würde Apple „exklusiv“ mit Mercedes gemeinsam ein System entwickeln, in der Unterhaltung, Kommunikation und Navigation in einer Einheit kombiniert wird. „Mercedes wird die neue Apple-Garnitur für sechs Monate exklusiv anbieten. Mit einer Markteinführung ist voraussichtlich 2009 zu rechnen.“ Das ist nicht eingetreten.

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