Apple: Wenn Du eine Religion kritisieren möchtest, schreibe ein Buch

Von | Apple

Wenn man in der Vergangenheit von Apple wissen wollte, warum eine iOS-App nicht in den iTunes App Store aufgenommen wurde, zeigten sich die Verantwortlichen in der Vergangenheit einsilbig.

Die mit Abstand meisten Apps, die wir zurückweisen

  • tun nicht das, was sie vorgeben zu tun
  • nutzen private Programmier-Schnittstellen (APIs)
  • oder stürzen ab

sagte Apple-Chef Steve Jobs auf der Entwickler-Konferenz WWDC im Juni 2010. Und sein Team wiederholte diese Aussage wie ein Mantra.

3 Gründe, warum eine App zurückgewiesen wird

3 Gründe, warum eine App zurückgewiesen wird

Vielleicht hat man auch in Cupertino inzwischen mitbekommen, dass sich unter den iOS-Entwicklern zunehmend Unmut aufgestaut hat. Zum einen mussten sie seit der letzten umfassenden Änderung der AGBs im vergangenen April auf Cross-Plattform-Entwicklungsumgebungen wie das Adobe Flash SDK oder .NET von Microsoft verzichten. Und selbst wenn sie sich bei der App-Entwicklung an die (technischen) Spielregeln gehalten hatte, konnten sie nicht immer sicher sein, dass ihre Anwendung dann auch letztlich im iTunes Store auftauchen wird.

Vor diesem Hintergrund kann man die Veröffentlichung der neuen App Review Guidelines bahnbrechend nennen. Apple zwingt die Entwickler nun nicht mehr dazu, allein das iOS-SDK von Apple zu verwenden, das nur auf einem Mac läuft. „Dies sollte den Entwicklern die gewünschte Flexibilität, die Sie wünschen“, erklärte Apple. Und es hält dem iPhone-Hersteller mit Sicherheit die Kartellbehörden vom Hals, die schon damit begonnen hatten, sich das Kleingedruckte der Apple-Guidelines anzuschauen. Die Aktie von Adobe machte am Donnerstag einen Sprung von acht Prozent, weil nun manche Investoren eine goldene Zukunft für das Flash-SDK sehen.

Mit den neuen Guidelines von Apple erhalten die Entwickler nun auch endlich einen umfassenden Einblick in das Zulassungssystem von iTunes. Hier kann man nun u.a. lesen:

  • Wir sehen einen Unterschied zwischen Apps und Büchern oder Songs, die wir nicht bewerten. Wenn Du eine Religion kritisieren möchtest, schreibe ein Buch
  • Wir haben über 25.000 Anwendungen im Apps Store. Wir brauen keine weiteren Furz-Apps. Wenn Deine App nicht etwas Nützliches macht oder irgendeine Form nachhaltiger Unterhaltung („lasting entertainment“) bietet, wird sie vielleicht nicht akzeptiert.
  • Wenn Deine App so aussiehts, als hättest Du sie in ein paar Stunden zusammengeschustert („cobbled together“) oder wenn Du Deine erste Übungs-App im Store unterbringen möchtest, um Deine Freunde zu beeindrucken, bereite Dich bitte auf eine Absage vor. Wir haben jede Menge ernsthafte Entwickler, die ihre Qualitäts-Apps nicht von Amateur-Stücken umgeben wissen wollen.
  • Wir werden Apps zurückweisen, wenn der Inhalt oder das Verhalten der App eine Linie überschreitet. „Welche Linie“, fragst Du? Nun, wie ein Richter am Supreme Court einmal gesagt hat: „Ich werde das wissen, wenn ich sie sehe.“ Und wir glauben, Du weißt auch, wenn Du diese Linie überschreitest.
  • Wenn Deine App zurückgewiesen wird, dann kannst Du Dich an ein Review Board wenden. Wenn Du zur Presse läufst und uns beschimpfst („trash us“), wird Dir das nicht helfen.

Danach folgt eine detaillierte Auflistung der möglichen Fallstricke aus den Bereichen Funktionalität, Metadaten (Beschreibung der App im Store), Ortsinformationen, Push-Mitteilungen, Game-Center, iAds, Warenzeichen, Multimedia-Inhalte, User-Interface, Kaufvorgang sowie Inhalte-Scraping und Aggregation. Außerdem darf die App natürlich nicht das Gerät beschädigen.

Beim Umgang mit Satire und „persönlichen Attacken“ ist Apple weiterhin ziemlich restriktiv, lockert aber für „professionelle politische Satiriker und Komiker“ die Bestimmungen, nachdem zuvor die Ablehnung einer App des Pulitzer Preis-Gewinners Mark Fiore für große Negativ-Schlagzeilen gesorgt hatte. Apple möchte auch keine Gewalt-Apps oder Anwendungen mit „zweifelhaftem Inhalt“, genauer gesagt „übermäßig anstößige oder rohe Inhalte“ bzw. „Apps, die hauptsächlich dazu bestimmt sind, zu stören oder bei den Usern Nutzer hervorzurufen“. Porno-Apps werden ebenfalls verbannt. Apple bezieht sich dabei auf die Definition des Begriffs „Pornografie“ im Webster’s Dictionary. Weiterhin möchten die Verantwortlichen in Cupertino keine Hass-Anwendungen, die gegen Religionen, Kulturen oder Rassen hetzen.

Bei Gawker werden die neuen Richtlinien polemisch als die neuen „Zehn Gebote des Steve Jobs“ zusammengefasst. Wired freut sich darüber, dass der Text etliche Fragen beantworte, ist aber auch der Meinung, dass die Guidelines noch einige Fragen offen lassen. macht Euch Eurer eigenes Bild. Hier kann man die kompletten Guidelines herunterladen:

Apple App Store Review Guidelines

One Response to " Apple: Wenn Du eine Religion kritisieren möchtest, schreibe ein Buch "

  1. Ploetzeneder sagt:

    Die Apple Richtlinien sind gerade auch für die Kunden toll. Wir entwickeln für das iPhone mittels Monotouch, einem Drittanbieter SDK, welches um einiges schneller geht als das normale SDK. Die Software kostet zwar knapp 4000€ (in der guten Version), aber das Geld ist gut investiert. Die Kunden bekommen bei uns (http://www.ploetzeneder-it.com) schneller Software. Das bedeutet günstigere Software. Und mehr Kunden für uns.

    Die Frage ist ob das mit dem Flash so gut ist,…bin mir da nicht so sicher, zwecks usability etc

    Grüsse,

    Plötzeneder Andreas BSc

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