Die Geheimnisse der Präsentationen von Steve Jobs

Von | Apple, Howto, Medien

Die Präsentationen des Apple-Mitbegründers waren legendär. In dieser Analyse werden die Zutaten einer gelungenen Steve-Jobs-Präsentation genannt.

1. Jedes Drama hat einen Helden – und einen Bösewicht

Der Gegenpol muss nicht immer ein Wettbewerber sein. Es kann sich auch um den Zustand der Branche handeln oder eine Problemstellung. Jedes Problem öffnet die Tür für eine Lösung.

Bei der Vorstellung des ersten Apple Macintosh Ende 1983 hieß der böse Gegenspieler IBM. Später nahm oft Microsoft diese Rolle ein.

2. Twitter-freundliche, knackige Überschriften

Steve Jobs betont keine technischen Details, sondern beschreibt seine Produkte so, wie er sie in der Presse vorgestellt wissen will. Das MacBook Air wurde von dem Apple-CEO nicht als ein Notebook mit einem 13,2-Zoll-Widescreen-Display angekündigt, sondern als das „dünnste Notebook der Welt“.

3. Verkaufe Träume, keine Produkte

Bei der Einführung des iPod sprach Steve Jobs nicht von einem neuen MP3-Player, sondern von der „Transformation der Musik“. Er erklärte, warum Apple die Musik liebt und wie man das Leben von Musikliebhabern verändern möchte.

4. Proben, proben, proben

Steve Jobs hat wichtige Präsentationen viele, viele Stunden über Wochen hinweg eingeübt und nichts dem Zufall überlassen.

5. Backup

Zur guten Vorbereitung einer Präsentation gehört ein Backup. Wenn ein Rechner ausfällt, steht ein zweiter sofort einsatzbereit zur Verfügung: Pannen, wie ich sie zum Beispiel bei Bill Gates auf der der CES 2005 gesehen habe, kamen bei Jobs quasi nicht vor oder wurden sofort durch bereitstehende Backup-Systeme aufgefangen.

Steve Jobs geht nie ohne Sicherheitsnetz in eine wichtige Präsentation

Steve Jobs geht nie ohne Sicherheitsnetz in eine wichtige Präsentation

Comic – The Joy of Tech comic – What is really behind a Steve Jobs keynote

6. Wenig Text

Viele Folien von Steve Jobs bestanden nur aus wenigen Worten. Wenn Jobs Spiegelstriche bzw. Bullet-Points verwendet hat, dann auch nur wenige. Die Punkte erschienen nacheinander, nicht alle auf einmal. In der Regel, versuchte Jobs die Bullet-Points zu vermeiden, die für quasi jede PowerPoint-Präsentation typisch sind, und verwendete statt dessen Grafiken:

Im Vergleich: Steve Jobs …

Steve Jobs vermeidet häufig den Einsatz von Bullet-Points

Steve Jobs vermeidet häufig den Einsatz von Bullet-Points

… und Bill Gates

Bill Gates ist ein Freund von Bullet-Points

Bill Gates ist ein Freund von Bullet-Points

Große Schrift, aussagekräftige Screenshots, schöne Bilder

Die Schrift auf den Folien von Steve Jobs war im Vergleich zu herkömmlichen Powerpoint-Präsentationen oft extrem groß (60 Punkt). Mit der Kombination von wenigen Worten und großer Schrift kam eine Präsentation von Jobs häufig auf über 100 Folien, die alle aber perfekt auf den Punkt erschienen.

Steve Jobs stellt hier im September 2007 eine neue iPod-Familie vor

Steve Jobs stellt hier im September 2007 eine neue iPod-Familie vor

Zen

So ….

Steve Jobs - Der Zen-Master

Steve Jobs – Der Zen-Master

Und nicht so …

bill-gates-praesentiert

Ähnlich sah auch die Präsentation von Steve Ballmer zu Windows 7 aus

hnlich sah auch die Präsentation von Steve Ballmer zu Windows 7 aus

Quellen:

How to Change the World: Lessons from Steve’s Keynote

Presentation Zen: Gates, Jobs, & the Zen aesthetic

15 Responses to " Die Geheimnisse der Präsentationen von Steve Jobs "

  1. Kai Thrun sagt:

    Schön zusammen gefasst, auch wenn ich als Nicht-Macianer nicht immer dem Hype folgen kann.
    Das der Gates auf seinen angesprochenen Präsentationen so ziemlich alles falsch macht, was man so falsch machen kann, sieht man ganz gut. Das lernt man aber glaube ich auch in der 2. Stunden im „richtig Präsentieren“ Seminar.
    Wie auch immer, es gab mal einen interessantes Kapitel über Story Telling im Bezug auf das iPhone. Leider kriege ich es nicht mehr ganz zusammen, aber es handelte darüber, dass es Apple schaffte, vor dem Release bereits einen Mythos um das Produkt zu entwickeln. Naja im Prinzip, ich sage mal „der Rest ist Geschichte“.

    Die Frage, die ich mir allerdings immer wieder stelle ist: Wer oder was kommt nach Steve Jobs?

    Beste Grüße
    Kai

  2. Christoph sagt:

    @Kai Du meinst wahrscheinlich diese Geschichte von Wired: The Untold Story: How the iPhone Blew Up the Wireless Industry

  3. pell sagt:

    Hm, ein paar Sachen mag ich gerne zustimmen, anderen wiederum nicht. (http://www.youtube.com/watch?v=KsKKQNZG3rE) Apple war als Unternehmen seit der Enstehung auf minimalistische Produkte spezialisiert. Daher erklären sie sich in der Vermarkterrolle auch lieber mit kurzen Überschriften und wenig Text, mag man nun „cool“ nennen und das ist sicherlich salonfähig, aber dafür braucht man das richtige Profil. Nicht jedes Unternehmen kann auf diesem Zug aufspringen. Vor allem aber braucht es eine Ikonfigur an der Front und da ist Steve Jobs passend. Die Keynotes werden wegen ihm gesehen und vermutlich könnte er vielen Quatsch erzählen und die Leute würden es immer noch glauben. „Safari ist der beste Webbrowser“ beispielsweise.

    Bill Gates ist in meinen Augen auch eine solche Figur. Auch er begeistert Menschen, wenn auch nicht mit den Mitteln eines Jobs. Die Präsentationen mit Gates sind nicht „zen“, viel mehr spiegeln sie die liebliche Sympathie wieder, die Gates gegenüber Software, Technologien und seinem Lebenstraum des Personal Computers hegt. Wörter wie „technology“, „device“ und „software“ machen das Vokabular seiner Auftritte aus, zeigen aber wie sehr er noch die Person ist, die er war, als Microsoft noch mit einem Bindestrich geschrieben wurde. Ich glaube, dass diese Authentizität, zu sein, wer man ist, besser ist, als der Versuch, etwas anderes zu verkörpern.

    Die beiden teilen als Ausgangsfiguren der Computerindustrie eine lange Geschichte, einen wackeren Start und durften hin und wieder stürmische Tage erleiden. Apple vielleicht etwas mehr, dafür tätowiert sich niemand das Microsoft-Logo auf die Brust. Im bekannten Interview für D/All Things Digital sieht man beiden auch an, wie sehr sie sich in gewissen Punkten in nichts nach stehen.

  4. […] Die Geheimnisse der Präsentationen von Steve Jobs Steve Jobs gilt nicht umsonst als Großmeister pseudoreligiös inszenierter Produktpräsentationen. Christoph Dernbach hat sich auf seinem Blog Mr. Gadget mal mit der Methodik auseinandergesetzt. (tags: Präsentation Business) weiterreichen: […]

  5. Christoph sagt:

    @pell Interessanter Kommentar. Für diejenigen, die den gemeinsamen Auftritt von Bill Gates und Steve Jobs auf der WSJ-Konferenz All Things D aus dem Jahr 2007 nicht kennen, anbei der Link:

    http://d5.allthingsd.com/20070530/steve-jobs-and-bill-gates-together-part-1-of-7/

    Der YouTube-Film mit den „Apple Keynote Bloopers“ ist eher ein Beweis für die These, dass Steve Jobs seine Keynotes extrem unter Kontrolle hat. Wenn man neue Produkte, egal ob Software oder Hardware, vorführt, kann es immer man an der ein oder anderen Stelle haken. Der einzig wirklich ratlose Mensch in diesem Video ist der Sony-Chef, der damals bei seinem Auftritt völlig den roten Faden verloren und quasi einen Blackout hatte. Ich saß damals mit im Publikum und hatte echt Mitleid mit ihm.

  6. pell sagt:

    @christoph Stimmt, Jobs wirkt eigentlich recht sympathisch bei den Patzern. Eine unbefangene Offenheit zu Fehlern hat auch einen sehr viel humaneren Effekt als grobe Perfektion.

    Nun bin ich etwas neidisch. Jobs live zu sehen, kommt ja fast einem Beatles-Konzert gleich. War es denn gut? =D

  7. Christoph sagt:

    @pell Die Beatles habe ich leider verpasst. Als die auseinander gingen, war ich erst zehn Jahre alt. Aber als Technologie-Korrespondent der dpa hatte ich mehrfach die Pflicht (und das große Vergnügen), bei einer Keynote von Steve Jobs live in San Francisco oder in Cupertino dabei zu sein. Das ist wirklich ein Erlebnis. Ich habe auch schon mehrfach Bill Gates, Steve Ballmer oder andere Hightech-Größen live gesehen, aber ich finde, dass Jobs in einer eigenen Liga spielt. Carly Fiorina, damals Chefin von HP, kam auch sehr überzeuegnd rüber. Und die beiden Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin haben mich bei ihrem Auftritt auf der CES in Las Vegas auch in den Bann gezogen – aber eher in der kleinen Diskussionsrunde nach der Keynote als bei dem öffentlichen Vortrag selbst. Leider macht Steve Jobs so etwas nach seinen Keynotes nicht. Nur auf einer Apple Expo in Paris hat er sich mal den Fragen von Journalisten gestellt.

    Was bei den Apple-Keynotes nervt, ist das ganze Theater im Vorfeld. Normalsterbliche müssen sich stundenlang vor dem Event auf dem Bürgersteig vor dem Eventcenter anstellen und sich die Beine in den Bauch stehen. Und selbst in der priviligierten Press-Lane muss man noch ziemlich lange auf den eigentlichen Auftritt warten. Das war aber zuletzt bei den großen Ansprachen von Bill Gates auf der CES in Las Vegas genau so.

    Bill Gates hat meiner Ansicht nach seine beste Keynote im Februar 2009 auf der TED-Konferenz gehalten, als er nicht für Microsoft aufgetreten ist, sondern im Namen seiner Stiftung. Leider war ich bei diesem Event nicht dabei, man kann sich den Auftritt aber auf Video anschauen.

  8. shan_dark sagt:

    Super zusammengestellt. Und ein bisschen bissig, aber sehr wahr. Danke für den Beitrag.

  9. Hallo Herr Kollege,
    Sie sind mit diesem Blogpost auf Platz 2 meiner meisten RTs gekommen:
    Siehe dazu auch mein YouTube-Video-Blog: http://ow.ly/sAXL
    Glückwunsch!

  10. Christoph sagt:

    @Richard Gutjahr Das freut mich. Ich habe das hier auch an den hohen Zugriffszahlen gespürt. Danke für’s RT

  11. […] haben wir doch soeben bei Steve Jobs gelernt, was eine wirklich gute Präsentation tut:  Träume, nicht Produkte verkaufen! Und können gleich erfahren, dass das auch für Anzeigen […]

  12. tba sagt:

    auch geil ist lawrence lessig. der benutzt zwar wenig graphiken, scheint aber seine präsentation auf die sekunde genau mit stichworten geplant zu haben, wie man z.b. hier sehen kann:

  13. […] Bin dabei auch auf diesen intressanten Beitrag gestoßen, was die Präsentationen von Steve Jobs so gut macht. Die Geheimnisse der Präsentationen von Steve Jobs […]

  14. Nangpa sagt:

    Ein Purist hat’s nicht leicht…
    Jobs war unter coolen Leuten immer cool, für die logischen Komplikatoren fehlte ihm schon auch mal etwas die Ruhe, nicht nur die Geduld.
    R.I.P., Steve. 😉

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