Kategorie-Archiv: Nokia

Analyse der Kooperation Nokia – Microsoft – “Der Sprung ins kalte Wasser”

Stephen Elop und Steve Ballmer

Stephen Elop und Steve Ballmer

Unter Olli-Pekka Kallasvuo gab sich Nokia als der Weltstar unter den Mobiltelefon-Herstellern. Die Zeiten haben sich geändert. Seit dem 21. September 2010 regiert nun der Kanadier Stephen Elop den finnischen Konzern – und er baut Nokia schneller um, als viele gedacht hatten. Nachdem er Anfang der Woche den Zustand seines Unternehmens mit einem Mann auf einer brennenden Ölplattform verglich, schubste er heute seine Leute – aber auch die Millionen Nokia-Kunden – ins kalte Wasser. Als Rettungsboot stand Microsoft mit Steve Ballmer am Steuer bereit. Windows Phone wird die künftig bestimmende Plattform für die Smartphones von Nokia. Damit ist Symbian tot, auch wenn sich die Bestattung in Finnland noch etliche Monate hinziehen wird. Schließlich müssen die Nokia-Ingenieure die kommende Generation ihrer Smartphones noch auf das Microsoft-Betriebssystem anpassen.

Hier noch mal ein Blick zurück. OPK bei Walt Mossberg auf der D7 (2009):

Wenn man gemein wäre, könnte man sagen, nun tun sich zwei Verlierer zusammen. Nokia verliert in einem rasenden Tempo Marktanteile an Apple und vor allem Google. Auch nach dem Rauswurf von Olli-Pekka Kallasvuo setzte sich der Niedergang fort. Und Microsoft ist mit Windows Phone 7 noch meilenweit von seinem Ziel entfernt, im Smartphone-Markt wieder eine wichtige Rolle zu spielen. Selbst vom veralteten Windows Mobile werden mehr Smartphones verkauft. Und aus der Biologie wissen wir, dass man mit der Kreuzung von zwei Mulis kein Rennpferd züchten kann.

Aber ist die Ausganglage für Microsoft und Nokia wirklich so schwierig? Was können die Nokia-Kunden künftig konkret erwarten? Auf den Smartphones wird künftig die Nachfolgeversion von Windows Phone 7 zu finden sein. Außerdem preist Steve Ballmer weitere Features an:

Okay, haben die Nokia-Kunden tatsächlich auf Bing, Office und XBox Live gewartet? Ich glaube nicht. Aber immerhin ist die Oberfläche des Windows-Systems viel stimmiger als Symbian. In Kombination mit weiteren guten Apps für Windows Phone kann ein Nokia-Smartphone wieder Spaß machen.

Aber auch Microsoft kann von dem Deal profitieren: Nokia könnte bei Aufbau einer Entwickler-Community helfen. Die Truppe von Steve Ballmer hat bislang nämlich bislang erst zwei Millionen Geräte mit WP7 in den Handel gebracht. Da ist noch viel Luft nach oben. Mit Millionen von Nokia-Kunden könnte das Busniess auch für die Developer von WP-Apps mehr Spaß machen.

Der Deal zwischen Microsoft und Nokia ist nicht exklusiv aber “unique”, also einzigartig, was immer Steve Ballmer damit meint. Tatsächlich hat Nokia einige Assets, die nicht vernachlässigt werden dürfen. Eine exzellente Hardware, viel Know-how mit den Besonderheiten der Provider rund um den Globus und die NAVTEQ-Karten. Ob von dem ganzen Ovi-Programm außer den Maps überhaupt was überleben wird, wage ich zu bezweifeln.

Während der Präsentation in London spulten Elop und Ballmer zunächst ihr Programm herunter und nahmen den Mund ganz schön voll. Der Kampf um den Smartphone-Markt werde ein “Three-Horse-Race”, also Apple, Google und Microkia. RIM und HP/WebOS erwähnten die Herren schon gar nicht mehr, als spielten die Blackberrys und HP keine Rolle mehr.

Nach der offiziellen Vorstellung gingen Elop und Ballmer immerhin in einer Frage-Antwort Session auf einige Details der neuen Kooperation ein.

  • Es gibt noch keinen Zeitpunkt für den launch des ersten Windows Phones von Nokia. Aber die Ingenieure beider Firmen haben laut Ballmer schon eine gewisse Zeit miteinander verbracht.
  • Elop beschwichtigt eine Reporterin aus Finnland: Nokia wird nicht nach Sillicon Valley oder Hawai hinziehen, sondern eine finnische Firma bleiben. Es wird aber Entlassungen geben – und das auch in Finnland.
  • Ballmer bekräftigt, dass die Zusammenarbeit von Nokia und Microsoft nicht exklusiv ist. Die Dinge, die sie zusammen unternehnen, seinen aber zumindest “einzigartig” sind. Nokia bekommt auch Zugriff auf Modifikationen der Oberfläche von Windows Phone.
  • Elop betont, Nokia sei nicht in der Lage gewesen, ein eigenes Ökosystem mit MeeGo schnell genug zu entwickeln.
  • Nokia hat mit Google gesprochen und erwogen, Symbian durch Android zu ersetzen. Mit Android hätte es aber zu wenige Merkmale gegeben, um sich von den Wettbewerbern abzusetzen. Außerdem sei bei im Android-Markt der Preisdruck deutlich höher.
  • Das Nokia N9 mit MeeGo wird dieses Jahr noch ausgeliefert, aber nicht als Smartphone-Strategie, sondern um zu lernen. Diese Aussage von Elop wird die Kunden besonders freuen. Für ihre Rolle als Versuchskanninchen sollen sie auch noch viel Geld bezahlen. Ziemlich absurd.
  • Nokia hält sich für einen Tablet-Computer weiterhin alle Optionen offen. Es kommt eine Eigenentwicklung infrage, aber auch ein Microsoft-System.

Die Q&A im Video:

Interessant sind auch diese Tweets von Google-Manager Vic Gundotra, der für Android verantwortlich ist,

#feb11 "Two turkeys do not make an Eagle".
@vicgundotra
vicgundotra

und Nokia-CEO Stepen Elop

@cheureux Or this: Two bicycle makers, from Dayton Ohio, one day decided to fly. #NokMsft #feb11
@selop
Stephen Elop

Elop hatte auf den User @cheureux geantwortet, der den tweet von Gundotora aufgegriffen hatte.

two turkeys don't make an eagle, but at least the consumer will have more choice for the menu , as #nokia goes windows
@cheureux
cheureux

Irgendwie kommt mir der neue Ovi-Store von Nokia bekannt vor …

Zwillinge (seit Geburt getrennt): iPhone App Store (links) und Nokia Ovi (rechts)

Zwillinge (seit Geburt getrennt): iPhone App Store (links) und Nokia Ovi (rechts)

So sieht die heute auf dem Mobile World Congress in Barcelona vorgestellte neue Ovi-Plattform von Nokia im Vergleich zum App-Store auf dem iPhone aus. Wie sagte Steve Jobs in Anlehnung an Picasso: “Good artists copy. Great artists steal.”

Nun, ein paar Nokia-Modelle hat T-Mobile doch noch im Programm

T-Mobile hat nach Informationen der WirtschaftsWoche Internet-Handys von Nokia aus dem Sortiment gestrichen. Hamid Akhavan, Chef der Telekom-Tochter, macht damit seine Drohung wahr, die er bereits auf der Mobile Communications World in Barcelona ausgesprochen hat. Ganz verzichten mag T-Mobile aber nicht auf die Bestseller aus Finnland (Aktueller Vergleich der Nokia-Angebote in den Online-Shops von T-Mobile und Vodafone):



Nokia 3109 classic Nokia 2610
Nokia 3110 classic Nokia 2630
Nokia 5310 XpressMusik Nokia 3109 classic
Nokia 6120 classic web’n'walk Ed. Nokia 5310 XpressMusic
Nokia 6131 Nokia 5610 XpressMusic
Nokia 6300 Nokia 6120 classic
Nokia 6500 classic Nokia 6131
Nokia 6500 slide Nokia 6233
Nokia 8600 Luna Nokia 6234
Nokia E65 Nokia 6300
Nokia N73 Nokia 6500 classic
Nokia N95 Nokia 6500 slide
Nokia 7500 Prism
Nokia 7500 Prism White
Nokia 7900 Prism Blac
Nokia 7900 Prism Gold
Nokia 8800 Arte
Nokia 9300i
Nokia E50
Nokia E61i
Nokia E65
Nokia E90 Communicator
Nokia N73 Black
Nokia N95
Nokia N95 8GB

Mobilfunk: T-Mobile streicht zahlreiche Nokia-Handys aus dem Programm – WirtschaftsWoche