Kategorie-Archiv: Personal Tech

Das Social-Web-Desaster von Neofonie

Helmut Hoffer von Ankershoffen
Helmut Hoffer von Ankershoffen

Eigenlob stinkt. Insbesondere dann, wenn man so tut, als käme das Lob von einem Außenstehenden. Diese Lektion hat Neofonie-Chef Helmut Hoffer von Ankershoffen nun auf die harte Tour gelernt. Doch hinter der von Richard Gutjahr aufgedeckten “WeDepp”-Affäre steht mehr als der peinliche Versuch, einen halb fertigen Tablet-Computer in gefakten Amazon-Kommentaren schönzureden. Der (zeitweise?) Rückzug des so auf Publicity bedachten von Ankershoffen von seiner Zusatz-Position als Geschäftsführer der WeTab GmbH ist letztlich der Höhepunkt einer äußerst fragwürdigen Social-Web-Strategie des Berliner Softwarehauses.

Von Anfang an setzten Neofonie und von Ankershoffen auf Facebook, um hinter der fixen Idee eines Tablet-Computers “Designed in Germany” eine Gemeinde zu versammeln. In dem Online-Netzwerk wurden immer wieder kleine Info-Häppchen gestreut, um die wachsende Schar der Follower bei Laune zu halten. Dabei haben die Neofonie-Leute allerdings übersehen, dass man mit den Social-Web-Usern nur schwer einen Deal machen kann. 

Andere Unternehmen gestehen vor einem kleinen Kreis von Fach-Journalisten schon hin und wieder ein, dass ein angekündigtes Produkt nicht rechtzeitig fertig wird oder in einer Version 1.0 noch die ein oder andere Macke hat, die aber in absehbarer Zeit beseitigt wird. Doch bei Neofonie standen die Experten etablierter Medien nur in der zweiten Reihe. Stattdessen hoffte von Ankershoffen auf die Dynamik von Facebook. Doch die Gemeinde reagierte nicht solidarisch und konstruktiv-kritisch, sondern mit Häme, als bei der ersten Demonstration des damals noch “WePad” genannten Tablet-Computers aufflog, dass auf dem Gerät nur eine Demo-Schleife unter Windows lief (statt des nach außen hin kommunizierten Android-Systems).

WeTab
WeTab

Dann hatte Neofonie massive Probleme, den selbst gesteckten Zeitplan einzuhalten. Immer wieder musste der angekündigte Verkaufsstart des “iPad-Killers” verschoben werden. Spät, viel zu spät fiel die Entscheidung, das “WeTab” mit dem von Nokia und Intel entwickelten Betriebssystem MeeGo auszustatten. Den Verantwortlichen bei Neofonie und der 4tiitoo AG musste klar gewesen sein, dass sie eine sehr grüne Banane an die Kunden ausliefern werden.

Erst mit eilig zusammengestrickten Software-Updates wurden die gravierendsten Mängel beseitigt. Andere Unzulänglichkeiten können die WeTab-Macher nicht mit Programm-Aktualisierungen beheben: die kurze Akku-Laufzeit, den lärmenden Lüfter, das (im Vergleich zum iPad) deutlich schlechtere Display, die scharfen Kanten an der Seite der offenen USB-Anschlüsse…

Mit den gefälschten Käufer-Kommentaren auf der Amazon-Website hat von Ankershoffen nun endgültig seine Glaubwürdigkeit demontiert. Peter Glaser, renommierter Blogger, Journalist und Mitglied des Chaos Computer Clubs, überlegt zur Zeit, ob er den Missbrauch seines Namens durch von Ankershoffen juristisch verfolgen will. Doch es geht nicht nur um die Fälschung des Namens in dem Amazon-Kommentars. Mit seiner Erklärung, nachdem er von Gutjahr erwischt wurde, reitet sich von Ankershoffen immer Tier rein. “Ich wollte damit meiner Freude über den Marktstart und meiner Überzeugung, dass das WeTab ein tolles Gerät ist, Ausdruck verleihen”, erklärte der Neofonie-Chef. Es sei ein Fehler gewesen, dies nicht unter dem eigenen Namen zu tun.

Diese Erklärung zeigt, dass von Ankershoffen immer noch nicht verstanden, worum es wirklich geht. Einen Kommentar unter einem Fake-Namen ist das eine – ein Produkt mit erheblichen Mängeln wider besseres Wissen in den Himmel zu loben, das andere. “Das WeTab ist nicht gut sondern sehr gut.” Aua. “Insgesamt macht das WeTab einen sehr sehr guten Eindruck.” Autsch. “Den Lüfter hör ich überhaupt nicht, springt nur ganz selten an, prima.” Das tut wirklich weh.

Der “WeDepp”-Fake wird hoffentlich dazu führen, dass User den Kommentaren in Shopping-Portalen wie Amazon oder iTunes und Diensten wie Qype künftig etwas misstrauischer gegenüber stehen. Wer hat den lobenden Kommentar geschrieben? Der Anbieter selbst? Von wem stammt der Verriss? Etwas von einem Konkurrenten des Anbieters?

Ich empfehle vor der Entscheidung, 500 Euro für einen Tablet-Computer auszugeben, die Lektüre von ehrlich gemeinten, unabhängigen Testberichten. So wie bei Heise, Golem oder den von meinem Kollegen Peter Zschunke verfassten Test des WeTab.

Update (8.10.2010): Inzwischen hat Helmut Hoffer von Ankershoffen auch sein Amt als Geschäftsführer von Neofonie niedergelegt. Das wird auch damit zu tun haben, dass das große Neofonie-Projekt mit dem Stern gescheitert ist. Gruner + Jahr wollte eigentlich auf der Neofonie-Plattform WeMagazine den Starn auf das WeTab bringen. Angeblich sollen schon eine Million Euro ausgegeben worden sein, bevor man am Hamburger Baumwall die Reißleine zog und das Scheitern des Neofonie-Projektes einräumte.

heise online

Steve Ballmer und Microsoft haben den Tablet-Computer noch nicht verstanden

Microsoft-Chef Steve Ballmer hat offenbar Mühe, die richtige Formel für den (bislang fehlenden) Erfolg eines Tablet-Computers mit Microsoft-Technologie (und für den Erfolg des Apple iPad) zu finden. Vor Finanz-Analysten verwies Ballmer darauf, dass Microsoft eigentlich alle Know-how-Komponenten beisammen habe, die nur richtig zusammengefügt werden müssten.

Okay, we have a lot of IP, we have a lot of good software in this area, we’ve done a lot of work on ink and touch and everything else — we have got to make things happen. Just like we had to make things happen on netbooks, we’ve got to make things happen with Windows 7 on slates. And we are in the process of doing that as we speak. We’re working with our hardware partners, we’re tuning Windows 7 to new slate hardware designs that they’re bringing them to market.

Ballmer setzt dabei auch auf die Hilfe des Microsoft-Partners Intel: Der Chipgigant könne mit seiner neuen Plattform Oak Trail den Markt voranbringen, die voraussichtlich kommendes Jahr erhältlich ist. Dabei handelt es sich um eine Spezialversion der x86-Smartphone-Plattform Moorestown (mit Atom Z600) für Tablets. Ballmer verwies auf den niedrigeren Stromverbrauch von Oak Trail, der zu längeren Akkulaufzeiten und geringerem Gewicht führe, aber auch weniger Lärm verursache und eine Belüftung überflüssig mache.

Apple habe mit dem iPad eine interessante Arbeit abgeliefert und mehr von den Geräten verkauft, als ihm lieb sei, sagte Ballmer.

Eine fundierte Analyse der Ballmer-Rede findet man bei Ars Technica. Peter Bright verweist darauf, dass es wenig bringe, Windows 7 auf das Tablet zu portieren, weil das System durch und durch nach einem pixelgenauen Eingabeinstrument, also einer Maus oder einem Trackpad, verlangt. “Windows is not designed for fingers.”

Das war quasi mein iPod, damals

Ich räume gerade unsere Wohnung in Hamburg auf, um den Familienumzug nach Berlin vorzubereiten. Und eine tolle Wohnung in Berlin haben wir auch schon längst gefunden. Beim aufräumen ist mir auch dieser Kassettenkasten in die Hand gefallen, mit dem ich als Jugendlicher meine Musik durch die Gegend geschleppt habe. 500 Songs in a box – mit Türgriffen von Ikea

Mein Kassettenkasten
Mein Kassettenkasten

BlackBerry OS 6.0 – RIM spendiert seinen Smartphone runderneuerte Software

Auf diese Meldung haben die BlackBerry-Anwender lange warten müssen. Research in Motion (RIM) spendiert seinen Smartphones endlich eine runderneuerte Software und verspricht, das App-Angebot für BlackBerrys zu pushen. Das neue BlackBerry OS 6.0 enthält künftig einen Browser auf der Basis von WebKit, das auch beim Safari-Browser auf dem iPhone eingesetzt wird. Außerdem will RIM die Steuerung der Touchdisplays komplett neu gestalten. Und auch die Media-Software auf dem BlackBerry soll überarbeitet werden.

BlackBerry OS 6.0 screenshots, details! « Boy Genius Report:

BlackBerry OS 6.0 - Neuer Browser mit Tabs
BlackBerry OS 6.0 - Neuer Browser mit Tabs
Blackberry OS 6 - Startscreen und Mediaplayer
Blackberry OS 6 - Startscreen und Mediaplayer

CeBIT vor zehn Jahren: Der iPad-Vorläufer und die Fernbedienung für die Waschmaschine

Am kommenden Montag geht es wieder nach Hannover zur CeBIT. Und wie in den vergangenen Jahren habe ich in unser dpa-Archiv geschaut, welche Highlights und Skurrilitäten die CeBIT 2000 geboten hat.

CeBIT vor zehn Jahren: Der iPad-Vorläufer und die Fernbedienung für die Waschmaschine

Mit dem Bildschirm-Computer «iPad» will der kalifornische Elektronikkonzern Apple in den kommenden Monaten eine ganz neue Gerätekategorie am Markt durchsetzen. Doch die Idee eines «Tablet Computers» ohne eine Hardware-Tastatur ist nicht wirklich neu: Vor zehn Jahren auf der Computermesse CeBIT 2000 präsentierte das Hannoveraner Unternehmen Höft & Wessel ein «Webpanel», das dem Konzept des iPad sehr nahe kam. Mit dem «skeye.pad» sollten man über eine Mobilfunkverbindung oder den Funkstandard DECT drahtlos im Internet surfen können.

skeye.pad
Das skeye.pad von Höft & Wessel auf der CeBIT 2000

Das «Webpanel» aus Hannover erhielt zwar damals den einen Best-of-CeBIT-Preis der Fachzeitschrift «Chip». In Serie für den Massenmarkt wurde das Gerät allerdings nie gebaut. Die Entwickler bei Höft & Wessel bauten aus dem Prototypen später verschiedene robuste mobile Spezialgeräte, die heute etwa bei den «Gelben Engeln» des ADAC im Einsatz sind oder Speditionen bei der logistischen Steuerung ihrer Lastwagen helfen. Auch die Bildschirme der Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn gehen letztlich auf die «Webpanel»-Entwicklung in Hannover zurück.

Wegen der damals bevorstehenden Weltausstellung Expo 2000 fand die CeBIT vor zehn Jahren nicht zum traditionellen März-Termin statt, sondern schon im Februar. Die Branche hatte gerade erfolgreich das Jahr-2000-Problem gemeistert und platzte fast vor Zuversicht. Das befürchtete Chaos zum kritischen Datumswechsel war ausgeblieben. Industrie und Handel blickten voller Optimismus nach vorne. Dies schlug sich dann auch in der Messebilanz nieder: Mehr als 750 000 Besucher kamen trotz des miesen Wetters zur CeBIT 2000. Viele der 7 800 Aussteller reisten damals mit vollen Auftragsbüchern und besten Umsatzprognosen aus Hannover ab.

Der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) versprach zur Eröffnung der High-Tech-Schau, nach dem Vorbild der USA eine Art «Green Card» einzuführen. Damit sollten Programmierer, Datenbankspezialisten und andere Computer-Experten aus Staaten außerhalb der Europäischen Union eine befristete Arbeitserlaubnis in Deutschland bekommen. Über das «Sofortprogramm zur Deckung des IT-Fachkräftebedarfs» kamen die folgenden Jahre 20 000 IT-Fachleute nach Deutschland. Die Regelung lief Ende 2004 aus und wurde durch ein neues Zuwanderungsgesetz ersetzt, mit dem weiterhin IT-Spezialisten bei dem Aufenthaltsrecht gegenüber anderen Arbeitsmigranten aus dem außereuropäischen Ausland bevorzugt werden.

Bundeskanzler Schröder auf der CeBIT 2000
Bundeskanzler Gerhard Schröder bei seinem Eröffnungsrundgang auf der Computermesse CeBIT mit einem Uhrenhandy von Motorola

Schröder hatte damals die wirtschaftliche Bedeutung des Fachkräftemangels erkannt. Im Gegensatz zu seiner Nachfolgerin im Bundeskanzleramt hatte Schröder privat so seine Mühen mit der Kommunikationstechnologie. Auf der CeBIT 2000 ließ sich der Kanzler vom damaligen AOL-Europachef Andreas Schmidt zeigen, wie man mit dem Handy eine Kurznachricht verschickt. «Der Kanzler ist hier! Er bekommt gerade SMS erklärt, aber das kennt der doch sowieso nicht», sagte ein Beobachter der Szene damals.

Der Onlinedienst AOL lieferte sich auf der CeBIT 2000 mit der Deutschen Telekom ein Wettrennen, die deutschen Schulen ins Internet zu bringen. Zehn Jahre später hat sich AOL nach einer Serie von Misserfolgen vom deutschen Markt zurückgezogen.

Damals sah aber auch für AOL die Zukunft noch rosig aus. Ein Jahr vor dem Platzen der großen Internet-Blase wurden auf der CeBIT 2000 noch Technologien als visionär angepriesen, die heute eher belächelt werden. So konnte man in den Messehallen einen «Computer zum Anziehen» bestaunen, bei dem Kleinst-Rechner und Batterien kaum sichtbar in den Taschen einer dicken, silbern schimmernden Weste steckten. Dieses Gerät sollte als mobiler Übersetzer für Stadtführungen eingesetzt werden.

Seltsame Fantasien regte auch die Funktechnologie Bluetooth an, die heute vor allem für drahtlose Kopfhörer genutzt wird. Jörg Gleisner vom Telekommunikations-Unternehmen Ericsson pries damals die Vorzüge der Datenfunktechnik so an: «Sie können mit dem Handy aus der Küche die Lautstärke beim Fernseher regulieren oder vom Arbeitszimmer die Waschmaschine einschalten.» Das Mobiltelefon als Fernsteuerung für die Feinwäsche hat sich dann aber auf dem Markt nicht wirklich durchgesetzt.