Kategorie-Archiv: Tech History

Audrey, IBM Shoebox, ViaVoice, Dragon, Siri: Die Geschichte der automatischen Spracherkennung

IBM Shoebox (1962)
IBM Shoebox (1962)

1962 präsentierte IBM ein Spracherkennungssystem, das nur 16 Worte verstehen konnte. Heutige Sprachautomaten wandeln Diktate in Text um oder bedienen Handys und Navigationssysteme. Rechner, die menschliche Sprache ganz ohne Probleme verstehen, sind aber noch nicht in Sicht.

Der Wortschatz des ersten Spracherkennungssystems war noch sehr begrenzt: Die «Shoebox» des Computerkonzerns IBM erkannte gerade einmal 16 Worte: Es waren die Zahlen von null bis neun und außerdem die mathematischen Anweisungen «minus», «plus», «subtotal», «total», «false» und «of».

Vor fünfzig Jahren (21. April 1962) wurde der IBM-Rechner in der Größe einer Schuhschachtel auf der Weltausstellung in Seattle der breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Im Schatten der futuristischen Space Needle sah das staunende Publikum, wie die Maschine die gesprochene Rechenaufgabe «Fünf plus drei plus acht plus sieben plus vier minus neun, zusammen» auf Englisch verstehen und die korrekte Antwort «17» ausspucken konnte. Zu diesem Zeitpunkt war IBM noch fast 20 Jahre von der Entwicklung des ersten Personal Computers entfernt.
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Wie mit dem MITS Altair 8800 die PC-Revolution begann

Altair 8800 im Computer History Museum in Mountain View
Altair 8800 im Computer History Museum in Mountain View

Die Ausgabe der Elektronik-Zeitschrift “Popular Electronics” aus dem Januar 1975 hat einen festen Platz in der Computer-Geschichte. In diesem Heft wurde der Altair 8800 als Computer-Bausatz vorgestellt. Für 397 Dollar konnten Freaks sich nun einen eigenen Computer zulegen, obwohl man mit der Maschine nicht viel anstellen konnte als LEDs zum Blinken zu bringen. Zu den Lesern, die damals die Anleitung zum Selbstbau-Computer in der “Popular Electronics” begeistert verschlangen, gehörte der junge Bill Gates.

Cover Popular Electronics January 1975
Die Ausgabe der “Popular Electronics” vom Januar 1975

Das “unglaubliche Abenteuer” des Bill Gates begann an dem Tag, als sein Kumpel Paul Allen sich die Januar-Nummer der Popular Electronics kaufte. “Erregt lasen wir von dem ersten echten Personal Computer, und obwohl wir noch keine genaue Vorstellung davon hatten, wozu er zu gebrauchen wäre, war uns doch schon bald klar, dass er uns und die Welt des Computings verändern würde”, schrieb Bill Gates 20 Jahre später in seinem ersten Buch “The Road Ahead” (Der Weg nach vorn). “Wir sollten recht behalten. Die Revolution ist eingetreten, und sie hat das leben von Millionen Menschen verändert. Wohin sie uns geführt hat, konnten wir uns damals kaum vorstellen.”

Nimmt man es genau, war der Altair 8800 der Firma MITS (Micro Instrumentation Telemetry Systems) gar nicht der erste Personal Computer. Bereits im Januar 1973 brachte die französische Firma R2E (Réalisation et Etudes Electroniques) den ersten Rechner auf den Markt, in dem ein Mikroprozessor steckte. Der Micral-N genannte Rechner wurde nicht als Bausatz ausgeliefert, sondern komplett montiert und gilt unter Computerhistorikern als die Maschine, die den Begriff Microcomputer prägte. In den USA wurde der Micral-N allerdings nie bekannt.
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Telefon

Skizze aus dem Notizbuch von Alexander Graham Bell
Skizze aus dem Notizbuch von Alexander Graham Bell

Alexander Graham Bell hat nicht das Telefon erfunden, aber er war “der erste Mensch, der aus der Erfindung des Telefons Kapital geschlagen hat, indem er Ideen seiner Vorgänger zur Marktreife weiterentwickelte”, wie im Artikel der deutschsprachigen Wikipedia so schön treffend heißt. Library of Congress hat nun digitale Kopien der Notizbücher von Bell veröffentlicht. Und Alexis Madrigal von “The Atlantic” hat daraus die interessantesten Skizzen zusammengestellt.

15 Jahre Windows 95 – Wie Microsoft die Software-Geschichte umschreibt

Heute vor 15 Jahren, am 24. August 1995, brachte Microsoft sein Betriebssystem Windows 95 auf den Markt. Das System war ein Meilenstein in der Geschichte der Personal Computer. Deshalb weist auch die Microsoft-Pressestelle heute in einer Mitteilung auf dieses Jubiläum hin. Allerdings unternehmen die Mitarbeiter des Softwarekonzern dabei nicht weniger als den Versuch, die Geschichte der Software-Entwicklung umzuschreiben:

Nach heutigen Maßstäben mag die 95er-Variante von Windows spartanisch anmuten – damals aber revolutionierte sie die Nutzung von PCs. So war es 1995 ein absolutes Novum, dass Anwender erstmals Daten auf einer Desktop-Oberfläche ablegen oder in einen virtuellen Papierkorb verschieben konnten. Windows 95 war zudem das erste 32-Bit-Betriebssystem, das eine “Plug and Play”-Funktion anbot, um das Installieren neuer Hardware zu erleichtern. Dazu bot ein simpler Mausklick auf den neuen “Start”-Knopf Zugriff auf alle Programme und Einstellungen des PCs. Mit der neuen Taskleiste konnte direkt zwischen den aktiven Programmen hin- und hergewechselt werden. So einfach war die Bedienung eines Computers vorher nie.

Die Desktop-Oberfläche und der virtuelle Papierkorb in Windows 95 sollen “ein absolutes Novum” gewesen sein? Wer so eine Behauptung aufstellt, begeht Geschichtsklitterung. Ich habe die Entwicklung des “Graphical User Interfaces” etwas anders in Erinnerung.

Das Konzept einer Maus-Bedienung wurde erstmals im Dezember 1968 von Doug Engelbart am Stanford Research Institute (SRI) demonstriert. Die Firma Microsoft gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht. (Bill Gates war damals gerade mal 13 Jahre alt).

httpv://www.youtube.com/watch?v=a11JDLBXtPQ

Die legendäre Vorführung vom 9. Dezember 1968 gilt heute als “Mutter aller Demos”.

Das legendäre Forschungsinstitut Xerox PARC in Kalifornien entwickelte dann in den siebziger Jahren ein komplettes Konzept für die Desktop-Metapher zur Bedienung eines Computers.


Demo des Xerox Alto (aus: Triumph of the Nerds)

Die grafische Benutzeroberfläche wurde von Xerox mit dem “Alto” auch kommerziell auf den Markt gebracht. Den Massenmarkt für GUI-basierte Computer erreichte dann Apple mit der Lisa (1983) und dem Macintosh (1984) – auch weil das Team von Steve Jobs sich bei Xerox eine Menge Anregungen geholt hatte.

Wenn man großzügig ist, kann man noch argumentieren, dass Microsoft sich in der Pressemitteilung nur auf PCs bezieht – und deshalb frühere Computer mit einer GUI nicht berücksichtigt. Aber auch für den “IBM-kompatiblen” PC gab es vor Windows 95 quasi alle Errungenschaften, die in der Mitteilung auflistet werden. Das System stammte allerdings nicht von Microsoft, sondern von IBM – nämlich OS/2. Microsoft war zwar anfänglich noch an der Entwicklung des DOS-Nachfolgers beteiligt, stieg aber 1991 aus dem OS/2-Projekt aus, um das eigene Windows-System voranzutreiben.

Screenshot OS/2 Warp 3 (1994)
Das Betriebssystem OS/2 Warp 3 aus dem Jahr 1994

Windows 95 war dann immerhin das erste System von Microsoft, bei dem “Anwender erstmals Daten auf einer Desktop-Oberfläche ablegen oder in einen virtuellen Papierkorb verschieben konnten”.

Siehe auch diese Artikel:

Vom Labor auf den Schreibtisch – Vor 40 Jahren präsentierte Doug Engelbart die erste Computermaus

Geschichte des Apple Macintosh – Xerox PARC

Update: Das Video in diesem Beitrag zeigt die Entwicklungsumgebung Smalltalk, die in den 1970er Jahren am Xerox PARC Forschungszentrum durch Alan Kay, Dan Ingalls, Adele Goldberg und andere entwickelt wurde. Sie wurde allgemein unter dem Namen Smalltalk-80 freigegeben und hat die Entwicklung vieler späterer Programmiersprachen, wie etwa Objective-C, Java und Ruby beeinflusst.

2. Update: Jan Wildeboer weist noch auf die Systeme GEM und GEOS hin, die ebenfalls über eine grafische Benutzeroberfläche verfügten. Der Graphical Environment Manager (GEM) von Digital Research wurde vor allem durch den Rechner Atari ST unter dem Betriebssystem TOS bekannt. Es gab auch Versionen für den IBM-PC sowie eine Unix-Variante.

Screenshot GEM
Der Graphical Environment Manager (GEM) aus dem Jahr 1984

Das Betriebssystem GEOS (Graphic Environment Operating System) wurde von Berkeley Softworks entwickelt und für die 8-Bit-Computer C64, C128 sowie Apple II 128k und Apple IIc/e veröffentlicht.

Screenshot GEOS
GEOAS auf dem Commodore 64

Das war quasi mein iPod, damals

Ich räume gerade unsere Wohnung in Hamburg auf, um den Familienumzug nach Berlin vorzubereiten. Und eine tolle Wohnung in Berlin haben wir auch schon längst gefunden. Beim aufräumen ist mir auch dieser Kassettenkasten in die Hand gefallen, mit dem ich als Jugendlicher meine Musik durch die Gegend geschleppt habe. 500 Songs in a box – mit Türgriffen von Ikea

Mein Kassettenkasten
Mein Kassettenkasten