Der 10-Dollar-Laptop aus Indien ist gar kein Laptop

Ist gar kein Laptop - So sieht der indische Billigstcomputer aus - Foto: K.V. Poornachandra Kumar
Ist gar kein Laptop - So sieht der indische Billigstcomputer aus - Foto: K.V. Poornachandra Kumar - The Hindu

Wer für 1700 Euro ein Auto bauen kann, der wird doch wohl auch einen Laptop für 10 Dollar produzieren können. So oder so ähnlich hat wohl auch der verantwortliche Redakteur bei der französischen Nachrichtenagentur AFP gedacht, als er die Meldung „India plans ’10 dollar‘ laptop to promote computer skills“ in die Welt gesetzt hat.

Wer eins und eins zusammenzählen kann, dem musste auffallen, dass an dieser Meldung etwas nicht stimmen kann. „The laptop will reportedly have a two gigabyte memory and wireless Internet capability“, schreibt AFP. Ich bin kein Analyst von isuppli.com, die immer so schön ausrechnen, wie viel die Bauteile eines iPhone oder eines Blackberry Storm kosten. Dass zwei Gigabyte Speicher, ein WiFi-Radio sowie die Minimal-Bestandteile eines Laptops (Bildschirm, Gehäuse, Tastatur) aber deutlich mehr als zehn US-Dollar in der Produktion kosten, hätte man ahnen können. Nicholas Negroponte, Gründer des „One Laptop Per Child“ stellte klar, dass man ein LC-Display nicht einmal für unter 20 Dollar bekommen könne. Negroponte weiß wovon er spricht. Schließlich musste er zähneknirschend hinnehmen, dass sein 100-Dollar-Laptop letztlich doppelt so teuer wurde.

Einen „Zehn-Dollar-Laptop“ kann es also nur mit Hilfe einer massiven Subvention geben, so wie man bei T-Mobile für 9,95 Euro einen einfachen Laptop (Acer Aspire one A150X-3G) bekommt, wenn man gleichzeitig einen UMTS-Zweijahresvertrag abschließt. Wir haben uns deshalb am Dienstag bei dpa entschieden, am Hype um den „Acht-Euro-Laptop“ nicht mitzuwirken, sondern unsere Kollegen in Indien mit einer Recherche zu beauftragen. Und das ist das Ergebnis, das heute im dpa-Basisdienst zu lesen war:

Computer/Indien/
Indien stellt günstige Internet-Box vor – Doch kein Billig-Laptop =

Neu Delhi (dpa) – Nach Spekulationen über die Vorstellung eines neuen Billig-Laptops in Indien hat die Regierung im Rahmen einer Bildungsoffensive nun ein preiswertes Gerät für den Internet-Zugang präsentiert. Wie die Zeitung «The Hindu» am Mittwoch berichtete, enthüllte Bildungsminister Arjun Singh am Vortag den Prototypen eines «radikal-billigen Computer-und Zugangsgerätes», mit dem künftig Schüler und Studenten landesweit auf das Internet zugreifen sollen. Ziel sei es, virtuelle Bildungsangebote über das Internet zu vermitteln sowie Schulen und Universitäten zu vernetzen.

Das Gerät sieht aus wie ein herkömmliches Telefonmodem. Es ist etwa 25 Zentimeter lang und 15 Zentimeter breit. Ein Monitor sowie Maus und Tastatur müssen noch angeschlossen werden. Ohne Zubehör soll das Gerät zwischen «20 und 30 Dollar» (15 und 23 Euro) kosten. Der ursprünglich angestrebte Preis von 10 Dollar sei nicht zu realisieren gewesen, zitierte «The Hindu» einen Sprecher des Bildungsministeriums.

Verschiedene Medien hatten zunächst darüber berichtet, dass die indische Regierung im Rahmen des Programms «Bildung durch Informations- und Kommunikationstechnologien» einen nur etwa zehn Dollar teuren Laptop vorstellen wolle. Computerexperten hatten das jedoch als finanziell unrealistisch eingestuft. Bereits 2005 hatte die Stiftung «Ein Laptop Pro Kind» (OLPC) den Protyp eines «100- Dollar-Laptops» vergestellt. Die Produktionskosten für den Computer mussten jedoch auf knapp 200 Dollar korrigiert werden.
dpa stm xx n1 so 041107 Feb 09

Manchmal platzt eine Blase ganz schnell.

The Hindu : Front Page : ‘Ultra-low-cost’ access device introduced

indianexpress.com: Little laptops that couldn’t

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