Auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas hatte ich das Vergnügen, einen der beiden Google-Gründer zu treffen. Zuvor hatte Larry Page mit der Hilfe des Komikers Robin Williams den Google Video Store angekündigt und das Software-Paket Google Pack vorgestellt.
Page hatte sichtlich Spaß daran, in der Reihe der CES-Keynotes aus dem Rahmen zu fallen. In Jeans und einem weißen Labor-Kittel gekleidet erschien Page mit dem Roboterauto Stanley auf der Bühne. Google hatte das Standford-Team, das den Grand Challenge 2005 der Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA) gewann, unterstützt. Page plädierte vor den Vertretern der Unterhaltungselektronik, doch auf gemeinsame Schnittstellen zu setzen und beispielsweise den Reisenden das Rumschleppen von unzählichen Netzadaptern zu ersparen.
Robin Williams peppte den fast akademisch wirkenden Vortrag des zurückhaltend wirkenden Page immer wieder auf, zum Teil mit Witzen, die nur bedingt witzig waren. Kostprobe: “Können Sie sich ein Mercedes als Roboterauto vorstellen? Nun, wahrscheinlich wird er Sie zuerst fragen: ‘Sind Sie Jude?’”
Zur Überraschung der Besucher im Las Vegas Hilton Theater bot Page dem Publikum dann kurz vor Schluss der Keynote an, Fragen zu stellen. Etliche Besucher nutzten das Angebot. Und Larry Page ließ sich auch nicht von großen Schildern aus dem Takt bringen, auf dem die Veranstalter dem 33jährigen signaliserten, dass er endlich aufhören müsse.
Nach der Keynote hatte zunächst eine Runde ausgewählter US-Journalisten, darunter John Markoff von der New York Times und Steven Levy von Newsweek, die Gelegenheit, Page in einer improvisierten Backstage-Pressekonferenz zu befragen. An der Seite von Page stand Google-CEO Eric Schmidt.
Dann waren wir Ausländer dran, einige Asiaten und vor allem Europäer. Auch in unserer Runde gab es viele Fragen zu den Themen, die in der US-Runde angesprochen wurden: das 20-Prozent-Prinzip bei Google (einen Tag in der Woche dürfen Google-Mitarbeiter Arbeiten nachgehen, die nicht mit dem Vorgesetzten abgesprochen sind), dem Digital Rights Management System im neuen Google Video Store (Google baute sein eigenes DRM) und den Auswahlkriterien für die Programme im Google Pack. Ich fragte Page nach einem Google-Betriebssystem. Die Franzosen wollten von Page wissen, was er von den Plänen der EU halte, eine eigene Suchmaschine zu starten. Und ein deutscher Kollege, der in Kalifornien wohnt und arbeitet, wollte von Page wissen, ob der Siegeszug von Google bei Page keine Höhenangst auslöst. Die Antworten auf die Fragen stehen in meiner dpa-Meldung und im Bericht des Focus-Kollegen Matthias Matting, der übrigens auch ein Gagdet-Blog mit dem Namen Techtoys betreibt. Der Bericht des mir namentlich leider unbekannten Economist-Kollegen steht auch online.
Eric Schmidt mischte sich immer wieder in das Gespräch ein, formulierte die druckreiferen Sätze, als der mit der Presse offensichtlich ziemlich unerfahrene Page. In der Binnenbeziehung zwischen den beiden wurde aber auch immer wieder klar, wer bei Google letztlich das Sagen hat, nämlich Page und sein Stanford-Kumpel Sergey Brin.
