Musikvideos auf YouTube Deutschland werden gesperrt

Musikvideos auf YouTube Deutschland werden gesperrt

Wer in den kommenden Tagen bei YouTube in Deutschland Musikvideos anschauen möchte, wird häufig in die Röhre schauen. Im Grundsatzstreit mit der Verwertungsgesellschaft GEMA hat die Google-Tochter heute Abend um 19 Uhr damit begonnen, viele der Musikvideos auf YouTube Deutschland zu blockieren. Betroffen sind die Clips der YouTube-Partner EMI, Sony Music, Universal und vieler kleinerer Independent Label. Es wird allerdings einige Tage dauern, bis die Sperre flächendeckend wirksam wird.

Bei der Kontroverse geht es darum, wie viel Geld der Verwertungsgesellschaft für das Verbreiten von Musikvideos im Internet zusteht. Das deutschsprachige Videoangebot von YouTube war im November 2007 online gegangen, nachdem ein komplizierter Streit um Urheberrechtsfragen mit der Verwertungsgesellschaft GEMA vorläufig gelöst worden war. Dieser Vertrag lief allerdings heute abend (31.3.2009) aus.

Beide Seiten pokern hoch. In der Liste der populärsten Websites in Deutschland liegt YouTube sicherlich auch wegen der beliebten Musik-Videoclips laut Alexa an dritter Stelle (übrigens nach google.de und google.com). Mit der Sperre der Musikvideos dürfte der Traffic nun spürbar zurückgehen. Die GEMA und Google schweigen sich drüber aus, wie hoch der erste Vertrag dotiert war. Es dürfte sich aber schon um eine relevante Summe handeln.

Kurz ein Überblick zu den Dimensionen. Im Geschäftsjahr 2007 (aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor) erwirtschaftete die GEMA knapp 850 Millionen Euro und schütte nach Abzug ihrer Kosten knapp 730 Millionen Euro an die Rechteinhaber aus. Für 2008 erwartete die GEMA wegen der schrumpfenden CD-Verkäufe deutlich sinkende Einnahmen.

Nun liefern sich Google und die GEMA eine PR-Schlacht und schieben sich gegenseitig den schwarzen Peter für das Scheitern der Verhandlungen zu. Google verwiest auf den abenteuerlich hoch klingenden Listenpreis von 12 Cent für das Streamen eines einzelnen Musikvideos. “Übertragen auf den Kauf einer CD würde dies bedeuten, dass ein Musikliebhaber in Deutschland für eine herkömmliche CD mehr als 500 Euro zahlen müsste”, schreibt Patrick Walker, bei Google Director of Video Partnerships, EMEA, in einer Mitteilung. Der GEMA-Tarif liege “mehr als fünfzig Mal über dem, was die vergleichbare Verwertungsgesellschaft ‘PRS for Music’ vor einigen Wochen von uns in Großbritannien gefordert” habe.

Harald Heker, der Vorstandsvorsitzender der GEMA

Harald Heker, der Vorstandsvorsitzender der GEMA

GEMA-Sprecherin Bettina Müller sagte mir heute Abend am Telefon, ihre Organisation habe YouTube in einem ersten, unverhandelten Angebot einen Preis von nur einem Euro-Cent pro Abruf vorgeschlagen. Außerdem verlange die GEMA eine größere Transparenz über die Nutzung des Repertoires der Künstler, die von der GEMA vertreten würden. Harald Heker, der Vorstandsvorsitzender der GEMA, sagte: “Es zeichnet sich eine grundlegende Auseinandersetzung zwischen der GEMA und Google und seiner Tochtergesellschaft YouTube ab.”

Egal ob zwölf Cent oder ein Cent: Für Google-Sprecher Kay Oberbeck sind die Forderungen der GEMA “völlig inakzeptabel”, da YouTube damit bei jedem Abspielen eines Videos Verluste machen würde. Außerdem habe sich die GEMA geweigert, eine Liste der von ihr vertretenen Künstler zur Verfügung zu stellen. “Die Gema repräsentiert nicht mehr 100 Prozent des Repertoires in Deutschland.” Wegen des Auslaufens der Vereinbarung und der damit verbundenen Unsicherheiten müsse man nun Musikvideos von Musik-Partnern bis auf weiteres auf YouTube in Deutschland sperren.

In der Kontroverse geht es aber nicht nur ums Geld: Der Konflik betrifft die auch die Nutzungsdaten. Die GEMA verlangt von YouTube einen detaillierten Report, welche Videos wie oft im Monat von den Anwendern abgerufen wurden. Ähnliche Listen stellen beispielsweise Radiosender für die GEMA zusammen, aber auch YouTube-Konkurrenten wie Sevenload oder Clickfish. YouTube wiederum forderte von der GEMA eine detaillierte Aufstellung, welche Künstler überhaupt von ihr vertreten würden, denn nicht alle Künstler und Rechteinhaber ließen sich von der Gesellschaft vertreten.

Interessant sind die polemischen Spitzen in dieser Auseinandersetzung. In einer Pressemitteilung der GEMA zum Streit mit Youtube heißt es:

Auch deutsche Urheber sind verärgert und kritisieren das Geschäftsgebaren von YouTube. Der Komponist Prof. Dr. Enjott Schneider über die aktuelle Online-Diskussion: „Ein Glück, dass es in diesem Tal voller Flatrate-Kultur und Flatrate-Hirnen die GEMA gibt, sonst wäre ein “Urheber” verraten und verkauft!“

Schneider sitzt übrigens im Aufsichtsrat der GEMA.

Google hält feste dagegen:

Viele etablierte Künstler sowie viele neue, unentdeckte Talente nutzen YouTube, um ihre Songs erfolgreich zu promoten, um direkt mit ihren Fans in Kontakt zu treten, um entdeckt zu werden und auch um Geld zu verdienen. Die GEMA fordert nun jedoch, dass wir wesentlich höhere Gebühren zahlen sollen als bisher. Und zudem weigert sie sich, das Repertoire der Werke, die sie vertritt, offen zu legen. Bezogen auf das Beispiel eines CD-Kaufes für mehr als 500 Euro wüsste der Käufer also noch nicht einmal, welche Songs sich überhaupt auf dieser CD befinden.

YouTube sperrt Musikvideos in Deutschland 31.03.2009 | Netzwelt | Multimedia | News | General-Anzeiger Online – Bonn

Streit mit der GEMA: YouTube sperrt Musikvideos – mz-web.de