Anleitung: Twitter für Einsteiger – Tipps und Tricks für den Microblogging-Dienst (1)

Für alle, die Twitter bislang noch nicht ausprobiert haben oder noch ganz frisch dabei sind, will ich hier möglichst verständlich erklären, was Twitter eigentlich ist und welche Regeln man bei Twitter beachten sollte. Twitter ist ein kostenloser Kurznachrichtendienst oder auch Mikroblogging-Service. Angemeldete Benutzer können eigene Textnachrichten (“Tweets”) mit maximal 140 Zeichen veröffentlichen.

(Version 3.0, Aktualisiert im März 2013)

Zunächst ein paar Sätze zur Geschichte von Twitter. Der erste Tweet wurde am 21. März 2006 verschickt.

Der erste öffentliche Tweet von Jack Dorsey

Der erste Twitter-Entwurf von Jack Dorsey
Der erste Twitter-Entwurf von Jack Dorsey (2006)

Richtig los ging es aber erst am 15. Juli. Der einflussreiche US-Blogger und Investor Michael Arrington schrieb damals für das US-Blog “TechCrunch”: “Odeo hat heute einen neuen Dienst gestartet, der Twttr heißt und eine Art von SMS-Anwendung für den “Gruppenversand” ist.”

Die kleine Firma Odeo wollte in San Francisco einen Podcasting-Dienst entwickeln. Bei einem Brainstorming schlug der Entwickler Jack Dorsey vor, kurze Statusmeldungen an alle Teammitglieder per SMS zu senden, damit jeder weiß, woran die anderen arbeiten. In zwei Wochen entstand ein Prototyp, und Dorsey verschickte die erste Nachricht: “inviting coworkers”. Neben Dorsey waren auch Biz Stone, Evan Williams und Noah Glass beteiligt. Wichtige Impulse bei der Entwicklung des Dienstes lieferte der deutsche Auftragsentwickler Florian Weber.

In diesem historischen Video aus dem Jahr 2006 erklärt Twitter-Mitbegründer Biz Stone den Kurznachrichtendienst, der damals noch twttr hieß und auf der Basis von SMS funktionierte

Vier Monate später gab die Firma ihr kleines Nebenprojekt für alle interessierten Nutzer frei – und war überrascht vom Erfolg. Ein gutes Jahr nach dem ersten Tweet gründete Dorsey daher gemeinsam mit Stone und Williams eine eigene Firma unter dem heutigen Namen Twitter Inc.

Twitter hat mehr als 200 Millionen aktive Nutzer weltweit (Stand: März 2013). Jeden Tag werden 400 Millionen Tweets verschickt. Es dauerte drei Jahre, zwei Monate und ein Tag bis die erste Milliarde Tweets verschickt wurden. Heute wird dieselbe Anzahl innerhalb von 2,5 Tagen verschickt.

Zu den spektakulärsten Tweets gehört der Augenzeugenbericht von Janis Krums von der Flugzeug-Notlandung im Hudson River am 15. Januar 2009:

Sein Foto auf Twitpic ging um die Welt.

"There's a plane in the Hudson. I'm on the ferry going to pick up the people. Crazy."
“There’s a plane in the Hudson. I’m on the ferry going to pick up the people. Crazy.”

twitter-birdDas Prinzip von Twitter ist recht simpel. Angemeldete Nutzer tippen Antworten in SMS-Länge – 140 Zeichen – auf die Frage “Was gibt’s Neues?” (früher lautete die Frage “Was machst Du gerade?”). Das soziale Netzwerk beruht darauf, dass man die Mitteilungen anderer Benutzer regelmäßig liest und sie abonniert. Die Abonnenten werden als „Follower“ (engl. to follow = folgen) bezeichnet. Auf der Homepage von Twitter kann man Nachrichten eingeben und die Nachrichten der Personen, denen man folgt, chronologisch sortiert ansehen. Ein Twitter-Anwender kann selbst entscheiden, ob er seine Mitteilungen allen zur Verfügung stellen oder den Zugang auf eine Gruppe beschränken will. Man muss übrigens keinen Twitter-Account haben, um die öffentlichen Tweets von Twitter-Usern mitzulesen.

Twitter-Logo (seit 2010)
Twitter-Logo (seit 2010)

Wenn man sich bei Twitter neu anmeldet, schlägt das System einige User vor, den man “followen” kann. Ich würde allerdings davon abraten, die Feeds von wildfremden Twitter-Anwendern zu abonnieren, sondern würde bei Freunden, Familie oder Kollegen anfangen. Orientierung bietet auch der Dienst Tweetranking von “Netzökonom” Holger Schmidt, der Empfehlungslisten für Twitter pflegt. Das Mottto von Tweetranking lautet:

„Twitterer empfehlen Twitterer“ – nach dieser Methode entsteht aus deinen Empfehlungen ein Verzeichnis der interessantesten Menschen auf Twitter.

Hier kann man mich übrigens auch in der Rubrik Journalismus empfehlen :-)

Ein guter Ausgangspunkt für den Aufbau einer interessanten Timeline sind auch die Twitterlisten von Mirko Lange, dem Inhaber der Agentur talkabout communications. Mich interessieren natürlich vor allem die Listen Journalismus, Medien und Blogger. Man findet dort aber auch die Twitter-Accounts von Politikern, Unternehmen und Organisationen.

Ein konkretes Beispiel: Der Twitter-Feed von Marcus Schwarze, der als “Leiter Digitale Inhalte” zur Chefredaktion der Rhein-Zeitung in Koblenz gehört und im Netz mit seinem Nickname Homofaber unterwegs ist. Marcus ist auf Twitter unter https://twitter.com/#!/homofaber. Das weiße Häkchen auf dem blauen Badge neben dem Namen signalisiert, dass Twitter das Konto verifiziert hat, das es sich also tatsächlich um den richtigen Marcus Schwarze (und nicht um einen Fake-Account) handelt. Hundertprozentig verlassen kann man sich auf den “Verified-Badge” leider nicht, weil Twitter in seltenen Fällen dabei auch schon einmal geirrt hat. Rechts oben kann man sehen, wie viele Tweets Marcus bereits abgesetzt hat (5.219) welche Feeds “homofaber” abonniert hat (“following”) und wer seinem Feed folgt (“follower”).

Twitter-Homepage von Marcus Schwarze
Twitter-Homepage von Marcus Schwarze

Die beiden Listen ( “following” und “follower”) eines Twitter-Anwenders eignen sich hervorragend dazu, seinen eigenen Horizont zu erweitern und neue Leute im Netz kennenzulernen.

Dieser Screenshot  zeigt meine “Timeline”, also die Einträge der Personen, Medien und Organisationen, die mich interessieren und denen ich “folge”:

Twitter-Homepage

Nun zu den Inhalten: Ein Tweet kann beispielsweise so aussehen:

Tweet-Beispiel
Tweet-Beispiel

Neben dem eigentlichen Tweet (“Did you know there are 40+ new Technology, Software Engineering & Design Job Openings at The New York Times? Apply here http://j.mp/Jblm7O)” kann man eine Reihe weiterer Informationen sehen:

Tweet-Beispiel

Erläuterung:

Links neben dem eigentlichen Tweet steht ein Foto. Damit dieses Bild dort erscheint, muss der Kontoinhaber es hochladen. Es ist unbedingt empfehlenswert, ein Foto oder Symbolbild einzustellen, denn damit steigt die Chance, mit den eigenen Tweets im Netz weiter verbreitet zu werden (“retweetet zu werden” und Follower zu gewinnen) beträchtlich. Die Datei mit dem eigenen Bild, einem Avatar oder Logo darf maximal 700 Kilobyte groß sein und muss im Format JPG,. GIF oder PNG vorliegen. Beim Anlegen eines Twitter-Accounts sollte man auch die Möglichkeiten nutzen, sich unter Einstellungen/Profil in 160-Zeichen-Länge selbst vorzustellen, damit die Öffentlichkeit weiß, wer hier twittert.

Rechts neben dem Userbild steht der ausgeschriebene Namen des Twitter-Accounts (in unserem Beispiel Rajiv Pant). Das muss aber wie bereits erwähnt nicht der echte Name des Account-Inhabers sein.

Rechts neben dem Klarnamen des Twitter-Users wird der Benutzername des Twitterers angezeigt. Häufig ist das ein Phantasiename oder Pseudonym. Im Gegensatz zu Google+ besteht Twitter nicht auf Klarnamen. Twitter akzeptiert Buchstaben, Zahlen und den Unterstrich als Benutzernamen. Ein Bindestrich gehört leider nicht dazu. Der Username ist auch Bestandteil der Web-Adresse des jeweiligen Twitter-Feeds, also der Webseite mit allen Tweets eines bestimmten Accounts. In unserem Beispiel lautet die Web-Adresse https://twitter.com/#!/rajivpant/. Zitiert man einen Twitter-User, wird dem Benutzernamen das AT-Zeichen vorangestellt (@rajivpant).

Wenn man selbst leicht auf Twitter gefunden werden möchte, empfiehlt es sich, mit dem echten Namen zu arbeiten.

Ein Tweet kann wie erwähnt maximal 140 Zeichen lang sein. Wenn man Interesse hat, dass der eigene Text von anderen Twitter-Usern zitier und erneut veröffentlich (also “retweetet”)  wird, sollte man den Text etwas kürzer formulieren, damit die anderen noch etwas Platz für eigene Anmerkungen haben.

Rechts über dem eigentlichen Tweet steht die Uhrzeit, wann er veröffentlicht wurde (in unserem Beispiel “vor 19 Stunden).

Der Hinweis unter dem Tweet zeigt, dass der Tweet von Rajiv Pant in meiner “Timeline” gelandet ist, weil sie von Aron Pilhofer erneut veröffentlicht (“retweetet”) wurde. Und da ich Aron Pilower folge, bekomme ich auch seine Retweets mit.

Fährt man mit der Maus über den Eintrag, verändert der sich:

Vorher:

Tweet-Beispiel

Nachher:

Tweet-Beispiel Mouseover

Mit dem Mouseover erscheinen jetzt die Bedienelemente “Antworten”, “Retweeten” und “Favorisieren”, um auf einen Tweet zu reagieren. Mit “Favorisieren” signalisiert man Zustimmung zu dem Tweet. Wenn man einen Tweet als Favorit markiert, hießt das in Twitter-Sprech auch “einen Tweet faven”. Im eigenen Profil wird öffentlich angezeigt, welche Tweets man favorisiert hat.

Mit “Retweeten” veröffentlicht man den Tweet erneut und trägt dazu bei, dass die eigenen “Follower” auf den Inhalt aufmerksam werden. Wenn die eigenen Tweet von anderen Retweetet werden, besteht die Chance, die Zahl der eigenen Follower zu erhöhen.

Mit “Antworten” antwortet man auf einen Tweet. Bei der Antwort wird automatisch der Twitterer erwähnt, der den Ausgangstweet geschrieben hat.

Beim Mouseover erscheint schließlich noch die Option “Öffnen”. Wenn man darauf klickt, sieht man weitere Details des Tweets, beispielsweise ein verlinktes Foto oder Video. Außerdem kann man sehen, wer einen Tweet retweetet oder favorisiert hat.

KLickt man auf den grauen Link “Details”, öffnet sich der Tweet in einem neuen Fenster. Somit erhält man auch einen eindeutigen Link in der Adresszeile des Browsers, mit der man den einzelnen Link separat aufrufen kann.

Tweet im Browser mit Unique URL
Tweet im Browser mit Unique URL

In diesem Video erklärt Twitter selbst, wie man die Tweets in der Timeline ausklappen und die verlinkten Inhalte anschauen kann. Leider gibt es das nur mit einem englischsprachigen Voice-Over:

Im zweiten Teil erläutere ich, wie man sich aktiv an Twitter beteiligen kann.

http://www.mr-gadget.de/twitter/2012-04-21/anleitung-twitter-fur-einsteiger-tipps-und-tricks-fur-den-microblogging-dienst-2

Schließlich noch ein Video “Twitter für Einsteiger” von dpa-Video, das bei stern.de gelaufen ist.

71 Gedanken zu „Anleitung: Twitter für Einsteiger – Tipps und Tricks für den Microblogging-Dienst (1)

  1. Ich kann nicht erkennen warum ich Twitter’n sollte. Es lassen sich immer mehr Leute irgendetwas einfallen, um persönliche Daten zu bekommen. Ich kann nicht verstehen, wie heute persönliche Daten per Tastatur in die Welt posaunt wird. Wenn irgendjemand seinen Frust los werden will, so kann er das beim Twittern tun. Aber das Internet wird mit allmöglichen Scheiß überschwemmt und die Informationen die ich haben möchte, finde ich kaum noch. Oder ich muß gleich nach unten Scrollen. Twittern, Facebook und dergleichen sind weiter nichts wie datenklau und was das schlimmste ist, die Leute merken das nicht. Da ich meine E-Mail-Adresse angeben muß, hoffe ich aber das diese nicht veröffentlicht wird. Ich bekomme schon genug Spam.

  2. Gut geschrieben, diddy2207. Kann ich nur beipflichten.

    Hab jetzt ein Tablet, mit welchem man während dem Twittern (sind ja nur 140 zch.) noch simultan den Kanal vom Fernseher wechseln kann. Stand in der Werbung. It’s not a trick….
    ROFL

  3. Erst mal nicht übel, bin jetzt ein bisschen besser drauf, muss halt üben. Aber deine Erklärung war die beste sehr Übersichtlich.
    @werner219

  4. Hallo ich habe mich neu bei Twitter angemeldet und eine blöde frage.
    Ich folge Personen die mir aber nixht folgen. Wenn ich ihnen eine Nachricht schreibe (dass in meinem Profil angezeigt wird) sehen diese Personen diese Nachricht auch?

  5. Hallo Tanja, wenn Du einer Person (z.B. @MaxMustermann) folgst, @MaxMustermann aber nicht Dir, kannst Du keine Direktmitteilung schicken, die nur Du und der Empfänger (also @MaxMustermann) zu Gesicht bekommen. Du kannst ihn aber indirekt anschreiben, indem Du @MaxMustermann in einem öffentlichen Tweet erwähnst. Die Twitter-Experten nennen das “Mention” (Erwähnung). Ein Mention bekommen aber auch andere Leute mit, die Dir folgen. Ob das dann der von erwähnte @MaxMustermann tatsächlich liest, kann man natürlich nicht sagen. Er kann in der Twitter-Oberfläche im Brpwser und in der Twitter-App aber die Mentions vergleichsweise einfach sehen.
    Du kannst auch auf einen Tweet von @MaxMustermann antworten. So einen “Reply”, bei dem der Twittername @MaxMustermann am Anfang Deines Tweets steht, ist für den Erwähnten auch leicht zu orten.

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