Anleitung: Twitter für Einsteiger – Tipps und Tricks für den Microblogging-Dienst (1)

Für alle, die Twitter bislang noch nicht ausprobiert haben oder noch ganz frisch dabei sind, will ich hier möglichst verständlich erklären, was Twitter eigentlich ist und welche Regeln man bei Twitter beachten sollte. Twitter ist ein kostenloser Kurznachrichtendienst oder auch Mikroblogging-Service. Angemeldete Benutzer können eigene Textnachrichten („Tweets“) mit maximal 140 Zeichen veröffentlichen.

(Version 3.0, zuletzt aktualisiert im April 2015)

Zunächst ein paar Sätze zur Geschichte von Twitter. Der erste Tweet wurde am 21. März 2006 verschickt.

Der erste öffentliche Tweet von Jack Dorsey

Der erste Twitter-Entwurf von Jack Dorsey
Der erste Twitter-Entwurf von Jack Dorsey (2006)

Richtig los ging es aber erst am 15. Juli. Der einflussreiche US-Blogger und Investor Michael Arrington schrieb damals für das US-Blog „TechCrunch“: „Odeo hat heute einen neuen Dienst gestartet, der Twttr heißt und eine Art von SMS-Anwendung für den „Gruppenversand“ ist.“ Die kleine Firma Odeo wollte in San Francisco einen Podcasting-Dienst entwickeln. Bei einem Brainstorming schlug der Entwickler Jack Dorsey vor, kurze Statusmeldungen an alle Teammitglieder per SMS zu senden, damit jeder weiß, woran die anderen arbeiten. In zwei Wochen entstand ein Prototyp, und Dorsey verschickte die erste Nachricht: „inviting coworkers“. Neben Dorsey waren auch Biz Stone, Evan Williams und Noah Glass beteiligt. Wichtige Impulse bei der Entwicklung des Dienstes lieferte der deutsche Auftragsentwickler Florian Weber.

In diesem historischen Video aus dem Jahr 2006 erklärt Twitter-Mitbegründer Biz Stone den Kurznachrichtendienst, der damals noch twttr hieß und auf der Basis von SMS funktionierte

Vier Monate später gab die Firma ihr kleines Nebenprojekt für alle interessierten Nutzer frei – und war überrascht vom Erfolg. Ein gutes Jahr nach dem ersten Tweet gründete Dorsey daher gemeinsam mit Stone und Williams eine eigene Firma unter dem heutigen Namen Twitter Inc. Twitter hat mehr als 288 Millionen aktive Nutzer weltweit (Stand: Herbst 2014).


 

Es dauerte drei Jahre, zwei Monate und ein Tag bis die erste Milliarde Tweets verschickt wurden. Heute wird dieselbe Anzahl innerhalb von zwei Tagen verschickt. Das Wachstum von Twitter ist aber nicht so dynamisch wie bei Google oder Facebook. Zuletzt flachte das Wachstum sogar ab:

Infografik: Twitter wächst (fast) nicht mehr | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Zu den spektakulärsten Tweets gehört der Augenzeugenbericht von Janis Krums von der Flugzeug-Notlandung im Hudson River am 15. Januar 2009:

"There's a plane in the Hudson. I'm on the ferry going to pick up the people. Crazy."
„There’s a plane in the Hudson. I’m on the ferry going to pick up the people. Crazy.“

Sein Foto auf Twitpic ging um die Welt.

Twitter-Bild in der Presse
Twitter-Bild in der Presse

Das Prinzip von Twitter ist recht simpel. Angemeldete Nutzer tippen Antworten in SMS-Länge – 140 Zeichen – auf die Frage „Was gibt’s Neues?“ (früher lautete die Frage „Was machst Du gerade?“). Das soziale Netzwerk beruht darauf, dass man die Mitteilungen anderer Benutzer regelmäßig liest und sie abonniert. Die Abonnenten werden als „Follower“ (engl. to follow = folgen) bezeichnet.

Auf der Homepage von Twitter kann man Nachrichten eingeben und die Nachrichten der Personen, denen man folgt, chronologisch sortiert ansehen. Ein Twitter-Anwender kann selbst entscheiden, ob er seine Mitteilungen allen zur Verfügung stellen oder den Zugang auf eine Gruppe beschränken will. Man muss übrigens keinen Twitter-Account haben, um die öffentlichen Tweets von Twitter-Usern mitzulesen.

Twitter-Logo (seit 2010)
Twitter-Logo (seit 2010)

Wenn man sich bei Twitter neu anmeldet, schlägt das System einige User vor, den man „followen“ kann. Ich würde allerdings davon abraten, die Feeds von wildfremden Twitter-Anwendern zu abonnieren, sondern würde bei Freunden, Familie oder Kollegen anfangen.

Update 3. Februar 2015:
Twitter testet eine Starthilfe für Neulinge: Mit der neuen Funktion „Instant Timeline“ wird der Feed neuer Twitter-Nutzer automatisch mit befüllt. Mit dem Feature will Twitter die Einstiegshürde für den Micro-Blogging-Dienst senken. Bislang können ausgewählte Nutzer der Twitter-App für Android die „Instant Timeline“ auf ihren Smartphones und Tablets ausprobieren. Noch gibt es keinen Termin für die offizielle Einführung der Funktion für alle Nutzer.

Die Funktion analysiert die Kontakte des Users und durchsucht deren Feeds und Freunde nach Themen, die das neue Twitter-Mitglied interessieren könnten. Entsprechende Beiträge werden dann in der Timeline angezeigt. Auf diese Weise füllt sich die Timeline, ohne dass der Nutzer einem anderen Mitglied folgen muss. Vindu Goel vom Bits-Blog der New York Times konnte das Feature bereits ausprobieren und lobt in seinem Beitrag die Treffgenauigkeit der Instant Timeline. Die Funktion sei zwar noch nicht perfekt, hätte mit den meisten vorgeschlagenen Beiträgen jedoch richtig gelegen.

Ein guter Ausgangspunkt für den Aufbau einer interessanten Timeline sind auch die Twitterlisten von Mirko Lange, dem Inhaber der Agentur talkabout communications. Mich interessieren natürlich vor allem die Listen Journalisten, Medien und Blogger. Man findet dort aber auch die Twitter-Accounts von Politikern, Unternehmen und Organisationen.

Empfehlen kann ich natürlich auch die Twitter-Listen meines Arbeitgebers, der Deutschen Presse-Agentur (dpa), die vor allem von meinem Kollegen Stefan Voss zusammengestellt wurden. Man findet dort aber auch die Twitter-Accounts von Politikern, Unternehmen und Organisationen oder zu aktuellen Themen wie der NSA-Affäre (zusammengestellt von Jessica Binsch).

Schauen wir uns ein konkretes Beispiel an, nämlich den Twitter-Feed von Marcus Schwarze, der als „Leiter Digitale Inhalte“ zur Chefredaktion der Rhein-Zeitung in Koblenz gehört und bei Twitter mit seinem Nickname Homofaber unterwegs ist war (inzwischen hat Markus sein Twitter-Namen auf @MarcusSchwarze geändert). Das weiße Häkchen auf dem blauen Badge neben dem Namen signalisiert, dass Twitter das Konto verifiziert hat, das es sich also tatsächlich um den richtigen Marcus Schwarze (und nicht um einen Fake-Account) handelt. Hundertprozentig verlassen kann man sich auf den „Verified-Badge“ leider nicht, weil Twitter in seltenen Fällen dabei auch schon einmal geirrt hat. Rechts oben kann man sehen, wie viele Tweets Marcus bereits abgesetzt hat (über elftausend) welche Feeds Marcus abonniert hat („Folge ich“) und wer seinem Feed folgt („Follower“).

Twitter-Homepage von Marcus Schwarze
Twitter-Homepage von Marcus Schwarze

Insbesondere die Liste „Folge ich“ eines interessanten Twitter-Anwenders eignen sich hervorragend dazu, seinen eigenen Horizont zu erweitern und neue Leute im Netz kennenzulernen.

Marcus nutzt übrigens auf seiner Homepage die Funktion „Gepinnter Tweet“. Damit kann man einen besonders wichtigen Tweet (hier ein Link zu einer Foto-Galerie zur Info-Tour #CRUSA14 in Kalifornien) an der ersten Position in der Timeline festpinnen und verhindern, dass der Tweet durch aktuellere Tweets nach unten verschwindet.

Zurück zur „Timeline“: Dieser Screenshot  zeigt meine „Timeline“, also die Einträge der Personen, Medien und Organisationen, die mich interessieren und denen ich „folge“:

Twitter-Timeline @CDernbach
Twitter-Timeline @CDernbach

Nun zu den Inhalten: Ein Tweet kann beispielsweise so aussehen:

Tweet des HSV
Tweet des HSV

 

Erläuterung:

  Links neben dem eigentlichen Tweet steht ein Foto bzw. in diesem Fall das HSV-Logo. Damit dieses Bild dort erscheint, muss der Kontoinhaber es hochladen. Es ist unbedingt empfehlenswert, ein Foto oder Symbolbild einzustellen, denn damit steigt die Chance, mit den eigenen Tweets im Netz weiter verbreitet zu werden („retweetet zu werden“ und Follower zu gewinnen) beträchtlich. Die Datei mit dem eigenen Bild, einem Avatar oder Logo muss im Format JPG,. GIF oder PNG vorliegen. Beim Anlegen eines Twitter-Accounts sollte man auch die Möglichkeiten nutzen, sich unter Einstellungen/Profil in 160-Zeichen-Länge selbst vorzustellen, damit die Öffentlichkeit weiß, wer hier twittert.

  Rechts neben dem Userbild steht der ausgeschriebene Namen des Twitter-Accounts (in unserem Beispiel Hamburger SV). Das muss aber wie bereits erwähnt nicht der echte Name des Account-Inhabers sein.

  Unter dem Klarnamen des Twitter-Users wird der Benutzername des Twitterers (@HSV) angezeigt, der mit einem AT-Zeichen („Klammeraffe“) beginnt. Der Teil hinter dem @-Zeichen ist dann auch Bestandteil der Web-Adresse (URL), mit der man die Tweets im Web finden kann (hier: https://twitter.com/HSV). Der Benutzername ist häufig ein Phantasiename oder Pseudonym. Im Gegensatz zu Google+ besteht Twitter nicht auf Klarnamen. Twitter akzeptiert Buchstaben, Zahlen und den Unterstrich als Benutzernamen. Ein Bindestrich gehört leider nicht dazu.

Wenn man selbst leicht auf Twitter gefunden werden möchte, empfiehlt es sich, mit dem echten Namen zu arbeiten. Das weiße Häkchen auf blauem Hintergrund heißt, dass dieser Twitter-Account verifiziert ist, also kein Fake-Account ist. Twitter sind in wenigen Einzelfällen auch Fehler bei der Verifizierung von Promi-Accounts passiert. In der Regel kann man sich auf das Häkchen aber verlassen.

  Ein Tweet kann wie erwähnt maximal 140 Zeichen lang sein. Wenn man Interesse hat, dass der eigene Text von anderen Twitter-Usern zitier und erneut veröffentlich (also „retweetet“)  wird, sollte man den Text etwas kürzer formulieren, damit die anderen noch etwas Platz für eigene Anmerkungen haben. Wenn im Tweet ein Weblink steht, wird die Adresse (URL) auf 22 Zeichen verkürzt, auch wenn der Link selbst weniger als 22 Zeichen hat. Das zeigt beim Schreiben auch der Zeichenzähler an.

 Fügt man ein Bild zum Tweet hinzu, erscheint das Foto inzwischen direkt unter dem Tweet. In der Anfangszeit hat Twitter nur einen Link auf die Bilddatei angezeigt. Das gilt auch für YouTube-Videos und etliche andere Multimedia-Inhalte.

An den Symbolen unter dem Tweet sieht man, wie die Twitter-Community mit dem Tweet umgegangen ist. Die Mitteilung des HSV in unserem Beispiel wurde zum Zeitpunkt des Screenshots von 8 Twitter-Usern in der eigenen Timeline weiterverbreitet („retweetet“) und 16 mal als „Favorit“ markiert.

Superpopuläre Tweets wie das Selfie von Oscar-Moderatorin Ellen DeGenres haben überigens bei den Retweets und Favoriten locker die Millionen-Schwelle geknackt:

kreis7 Rechts über dem eigentlichen Tweet steht die Uhrzeit, wann er veröffentlicht wurde (in unserem Beispiel „4. Februar 2015, 21:03 Uhr). Hier noch ein Blick auf die Bedienelemente  unter dem Tweet: tweet_bedienelemente Der Pfeil nach links löst die „Antworten“ aus, der Doppelpfeil  „Retweeten“. Das nächste Icon steht für den Dienst Pocket, den ich installiert habe, um wichtige Tweets in einer Art Album zu sammeln. Das Icon mit den aufeinander gestapelten Rechtecken ruft den Dienst Buffer auf, mit man zeitversetzt twittern kann.  Der Stern steht für „Favorisieren“. Damit signalisiert man Zustimmung zu dem Tweet. Wenn man einen Tweet als Favorit markiert, hießt das in Twitter-Sprech auch „einen Tweet faven“. Im eigenen Profil wird öffentlich angezeigt, welche Tweets man favorisiert hat. Mit „Retweeten“ veröffentlicht man den Tweet erneut und trägt dazu bei, dass die eigenen „Follower“ auf den Inhalt aufmerksam werden. Wenn die eigenen Tweet von anderen Retweetet werden, besteht die Chance, die Zahl der eigenen Follower zu erhöhen. Update (7. April 2015) Twitter hat die Retweet-Funktion überarbeitet. Bislang konnte man nur innerhalb des Limits von 140 Zeichen den Retweet formulieren. Nun ist es möglich, den Original-Tweet komplett zu zitieren und selbst bis zu 140 Zeichen für den eigenen Kommentar zu dem Tweet zu verwenden. Der zu zitierende Tweet wird also eingebettet, anstatt wie bisher als Text Teil des neuen Tweets zu werden. Die neue Funktion wurde zunächst für Twitter im Browser sowie für die iOS-App für iPhone und iPad eingeführt.

Die Android-App soll die neue Retweet-Funktion später auch erhalten, vermutlich auch das Profitool Tweetdeck.

Mit „Antworten“ antwortet man auf einen Tweet. Bei der Antwort wird automatisch der Twitterer erwähnt, der den Ausgangstweet geschrieben hat.

In diesem Video erklärt Twitter selbst, wie man die Tweets in der Timeline ausklappen und die verlinkten Inhalte anschauen kann. Leider gibt es das nur mit einem englischsprachigen Voice-Over:

Im zweiten Teil erläutere ich, wie man sich aktiv an Twitter beteiligen kann.

http://www.mr-gadget.de/twitter/2012-04-21/anleitung-twitter-fur-einsteiger-tipps-und-tricks-fur-den-microblogging-dienst-2

 

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73 comments

  1. Sehr prägnante Erklärung – fein! Insbesondere, da auch die Historie von Twitter Erwähnung findet. Chapeau

  2. Ich kann nicht erkennen warum ich Twitter’n sollte. Es lassen sich immer mehr Leute irgendetwas einfallen, um persönliche Daten zu bekommen. Ich kann nicht verstehen, wie heute persönliche Daten per Tastatur in die Welt posaunt wird. Wenn irgendjemand seinen Frust los werden will, so kann er das beim Twittern tun. Aber das Internet wird mit allmöglichen Scheiß überschwemmt und die Informationen die ich haben möchte, finde ich kaum noch. Oder ich muß gleich nach unten Scrollen. Twittern, Facebook und dergleichen sind weiter nichts wie datenklau und was das schlimmste ist, die Leute merken das nicht. Da ich meine E-Mail-Adresse angeben muß, hoffe ich aber das diese nicht veröffentlicht wird. Ich bekomme schon genug Spam.

  3. Danke fuer die gute Einfuehrung!! Guenther Gottschalk
    @guenther_london

  4. Gut geschrieben, diddy2207. Kann ich nur beipflichten.

    Hab jetzt ein Tablet, mit welchem man während dem Twittern (sind ja nur 140 zch.) noch simultan den Kanal vom Fernseher wechseln kann. Stand in der Werbung. It’s not a trick….
    ROFL

  5. Erst mal nicht übel, bin jetzt ein bisschen besser drauf, muss halt üben. Aber deine Erklärung war die beste sehr Übersichtlich.
    @werner219

  6. Sehr gut erklaert, danke.

  7. Gut erklärt, bin sehr zufrieden damit.

  8. Hallo ich habe mich neu bei Twitter angemeldet und eine blöde frage.
    Ich folge Personen die mir aber nixht folgen. Wenn ich ihnen eine Nachricht schreibe (dass in meinem Profil angezeigt wird) sehen diese Personen diese Nachricht auch?

  9. Hallo Tanja, wenn Du einer Person (z.B. @MaxMustermann) folgst, @MaxMustermann aber nicht Dir, kannst Du keine Direktmitteilung schicken, die nur Du und der Empfänger (also @MaxMustermann) zu Gesicht bekommen. Du kannst ihn aber indirekt anschreiben, indem Du @MaxMustermann in einem öffentlichen Tweet erwähnst. Die Twitter-Experten nennen das „Mention“ (Erwähnung). Ein Mention bekommen aber auch andere Leute mit, die Dir folgen. Ob das dann der von erwähnte @MaxMustermann tatsächlich liest, kann man natürlich nicht sagen. Er kann in der Twitter-Oberfläche im Brpwser und in der Twitter-App aber die Mentions vergleichsweise einfach sehen.
    Du kannst auch auf einen Tweet von @MaxMustermann antworten. So einen „Reply“, bei dem der Twittername @MaxMustermann am Anfang Deines Tweets steht, ist für den Erwähnten auch leicht zu orten.

  10. Anneliese Körber

    Ich möchte mich abmelden, wo kann ich das tun ?

    MfG
    Körber

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