YouTube-VideoID-System – Wie Google die Simpsons-Videos entfernt

Zunächst war die Apple-Satire der Simpsons noch auf YouTube zu sehen
Zunächst war die Apple-Satire der Simpsons noch auf YouTube zu sehen

Freunde der gepflegten US-Fernsehunterhaltung, die auf YouTube die Apple-Parodie des Fox-Comics „The Simpsons“ in der Folge „Mypods and Boomsticks“ sehen wollten, mussten sich beeilen. Das erste Video vom nachweihnachtlichen Besuch der Familie Simpson in der Shopping-Mall von Springfield, in der ein neuer „Mapple Store“ aufgemacht hatte, stand noch etliche Stunden lang online. Doch dann verschwand nicht nur das zuerst hochgeladene Video, sondern auch Varianten des Mitschnitts.

Gelöschtes Simpsons Video auf YouTube
Gelöschtes Simpsons Video auf YouTube

Inzwischen erkennt das bei YouTube in Kalifornien (Moutain View und San Bruno) sowie im europäischen Google-Lab in Zürich entwickelte VideoID-System bereits direkt nach dem Hochladen eines Simpsons-Videos durch einen User, dass es sich um eine Variante des geschützten Inhaltes handelt. Zuvor hatte der Rechteinhaber, in diesem Fall die Fox Broadcasting Company, YouTube eine Referenzdatei zur Verfügung gestellt. Aus dieser Datei erstellt YouTube eine Art Fingerabdruck, die ID-Datei. Dieses ID-File ist deutlich kleiner als die Videosequenz, die dadurch repräsentiert wird. Dieser Schritt ist notwendig, da bei YouTube inzwischen statistisch gesehen jede Minute Videomaterial in einer Länge von 13 Stunden hochgeladen wird. Das wäre so, als würde Hollywood jede Woche 57.000 abendfüllende Filme auf den Markt bringen.


Hätte die Fox Broadcasting Company ihre Simpsons-Folge schon vor der Ausstrahlung hochgeladen, wären die ersten Mitschnitte überhaupt nicht auf der Google-Video-Plattform zu sehen gewesen. Das VideoID-System benötigt nämlich nur 15 Minuten, um nach dem Hochladen der Referenzdatei die ID-Datei zu erstellen. Diese schnelle Reaktionszeit ist notwendig, um den Upload von geschützten Live-Inhalten, etwa Sportübertragungen, unterbinden zu können. Die Frage, wie die ID-Datei erstellt wird und aus welchen Informationen sie besteht, behandelt Google als Betriebsgeheimnis. Das System lässt sich auch nicht austricksen, wenn das Video gestreckt oder gestaucht wird, mit Einblendungen versehen wird oder nur Bruchstücke aus dem Original erscheinen.

Überblick über das VideoID-System von YouTube
Überblick über das VideoID-System von YouTube

Lädt ein User nun sein Videomaterial hoch, wird auch davon eine ID-Datei erstellt. Diese wird dann mit den Einträgen der Rechteinhaber in der ID-File-Datenbank verglichen. Entdeckt das System eine übereinstimmende ID, heißt das nicht unbedingt, dass das User-Video automatisch gelöscht wird. Die Rechteinhaber können selbst bestimmen, was mit den Inhalten passieren soll. Die meisten Content-Eingner entscheiden sich derzeit für eine Monetarisierung ihrer Inhalte. Sie lassen also zu den von den Usern hochgeladenen Videos auf YouTube Werbebanner einblenden oder werben für den Kauf von DVDs. Google und die Rechteinhaber teilen sich dann die Einnahmen.

Zu den bekanntestes Partnern von YouTube, die sich für diesen Weg entschieden haben, gehört die britische Komiker-Truppe Monthy Python. Nachdem sie jahrelang zugeschaut haben, wie ihre Sketche unerlaubt auf YouTube hochgeladen und massenhaft angeschaut wurden, hat das britische Comedy-Team nun einen eigenen YouTube-Channel eröffent.

httpv://www.youtube.com/watch?v=OGqX-tkDXEk

Als Gegenleistung von den Usern erwarten die Komiker nun „none of your driveling, mindless comments. Instead, we want you to click on the links, buy our movies and TV shows and soften our pain and disgust at being ripped off all these years.“

Andere Rechteinhaber wollen oder können mit ihren Inhalten keine Werbeerlöse auf YouTube erzielen. Dazu gehören beispielsweise etliche öffentlich-rechtliche TV-Sender in Europa. Sie können sich aber auch bei dem VideoID-System anmelden und verfolgen, wie sich ihr Publikum auf YouTube zusammensetzt. Dabei erhalten über den Service YouTube Insight Sie Informationen über Altersgruppen und Geschlechter, die geografische Verteilung und die Zeiträume, in denen das Video besonders häufig abgerufen wurde.

Die folgenden Screenshots zeigen YouTube Insight für ein von mir hochgeladenes Video, das ein Steve-Ballmer-Interview von Guy Kawasaki von der Entwicklerkonferenz Mix’08 zeigt und mittlerweile über 160.000 mal bei YouTube abgerufen wurde:

YouTube Insight: Welche Nutzer schauen die Videos an?
YouTube Insight: Welche Nutzer schauen die Videos an?
YouTube Insight: Räumliche Verteilung der User
YouTube Insight: Räumliche Verteilung der User

Weiterhin kann man mit YouTube Insight das Video selbst analysieren. Welche Stelle des Videos sind besonders populär und werden wiederholt angeschaut. An welchen Stellen steigen die User vermehr aus oder stoppen das Video?

YouTube Insight: Analyse der Video-Performance
YouTube Insight: Analyse der Video-Performance

Sollte sich der Rechteinhaber entschieden haben, seine von YouTube-Usern hochgeladenen Inhalte löschen zu lassen, bekommt der betroffene Anwender per E-Mail einen Hinweis. Auf diese Mail hin kann er zehn Tage lang über seinen YouTube-Account Widerspruch gegen die Sperrung einlegen, wenn er beispielsweise der Meinung ist, dass ein kleiner Ausschnitt einer Sendung in seinem Land unter die „Fair-Use“-Zitatbedingungen fällt, wie sie beispielsweise in den USA rechtlich festgeschrieben sind.

Die Fans der Simpson, die ihre Freunde und Bekannten auf die Apple-Satire in der Folge „Mypods and Boomsticks“ hinweisen wollten, haben inzwischen einen Ausweg gefunden. Sie posteten das inkriminierte Video bei anderen Services wie Dailymotion Sevenload, die nicht über eine so strikte Copyright-Kontrolle wie YouTube verfügen:

Link: Simpsons Mock Apple The Simpsons - Mapple Store


 

fscklog: The Simpsons – ein Besuch im MApple Store (Video) [Update_4]

Update: Den Hörern des RBB-Jugendradios Fritz habe ich am 6. Dezember in der Sendung Trackback erklärt, wie YouTube die Simpsons-Videos erkennt.
TRB 106: YouTube, Mixtape, Datenschutz, AdventskalenderbeiTrackback

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20 comments

  1. starker artikel, danke! 🙂 Wusste nicht, dass die schon über ein so ausgefeiltes System verfügen.

  2. Was ist mit http://www.youtube.com/watch?v=G7CUFPkjXRs?
    Das sieht mit genau dem Video aus.

  3. @ Andy

    Ich bekomme beim Klick auf diesen Link nur eine Fehlermeldung
    „Die URL enthält eine fehlerhafte Video-ID.“

    Update: Wenn man in Deinem Link das Fragezeichen am Ende rausnimmt, dann erscheint das Video.

    Nun, vielleicht hat Fox inzwischen seine Policy geändert und lässt die Simpsons-Folge nun drin. Ich werde das mal beobachten.

  4. danke für den informativen artikel!

  5. Andy, das ging schnell: „Dieses Video ist aufgrund des Urheberrechtsanspruchs von FOX nicht mehr verfügbar.“. Das scheint den Artikel eher zu belegen als zu widerlegen :-).

  6. @ Andy
    @ Christian
    Ja, inzwischen ist nur noch das zu sehen:

  7. Spitzen Artikel, danke, sehr interessant!

  8. Das ist echt zum Kotzen, yotube führt (auf Druck der Industrie) dieses Content-ID-system ein – und wir User können uns nichtmal dagegen wehren.

    So macht youtube keinen Spaß mehr, beim Uploaden immer Angst haben zu müssen, dass irgendwas blockiert oder verboten wird.

    Ich meine: Wieviel Prozent beim gängigen Youtube-Inhalt sind wirklich selbstgefilmte Sequenzen oder Urlaubsvideos?? „Come on!“.
    – Als ob es der Indstrie dadurch schlechter ginge, wenn Fans ihre Lieblingsvideos oder Trailer bzw. kurze Sequenzen aus ihren Lieblingsfilmen oder -serien zur Schau stellen(!!). Ich persönlich gehe sogar soweit, zu behaupten, dass es in vielen Fällen sogar eine gratis Werbung ist.
    Da gibt es wahrlich andere Ursachen für Umsatzeinbußen.
    Wie blind ist denn bitte die Unterhaltungsbranche??

    Wie gesagt, es macht keinen Spaß mehr; weder als yt-Konsument noch als „Contributor“ (Uploader) dort.

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