Microsoft Bob lebt!

Von | Microsoft, Personal Tech, Tech History

Microsoft-Entwickler Ben Armstrong (“Virtual PC Guy“), der für das Macintosh-Team des Software-Giganten arbeitet, hat der Web-Gemeinde Microsofts peinlichstes Software-Projekt, BOB, in Erinnerung gebracht.

Microsoft BOB

BOB war eine grafische Benutzerumgebung, die über Windows 3.11 und Windows 95 gestülpt wurde.  Das Projekt sollte die klassische Schreibtisch-Oberfläche ersetzen, wie sie 1984 durch den Apple Macintosh auf dem Massenmarkt etabliert wurde. Stattdessen sollte der User von Cartoon-Figuren durch ein virtuelles Haus geführt, in dem die verschiedenen Anwendungen durch Einrichtungsgegenstände repäsentiert werden. BOB nervte selbst die überzeugtesten Microsoft-Fans so sehr, dass die Entwicklung von BOB Ende der neunziger Jahre stillschweigend eingestellt wurde.

Armstrong wählte BOB aus, um “Virtual PC” für Mac OS X auf die Nagelprobe zu stellen. BOB lief ohne Probleme unter dem Windows-PC-Emulator und bescherte der der Unit ein neues T-Shirt: “In the end – we ended up making internal team shirts for Virtual PC which had written on the front ‘What about BOB?’ – and on the back ‘BOB has found a new home, Microsoft Virtual PC 2004, Yes – it even runs BOB’.”

Nach der Veröffentlichung in Armstrongs Weblogs griff die Site Windowsbeta BOB auf. Und schließlich kippte SPIEGEL ONLINE einen Kübel Häme über BOB aus. “Die Software (war) spitze darin, den PC-Nutzer zu derangieren und auszubremsen. Wer Bob startete, musste zunächst einem Cartoon-Retriever namens Rover Rede und Antwort stehen und hilflos zuschauen, wie dieser in aller Seelenruhe aus dem Bild schlich. Das goldfarbene Hündchen, das Novizen nach Vorstellung der Entwickler mit Rat und Tat zur Seite stehen sollte, entpuppte sich zudem als nervtötende Labertasche. Eine Kostprobe: ‘Mein Name ist Rover, ich komme aus Redmond, Washington, Ich fresse gerne Essensreste und wenn ich nicht hier bin, halte ich mich am liebsten im Garten auf.’ Dabei war Müllschlucker Rover noch das angenehmste Mitglied der ‘fabelhaften Gang persönlicher Führer’ (O-Ton), die Microsoft auf seine Nutzer losließ. Zur Wahl standen unter anderem eine bierbäuchige, Gitarre spielende Ratte (Scuzz), ein psychedelisch dreinschauendes Glühwürmchen (Blythe), ein koffeinsüchtiger Dinosaurier (Java) und, besonders originell, ein namenloser Unsichtbarer. Wie all dies dem User helfen sollte, blieb Redmonds Geheimnis.”

Projektmanagerin für BOB war die Microsoft-Programmiererin Melinda French, die später Bill Gates heiratete. Vielleicht ist das der Grund, warum die Nachfolger des nervenden BOB in Produkten wie Microsoft Office („Clippy“) und Windows XP („Assistent“) überlebt haben.

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