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Von | Microsoft

Es wird bei Microsoft also bald eine Ära nach Bill Gates geben. Gut 30 Jahre nach der Gründung des Unternehmens mit Paul Allen kündigte Gates gestern Abend seinen Abschied auf Raten an. 

Bill Gates und Christoph Dernbach

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Foto: privat

Zu Besuch bei Bill Gates

Ich habe Bill Gates zum ersten Mal am 25. August 1995 getroffen. An diesem Tag waren Journalisten aus aller Welt waren nach Redmond gekommen, um die fulminante Einführung von Windows 95 zu erleben. Bei der großen Show auf dem Microsoft-Campus heizte TV-Star Jay Leno das Publikum ein und half Gates dabei, seine Nervosität zu überspielen.Ich war damals mindestens so aufgeregt wie Gates, denn ich hatte meinen ersten Einsatz als Technologie-Korrespondent der dpa in den USA.Der Hype, den die Microsoft-Leute damals entfacht hatten, war gigantisch. Am Abend nach der Show war ich zu einer Filiale von CompUSA in Seattle gefahren, wo die Menschen vor Mitternacht in langen Schlangen vor dem Laden warteten, um endlich Windows 95 kaufen zu können. Ein junger Mann stammelte mit der Windows-95-Schachtel in der Hand später in die Kameras, er habe überhaupt keinen Computer. Aber an diesem Abend habe er unbedingt dabei sein wollen.Einige Wochen später lud Gates erneut die Weltpresse ein, um die neue Internet-Strategie von Microsoft zu verkünden. Der 7. Dezember 1995 ist als “Pearl Habor Day” in die Geschichte der Softwareindustrie eingegangen, denn Gates verglich damals den Vorstoß von Netscape mit dem Angriff der Japaner auf die USA. “Der schlafende Gigant ist aufgewacht.” Nach dem eigentlichen Presse-Briefing setzte sich Gates in der Mittagspause an einen riesigen, runden Tisch, an dem die Journalisten ihre Sandwichs aßen und stellte sich den Fragen der IT-Reporter. So nah im wahrsten Sinn des Wortes bin ich Gates später nur noch drei Mal gekommen.Gates ist für Journalisten kein einfacher Interview-Partner. Er ist blitzgescheit, ungeduldig und denkt im Gespräch immer zwei Züge voraus. Und wenn die Fragen mal unbequem werden, weicht er schnell auf andere Felder aus. Etliche Jahre später bei einem Pressegespräch am Rande der Consumer Electronics Show hat er mir minutenlang einen Vortrag gehalten, wie gut die Beziehungen von Microsoft zu Sony und Philips sind, nur weil ich in einer Frage erwähnt hatte, dass die meisten TV-Geräte mit einer Windows Media Center Software von No-Name-Herstellern aus Asien stammen.  Ob ich denn nicht wüsste, dass die Sony Vaio PCs unter Windows laufen? Okay, das hatte ich auch nicht behauptet. Solche Gesprächssituationen ließen ahnen, wie Gates mit Mitarbeitern umgeht. “That’s the stupidest f’ing thing I’ve ever heard!“ soll zu seinen Standard-Sprüchen gehören. Bei aller Kritik an seinem Führungsstil und seinen Wettbewerbspraktiken muss man aber über Bill Gates zwei Dinge festhalten. 1. Er hatte vor 30 Jahren eine Vision, die tatsächlich eine komplette Industrie begründet hat. Das Ökosystem Microsoft, zu dem viele Partner gehören, ist ohne Bill Gates nicht denkbar. 2. Bill Gates hat vielleicht mit Windows, Office und anderen Microsoft-Produkten zu viel Geld verdient. Doch im Gegensatz zu anderen Multimilliardären war er sich immer seiner gesellschaftlichen Verantwortung bewusst und hat mit der Bill & Melinda Gates Foundation einen Weg gefunden, mit seinen Microsoft-Milliarden etwas Gutes für die Benachteiligten der Welt zu tun. Einen guten Überblick über die aktuellen Reaktionen aus den angekündigten Rückzug von Gates hat der Seattle Post Intelligencer zusammengestellt.—–

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