Testbericht BlackBerry Torch: RIM kriegt gerade nochmal die Kurve

Die aktuellen Smartphone-Marktanteile (Canalys)
Die aktuellen Smartphone-Marktanteile (Canalys)

Ein Blick auf die aktuellen Zahlen des Smartphone-Marktes dürfte den Verantwortlichen beim Blackberry-Hersteller RIM Kopfschmerzen bereiten: Nach einer Untersuchung des Marktforschungs- unternehmens Canalysis sank der Marktanteil der RIM-Smartphones im 2. Quartal 2010 auf 18 Prozent, nachdem er in den ersten beiden Quartalen des Vorjahres noch stabil bei 21 Prozent gelegen hatte.

Eine Trendwende verspricht sich RIM-Präsident Mike Lazaridis von dem neuen BlackBerry Torch und dem runderneuerten Betriebssystem BlackBerry 6. „Das ist eine der wichtigsten Produktvorstellungen in der Geschichte von RIM“, sagte Lazaridis auf dem Launch-Event von RIM und AT&T. Der US-Telekomriese ist weltweit der erste Mobilfunkprovider, der den BlackBerry Torch im Programm haben wird. Bei AT&T kostet das Gerät zusammen mit einem Zwei-Jahres-Vertrag 200 Dollar. Die UMTS-Tarife für den Torch in Deutschland stehen derzeit noch nicht fest, können später aber auf Websites wie Onlinekosten.de verglichen werden.

Hierzulande hat offenbar noch kein Journalist den BlackBerry Torch testen dürfen. Daher greife ich hier auf Erfahrungen der US-Kollegen zurück, die das neue RIM-Smartphone schon einige Wochen lang ausprobieren durften.

Zunächst das wenig überraschende Ergebnis: RIM versucht mit dem Torch offenbar erfolgreich, die traditionellen Stärken des BlackBerry zu bewahren. Dazu gehört ein robustes E-Mail-Programm, eine erstklassige Sicherheits-Ausstattung (die manchen arabischen Staaten in diesen Zeiten offenbar zu sicher erscheint), eine gute Hardware-Tastatur und eine ausreichend gute Batterielaufzeit. Die RIM-Verantwortlichen haben aber angesichts der Erfolge der Android-Smartphones und des iPhones erkannt, dass diese taditionellen Stärken nicht ausreichen, um die bestehenden Kunden bei der Stange zu halten oder gar neue Kunden zu gewinnen.

Mit dem neuen Betriebssystem BlackBerry 6 steigt RIM nun auf die Browser-Plattform WebKit um, die auch bei Android und dem iOS von Apple verwendet wird. Das ist ein großer Fortschritt gegenüber dem java-basierten Browser der bisherigen BlackBerry-Modelle. Mit dem neuen Browser kann man nun auch mehrere Fenster gleichzeitig öffnen und mit einer Fingerspreitzbewegung Details heranzoomen. Der neue BB-Browser reagiert auch auf einen Doppel-Tab mit dem Finger und formatiert die Spalten einer Website auf ein lesbares Format. Edward C. Baig von der USA Today hat aber zwei Dinge zu bemängeln. Zum einen erschien ihm der Browser im Vergleich zu anderen WebKit-Umsetzungen ziemlich langsam. Zum anderen seien die normalen Websites zunächst kaum zu erkennen gewesen, da die Auflösung des Bildschirms beim BlackBerry Torch mit seiner halben VGA-Resolution (480×340 Pixel) weit von der Auflösung des neuen iPhone 4 von Apple (960×640 Pixel) entfernt sei, Erst nach dem Heranzoomen habe man die Texte erkennen können.

Mit dem neuen Betriebssystem erhält der Blackberry auch die „universelle Suche“, mit der man auf einen Rutsch alle Inhalte des Smartphones (egal ob Kontakt, E-Mail, Bilder, Web-Seite , Songs oder Programme) dursuchen kann. Dieses Feature hatte ursprünglich Palm mit seinem WebOS eingeführt.

Social-Media-Programme auf dem BlackBerry Torch
Social-Media-Programme auf dem BlackBerry Torch

Auch in Sachen Multimedia hat der Blackberry zugelegt. Die Musikauswahl auf dem Torch wurde stark der entsprechenden Apple-Funktion auf dem iPhone nachempfunden. Über „Music WiFi“ können Lieder drahtlos mit einem PC abgeglichen werden. Mit einem Mac funktioniert das (noch) nicht.

Zugelegt hat RIM auch bei der Kamera, die nun mit einem Bildstabilisator ausgestattet ist. Allerdings zeichnet die 5-Megapixel-Kamera Videos nur in VGA-Auflösung auf, während das iPhone 4 hier bereits HD-Qualität (bis zu 720p) anbietet.

Einfacher ist künftig auch der Zugang der BlackBerry-besitzer zu (externen) Programmen, da RIM den zugang zur „BlackBerry App World“ gleich vorinstalliert. Darüber können nun Programme gekauft oder kostenlos heruntergeladen werden. In der Blackberry App World stehen derzeit rund 9000 Programme bereit, viel weniger als im Android Marketplace (70.000) oder im iTunes Stor von Apple (225.000). An dieser Stelle muss aber auch erwähnt werden, dass die Qualität der Software-Angebote für die unterschiedlichen Apps-Plattformen nicht allein von der Anzahl der verfügbaren Programme abhängt, sondern auch die jeweilige Qualität der Apps und ihr Preis berücksichtigt werden muss.

Das Betriebssystem BlackBerry 6 wird künftig auf allen neuen BlackBerry-Modellen ausgeliefert. Besitzer der älteren Modelle Bold 9700, 9650 und Pearl 3G werden laut Hersteller ein Urgrade vornehmen können.

Hier die zusammenfassenden Urteile der Tester in den USA:

Walt Mossberg (Wall Street Journal):

Overall, the Torch and the BlackBerry 6 operating system are good products that improve the BlackBerry experience considerably and bring the device closer to its newer rivals.

Bonnie Cha, CNet:

Though performance could be better and it could stand for some hardware upgrades, the RIM BlackBerry Torch 9800 and BlackBerry OS 6 offer much-needed improvements to stay in step with the competition, and keep BlackBerry enthusiasts happy.

Edward C. Baig, USA TODAY:

Pro: Combines physical keyboard with multitouch screen and track-pad. BlackBerry 6 OS. Universal search. Wireless music sync. Feels solid. Brings BlackBerry strengths like strong e-mail and messaging, security and battery life. Social feeds.
Con: Screen is smaller and at lower resolution than rivals. Fewer apps than Apple and Android. Doesn’t shoot high-def video.

Joshua Topolsky, Engadget.com:

It’s tough to feel really excited about the BlackBerry Torch and OS 6 after heavy testing. We had high hopes coming into this review that the new operating system would be more than a fresh coat of paint on an aging user experience — that we were going to see substantial changes in the attitude and direction of the company. While there are notable improvements here and much that is laudable, what we’re ultimately left with is, at its core, more of the same. For all the improvements in the browser, the more upscale fit-and-finish of the UI, and the thoughtful changes in basic functionality, we still feel like this device is a generation behind the market. Instead of meeting the rising stars of the smartphone world (Apple and Google) head-on, RIM has taken something more like baby steps toward innovation. The company seems convinced that it’s got a better idea about what its customers want and how a smartphone should act in 2010, but we can’t say we agree. The Torch seems sluggish, underpowered, and dated from a hardware design standpoint, and BlackBerry 6, despite its new features and polish, still feels woefully behind the curve. To call the Torch the „best BlackBerry ever“ wouldn’t be an understatement, but unfortunately for RIM and the faithful, their best isn’t nearly good enough.

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