RIM-Chef Mike Lazaridis übt sich in Selbstsuggestion

Walt Mossberg hat nicht gerade das Image eines hartnäckig nachfragenden Journalisten. Eine Art Reinhold Beckmann des IT-Journalismus, nur älter und mit grauem Bart. Und auch seine Kollegin Kara Swisher geht die Gäste des WSJ-Events “All Things D” sonst nicht gearde frontal an. Doch in diesem Interview gelingt es den beiden Tech-Veteranen des Wall Street Journal, RIM-Chef Mike Lazaridis festzunageln. Dabei überrascht Lazaridis mit der Aussage, RIM habe mit dem Blackberry das Smartphone erfunden und der Browser des Torch biete ein tolles Surferlebnis.

Besonders gut arbeiten Mossberg und Swisher heraus, dass RIM offenbar gar nicht vorhat, das Blackberry-Phone auf das Niveau eines Android-Smartphones oder eines iPhones zu heben. Surfen, Apps, Multimedia verortet Lazaridis beim Blackberry-Tablet Playbook, während der traditionelle Blackberry vor allem ein Kommunikationsgerät bleiben werde. Und als Mossberg ihm vorhält, dass man damit in den USA oder Europa keinen Blumentopf mehr gewinnen könne, verweist Lazaridis auf die riesigen Märkte in Ländern wie Indien, die nicht flächendeckend mit 3G ausgestattet seien. Erinnert mich irgendwie fatal an die Strategie von Nokia, in den Schwellenländern präsent zu sein, während in den Kernmärkten USA und Europa andere Hersteller punkten.

TV-Doku: Das Drama um Wikileaks

Es ist nicht einfach, eine komplexe Geschichte wie das Wirken von Wikileaks und dem umstrittenen Gründer der Enthüllungsplattform, Julian Assange, fair und ausgewogen zu erzählen. Aber die schwedischen TV-Journalisten Bosse Lindquist und Jesper Huor ist genau dies gelungen. Sie haben die Wikileaks-Aktivitäten und -Aktivisten sechs Monate lang begleitet und daraus die sehenswerte TV-Doku “WikiRebels” gemacht. In der 60minütigen Reportage kommen neben Julia Assange auch ausführlich der ehemalige Wikileaks-Sprecher, Daniel Domscheit-Berg, zu Wort sowie Leute wie der Aktivist Smáry McCarthy und der TV-isländische Journalist Kristinn Hrafnsson, der in den vergangenen Monaten zu einem der prominentesten Sprecher des Whistleblowing-Projekts geworden ist. Hrafnsson hatte sich für das isländische Fernsehen intensiv mit dem Hubschrauber-Video auseinandergesetzt, das von Wikileaks veröffentlicht wurde und die Tötung von Zivilisten in Bagdad durch US-Soldaten zeigt. Interessant ist auch der Auftritt des ehemaligen Assange-Mitstreiters Herbert Snorrason, der später von Assage mit folgenden Worten verabschiedet wurde: “Ich bin Herz und Seele dieser Organisation. Wenn du ein Problem mit mir hast, dann verpiss dich.”

Update: Hier eine deutschsprachige Fassung, die am 19.12. 2010 im ORF ausgestrahlt wurde:

WikiLeaks – Rebellen im Netz from netzpolitik on Vimeo.

Mobile – das nächste große Ding im Internet

Eine sehenswerte Präsentation vom kompetenten und geschätzten Kollegen Holger Schmidt, Netzökonom der FAZ:

Zuckerberg: Games, Musik, Film, TV, News, Medien – In den kommenden 5 Jahren ändert sich alles

Es lohnt sich, eine Stunde Zeit zu nehmen, um den Auftritt von Mark Zuckerberg auf dem Web 2.0 Summit anzuschauen. Der Facebook-Gründer ist sich sicher, dass der Boom der Sozialen Netzwerke die gesamte Content-Industrie komplett umkrempeln wird. (Computer-)Spiele, Musik, Filme, Fernsehen, Nachrichten, der gesamte Medien-Sektor und auch der E-Commerce werde in den kommenden fünf Jahren komplett überdacht werden. Darauf könne man gute Geschäfte aufsetzen. Damit sagt Zuckerberg aber auch den traditionellen Playern den Kampf an:

Anything that involves content or specific expertise in an area – games, music, movies, TV, news, anything in media, anything e-commerce, any of this stuff.

Over the next five years, those verticals are going to be completely re-thought. There are going to be some really good businesses built.

Our view is that we should play a role in helping to re-form and re-think all those industries, and we’ll get value proportional to what we put in. In gaming, we get some percentage of the value of those companies through ads and credits. But that’s all because we’re helping them.

If we’re helpful to other industries in building out what would be a good solution then there will be some way we get value from that.

Firefox-Plugin der EFF schützt vor ‘Firesheep’

Die Electronic Frontier Foundation (EFF) hat ein Plugin für den Webbrowser Firefox veröffentlicht, mit dem man sich vor dem Cookie-Klau-Tool Firesheep schützen kann. Mit Firesheep kann sich ein Angreifer in öffentlichen Netzen Zugriff auf die Accounts anderer Netzwerknutzer bei Facebook und anderen Diensten verschaffen. Das Plugin “HTTPS Everywhere” sichert Web-Verbindungen über das HyperText Transfer Protocol Secure (dt. sicheres Hypertext-Übertragungsprotokoll) ab. HTTPS ist ein Verfahren, um Daten im World Wide Web abhörsicher zu übertragen.

“Mit der neuen Version des Plugins HTTPS Everywhere kann man viel effektiver einen Angriffs mit Firesheep oder einem ähnlichen Werkzeug vereiteln”, sagte EFF Senior Staff Technologist Peter Eckersley. “Es unternimmt einen wichtigen Schritt zum Schutz Ihrer Konten bei Facebook, Twitter oder Hotmail. Außerdem schirmt es wie frühere Versionen Ihre Google-Suchanfragen von Lauschern ab und sichert Ihre Zahlungen, die Sie über über PayPal vorgenommen haben.”

Das Plugin HTTPS Everywhere für Firefox kann hier heruntergeladen werden:
https://www.eff.org/https-everywhere

Firesheep stellt insbesondere bei der Verwendung von ungeschützten WLANs eine echte Gefahr da, denn es ist sehr einfach zu bedienen und dürfte inzwischen rund eine Millionen Mal heruntergeladen worden sein.

EFF Tool Offers New Protection Against ‘Firesheep’ | Electronic Frontier Foundation.