Absurdistan: Das ARD-Magazin Monitor und der neue Personalausweis

Die Bundesverwaltung und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik haben sich bei der Einführung des neuen Personalausweises nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Zumindest wies die Online-Software zum neuen “ePerso” (AusweisApp) eine gravierende Sicherheitslücke auf. Und ein Student aus Darmstadt benötigte nur wenige Stunden, um diese Lücke zu entdecken.

Nun berichtet das ARD-Magazin Monitor über einen neuen Skandal: “Absurdistan: Wie der neue Personalausweis Menschen umtauft” lautet die Schlagzeile.

Monitor-Moderatorin Sonia Seymour Mikich kündigte den TV-Beitrag mit diesen Worten an:

Willkommen, wir haben für Sie einiges ausgebuddelt, das Sie noch nicht kennen. Vielleicht mussten Sie auch schon so einen neuen Personalausweis bestellen, angeblich fälschungs- und missbrauchssicher. Den haben Datenschützer und Nutzer schon heftig moniert wegen zahlreicher Sicherheitslücken. Und jetzt ganz übel – Der neue Ausweis hat auch noch eine weitere Macke, eine Software-Macke. Und sie sorgt dafür, dass manch einer – tja – umgetauft wird.

Menschen mit mehreren Vornamen stellten “dieser Tage überrascht” fest, dass sie etwas anders heißen. Der Grund: Die neue Software der Bundesdruckerei berücksichtige keine Rufnamen mehr und weise von Amts wegen den Menschen ihren ersten Vornamen zu. Unbürokratische Hilfe sei nicht in Sicht. Denn wenn die Meldebehörden von sich aus etwas ändern wollten, wäre dies Urkundenfälschung. Millionen Menschen drohe deshalb künftig der Erklärungsnotstand.

Schaut man sich den Monitor-Beitrag dann an, fragt man sich jedoch, was diese Story mit dem neuen Personalausweis zu tun hat. Monitor-Kronzeuge Ulrich Spalthoff, 58 Jahre, aus Nortrup in Niedersachsen hat nämlich überhaupt keinen neuen Personalausweis mit dem falschen Vornamen bekommen, sondern noch den alten Perso.

Screenshot Monitor
Screenshot Monitor

Und auch auf der Website ist ein Bild vom alten Personalausweis mit dem falschen Rufnamen “Heinrich” zu sehen.

Ausriss Website ARD.de
Ausriss Website ARD.de

Zum Vergleich: So sieht der neue Personalausweis aus:

Der neue Personalausweis
Der neue Personalausweis

Was bleibt nun von der Monitor-Geschichte übrig? Nun, die aktuelle Version der Verwaltungssoftware zur Erstellung eines Personalausweises wurde so ausgelegt, dass im maschinenlesbaren Bereich nicht genügend Platz für alle Vornamen ist und nur der erste Vorname eines Bundesbürgers dargestellt wird. Und dieser ist in Ausnahmefällen nicht der Rufname des Ausweisinhabers. Auf dem Ausweis selbst sind aber alle Vornamen zu sehen. Das mag für die Betroffenen ärgerlich sein. Man kann das auch zum Thema eines Beitrags bei Monitor machen. Mit einem Skandal um den neuen Personalausweis hat die Story aber nun meiner Ansicht nach überhaupt nichts zu tun. Aber macht Euch selbst ein Bild. Ein Transkript des Beitrags steht hier.

DasErste.de – Monitor – Monitor vom 18.11.2010.

Microsoft hilft

Als Computer-Anwender wandle ich zwischen zwei Welten: Im Büro arbeite ich mit Windows-PCs, zu Hause habe ich mich vor Jahren für Apple und das Mac OS entschieden. Als Klammer zwischen diesen beiden Welten spielt Microsoft Office eine tragende Rolle, da diese Büro-Software auf beiden Plattformen verfügbar und auch mehr oder weniger kompatibel ist. Vor diesem Hintergrund schenke ich neuen Versionen von Microsoft Office für Mac eine besondere Aufmerksamkeit.

Beim Test des neuen Microsoft Office 2011 für den Mac fiel mir beim Test auf, dass es nicht ohne weiteres möglich ist, eine Verbindung zu einem Microsoft Exchange Server außerhalb des Firmennetzwerks (oder VPN-Tunnels) aufzubauen. In der Windows-Version von Outlook 2010 findet man unter Kontoeinstellungen/E-Mail/Verbindungen die Option „Von beliebiger Stelle aus auf Outlook zugreifen“. Man kann bei „Verbindung mit Microsoft Exchange über HHTP herstellen“ ein Häkchen setzen und dann die Exchange-Proxyeinstellungen aufrufen und konfigurieren. Damit kann man von einer beliebigen Internet-Verbindung aus auf den Exchange-Server in der Firma zugreifen.

Beim neuen Office-Paket 2011 für den Mac scheint es in Outlook diese Option nicht zu geben, obwohl der Outlook-Vorgänger Entourage den Zugriff via https beherrschte. Oder habe ich diese Option einfach nur übersehen?
Diese Frage wollte ich klären, nachdem ich einen Tweet des Microsoft-Managers Boris Schneider-Johne sah:

Die Antwort von Boris Schneider-Johne ließ nicht lange warten.

Damit war ich der Antwort auf meine Frage zwar nicht näher gekommen. Ich hatte aber großes Verständnis dafür, dass der Xbox-Manager keine Detail-Fragen zu Outlook 2011 für den Mac beantworten kann. Damit hatte ich den Twitter-Vorstoß in Sachen Outlook 2011 schon abgehakt, zumal auch aus der mitlesenden Follower-Gemeinde keine weiteren Hinweise kamen. Doch nun meldete sich ein mir bislang nicht bekannter Twitter-Account “Microsoft hilft”

Der Aufforderung von “Microsoft hilft”, dem Account für eine direkte Kommunikation zu folgen, bin ich dann gerne nachgekommen. Per Direct Message wurde ich dann kontaktiert:

Ich habe dann mein Anliegen an die genannte Adresse geschickt:

Von: Dernbach, Christoph
Gesendet: Mittwoch, 3. November 2010 13:38
An: ‘kunden@microsoft.com’
Betreff: WG: Direct message from Microsoft Hilft

Hallo,
es geht um das neue Microsoft Office 2011 für den Apple Macintosh (insb. die Anwendung Outlook) und die Verbindung zu einem Exchange-Server 2007. Bei der Windows-Version von Outlook 2010 besteht die Möglichkeit, eine Verbindung auch außerhalb einer direkten Domain-Einbindung über https herzustellen. In der Windows-Version von Outlook findet man unter Kontoeinstellungen/E-Mail/Verbindungen die Option „Von beliebiger Stelle aus auf Outlook zugreifen“. Man kann bei „Verbindung mit Microsoft Exchange über HHTP herstellen“ ein Häkchen setzen und dann die Exchange-Proxyeinstellungen aufrufen und konfigurieren. Ich bin nun auf der Suche nach genau dieser Konfigurationsmöglichkeit in der Mac-Version von Outlook, die Bestandteil des Office-Pakets 2011 ist.

Beste Grüße

Christoph Dernbach

Am Ende dieser Anfrage habe ich dann noch die Direct Message von “Microsoft hilft” angefügt, damit klar war, worauf ich mich beziehe. Sechs Tage später habe ich dann diese Anwort erhalten:

Von: Microsoft Kundenbetreuung [mailto:CNTUS.PRSL.EU.DE.DE.SIT.SOF.CS.T01.CUS.00.EM@css.one.microsoft.com]
Gesendet: Dienstag, 9. November 2010 09:55
An: Dernbach, Christoph
Betreff: RE: SRX1141983348ID – WG: Direct message from Microsoft Hilft

Sehr geehrter Herr Dernbach,

bei Ihrer Anfrage vom 03.11.2010 zum Thema Microsoft Office handelt es sich um technischen Support.

Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass wir per E-Mail keine technischen Fragen beantworten oder weiterleiten können. Mit unserem umfangreichen Support-Angebot bieten wir eine einfache und schnelle Unterstützung bei der Lösung von Installations- und Anwendungsfragen. Sie erhalten hier direkte und klar verständliche Unterstützung, dank persönlicher Beratung durch unsere Support-Spezialisten.

Für die meisten Vollprodukte, die Sie im Fachhandel erwerben können, bietet Microsoft die Möglichkeit, kostenlose technische Anfragen an Supportspezialisten zu stellen. Neben Anfragen zur Installation und Einrichtung können Sie auch Anfragen zur Bedienung (ohne Programmierung und Serveranfragen) stellen.

Um schneller zu dem Produkt zu gelangen für welches Sie Support benötigen, nutzen Sie bitte den folgenden Link:

http://support.microsoft.com/selectindex/default.aspx?target=assistance

Auch telefonisch erreichen Sie unsere Kollegen vom Standard-Support unter der Nummer: 01805 67 22 55 (0,14 pro Euro/Minute aus dem Festnetz der Deutschen Telekom). Sie erreichen uns von Montag bis Freitag von 8.00 Uhr bis 18.00 Uhr und Samstag von 9.00 Uhr bis 17.00 Uhr.

Wenn Sie weitere Fragen oder Wünsche haben, stehen wir Ihnen gern zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen,
Ihre Microsoft Privatkundenbetreuung

Online: http://support.microsoft.com/contactus/
Telefon : 01805 / 67 22 55 (0,14 Eur pro Min. aus dem deutschen Festnetz; maximal 0,42 Euro pro Minute aus den Mobilfunknetzen)
Telefax: 01805 / 25 11 91 (0,14 Eur pro Min. aus dem deutschen Festnetz; maximal 0,42 Euro pro Minute aus den Mobilfunknetzen)
Microsoft Deutschland GmbH

Konrad-Zuse-Straße 1, D – 85716 Unterschleißheim

http://www.microsoft.com/germany

Geschäftsführer: Ralph Haupter (Vorsitzender), Achim Berg, Marcel Schneider, Benjamin O. Orndorff, Keith Dolliver

Damit bleibt meine Frage nach der Unterstützung von https-Verbindungen zwischen Outlook 2011 und einem Exchange-Server unbeantwortet. Vielleicht erreiche ich ja auf diesem Weg einen Experten, der die Frage beantworten kann. Es geht um die Funktion, die in diesem Screenshot von Outlook 2010 für Windows zu sehen ist.

Wenig Durchblick im Maschinenraum: CCC-Sprecherin beklagt “vollständige Gängelung”, die es so gar nicht gibt

Constanze Kurz, die Sprecherin des Chaos Computer Clubs (CCC) sieht schwarz. “Die vollständige Gängelung rückt nahe“, schreibt sie in der FAZ – und macht vor allem die Strategie von Apple dafür verantwortlich. “Kaufe, was Du willst, aber tue damit nur, was Dir vorgeschrieben wird!” Apple habe eine “Strategie der ummauerten Gärten für Mobiltelefone durchgesetzt”. Jetzt drohe die Bevormundung der Kunden auch auf dem Feld der Personal Computer Einzug zu halten.

Nehmen wir an, ein bekannter Automobilhersteller kündigt ein brandneues Geschäftsmodell an: schicker Kleinwagen, sparsam im Verbrauch, beste Fahreigenschaften, günstiger Preis. Der Haken: Man kann den Wagen ausschließlich mit dem Kraftstoff eines bestimmten Mineralölkonzerns betreiben, muss also dessen Tankstellen ansteuern. Gleich beim Verkauf wird das Umgehen der technischen Vorrichtungen, die sicherstellen, dass nicht heimlich der Konkurrenz-Diesel gezapft wird, vertraglich ausgeschlossen und für illegal erklärt. Wer würde schon so ein Auto kaufen?

Die Antwort auf die Frage von Constanze Kurz im Feuilleton der FAZ fällt natürlich nicht schwer. Niemand würde so ein Auto kaufen. Doch in der Mobiltelefonbranche seien solch absurde Geschäftsmodelle gang und gäbe.

Die modernen Formen des Fernsprechers sind im Kaufpreis gesenkt, dafür muss sich der Kunde vertraglich an einen Mobilfunkanbieter binden. Doch die Telefonverkäufer gehen noch einen Schritt weiter. Apple schreibt den Kunden nicht nur vor, mit welchem Mobilanbieter sie zu telefonieren haben. Selbst die Auswahl der auf dem iPhone installierbaren Software wird kontrolliert.

Werbung im Apple-Store für ein iPhone ohne SIM- oder Net-Lock
Werbung im Apple-Store für ein iPhone ohne SIM- oder Net-Lock

Da scheinen aber die wichtigsten Nachrichten aus der Telekom-Branche der vergangenen Wochen an der CCC-Sprecherin vorbeigegangen zu sein. Das iPhone wurde zwar im Jahr 2007 in den USA und auch in Deutschland zunächst mit einem exklusiven Vermarktungsparner in die Läden gebracht. Aber in den meisten Ländern war das iPhone von Anfang an bei mehreren Providern und auch ohne Netzsperre zu haben. Und seit dieser Woche verkauft Apple das iPhone im eigenen Apple-Store ohne Net-Lock oder SIM-Lock. Und auch bei O2 kann man das iPhone ohne einen Mobilfunkvertrag kaufen und mit einer SIM-Karte eines beliebigen Providers in Betrieb nehmen. In Berlin, wo die CC-Sprecherin lebt und arbeitet, kann man in diesen Tagen keine 200 Meter gehen, ohne auf eine Werbung für ein “freies iPhone 4″ zu stoßen. Und auch das AT&T-Monopol in den USA, das ohnehin am Markt durch Grau-Importe aus Asien und Europa unterlaufen wurde, steht vor dem Ende.

Nachdem die (falsche) These von der Zwangskopplung von Hardware-Kauf und Providerauswahl aufgestellt wurde, regt sich Constanze Kurz über die Ermittlungen gegen 600 Telefonkäufer, die den sogenannten SIM-Lock ihres Mobiltelefons entfernt hatten.

Damit befreien sie sich von dem Zwang, mit einem bestimmten Anbieter zu telefonieren. Strafbare „Geheimnishehlerei“ und „Datenveränderung“ lautet der umstrittene, weil reichlich konstruierte Vorwurf.

Es fehlt allerdings der Hinweis, dass die Besitzer dieser Edel-Handys diese Geräte in der Regel für einen symbolischen Preis von einem Provider bekommen – und sich im Gegenzug dazu verpflichtet hatten, sich auf einen gewissen Zeitraum vertraglich an den Mobilfunkanbieter zu binden. Ich kann mir gut vorstellen, dass der CCC Spaß an der Vorstellung des 1-Euro-iPhones für alle hätte, bei dem der Mobilanbieter frei ausgewählt werden kann. Man muss aber auch Verständnis dafür haben, dass die Telekom keinen Spaß daran hat, iPhones für einen Euro zu verteilen, die dann mit einem Discounter-Tarif betrieben werden. Wer die Freiheit der Tarifauswahl haben möchte, muss sich sein iPhone halt unsubventioniert kaufen.

Beim Vorwurf der “vollständigen Gängelung” geht es Constanze Kurz aber nicht nur um die Frage, ob und wie man ein Smartphone ohne Netzsperre bekommen kann. Für die CCC-Sprecherin ist nur schwer erträglich, wie die Auswahl der auf dem iPhone installierbaren Software kontrolliert wird.

Alles, was nicht vollständig mit der typisch amerikanischen, disneyesken Familienfreundlich-Ideologie harmoniert, wird nach Gutdünken ausgeschlossen. Damit nicht genug: Programme, die Apples Vorstellung davon verletzen, wie für das iPhone zu programmieren ist oder gar in Konkurrenz zu hauseigener Software treten, werden nicht zugelassen. Wer würde schon so ein Mobiltelefon kaufen? Es sind Millionen Menschen weltweit.

Über die Zulassungskriterien zum iTunes-App-Store kann man tatsächlich trefflich streiten. Constanze Kurz macht sich aber nicht die Mühe, die Vor- und Nachteile des regulierten Software-Ladens von Apple zu würdigen. Apple-Chef Steve Jobs geht es bei seinem Modell nicht in erster Linie darum, “der typisch amerikanischen, disneyesken Familienfreundlich-Ideologie” den Weg zu bereiten, auch wenn Jobs inzwischen (wegen des Verkaufs seiner Trickfilm-Firma Pixar an Disney) der größte Aktionär des Disney-Konzerns ist.

3 Gründe, warum eine App zurückgewiesen wird
3 Gründe, warum eine App zurückgewiesen wird

Der Apple-Chef hat zu verschiedenen Anlässen immer wieder betont, dass Apple vorallem verhindern möchte, dass iPhone-Besitzer sich mit unausgereifter oder gar gefährlicher Software auf ihren Smartphones herumschlagen müssen. Die meisten Apps, die nicht in den iTunes-Store aufgenommen wurden, seien entweder ständig abgestürzt oder hätten nicht das gemacht, was in der Beschreibung der Software angegeben worden sei.

Natürlich verfolgt der Apple-Chef auch weniger hehre Ziele. So will Apple verhindern, dass eine Programmier-Umgebung wie Adobe Flash bzw. Air auf dem iPhone eingesetzt wird. Das hat sicherlich auch mit den Sicherheitslücken in der Adobe-Software zu tun, die immer wieder auftauchen. Vor allem will Apple aber vermeiden, dass durch die Hintertür das Bedienkonzept der iOS-Geräte ausgehebelt und durch eine andere Oberfläche ersetzt wird. Dass man dabei sich auch noch eine weitere Umsatzquelle erschließt, spielt sicherlich auch eine Rolle, ist aber aus meiner Sicht nicht maßgeblich. Apple erhält von den Umsätzen aus dem App-Store 30 Prozent – und muss dafür aber das gesamte Inkasso (inkl. Ausfallrisiko) übernehmen und sich um das Hosting der Apps kümmern. Vor diesem Hintergrund ist der App-Store in iTunes nicht die Cash-Cow des Konzerns.

Nachdem der kalifornische Konzern wegen umstrittener Rückweisungen von Apps immer wieder in der Kritik stand, hat Apple vor einigen Wochen neue App Review Guidelines, die zumindest in Klartext festschreiben, was Apple erlaubt und was nicht. Im Gegensatz zu den Einlassungen von Constanze Kurze zwingt Apple die Anwender nun nicht mehr dazu, allein das iOS-SDK von Apple zu verwenden, das nur auf einem Mac läuft.

Mit den neuen Guidelines von Apple setzt Apple aber den Entwicklern schon feste Grenzen, über die man kontrovers debattieren kann:

  • Wir sehen einen Unterschied zwischen Apps und Büchern oder Songs, die wir nicht bewerten. Wenn Du eine Religion kritisieren möchtest, schreibe ein Buch
  • Wir haben über 25.000 Anwendungen im Apps Store. Wir brauen keine weiteren Furz-Apps. Wenn Deine App nicht etwas Nützliches macht oder irgendeine Form nachhaltiger Unterhaltung (“lasting entertainment”) bietet, wird sie vielleicht nicht akzeptiert.
  • Wenn Deine App so aussiehts, als hättest Du sie in ein paar Stunden zusammengeschustert (“cobbled together”) oder wenn Du Deine erste Übungs-App im Store unterbringen möchtest, um Deine Freunde zu beeindrucken, bereite Dich bitte auf eine Absage vor. Wir haben jede Menge ernsthafte Entwickler, die ihre Qualitäts-Apps nicht von Amateur-Stücken umgeben wissen wollen.
  • Wir werden Apps zurückweisen, wenn der Inhalt oder das Verhalten der App eine Linie überschreitet. “Welche Linie”, fragst Du? Nun, wie ein Richter am Supreme Court einmal gesagt hat: “Ich werde das wissen, wenn ich sie sehe.” Und wir glauben, Du weißt auch, wenn Du diese Linie überschreitest.
  • Wenn Deine App zurückgewiesen wird, dann kannst Du Dich an ein Review Board wenden. Wenn Du zur Presse läufst und uns beschimpfst (“trash us”), wird Dir das nicht helfen.

Danach folgt eine detaillierte Auflistung der möglichen Fallstricke aus den Bereichen Funktionalität, Metadaten (Beschreibung der App im Store), Ortsinformationen, Push-Mitteilungen, Game-Center, iAds, Warenzeichen, Multimedia-Inhalte, User-Interface, Kaufvorgang sowie Inhalte-Scraping und Aggregation. Außerdem darf die App natürlich nicht das Gerät beschädigen.

Constanze Kurz findet das Sicherheitsargument “abwegig” und regt sich auch darüber auf, dass Microsoft mit Windows Phone 7 das Konzept von Apple kopiert.

Wenn nur noch vom großen Meister in Redmond abgesegnete Programme geladen werden können, so die Vermutung, können Bösewichte keine schädliche Software mehr unters Volk bringen. Diese Annahme ist jedoch irrig, da eine genaue Prüfung aller Programme auf schädliche, verborgene Teile technisch kaum möglich ist. Das Argument „Sicherheit“ kann also getrost als Schutzbehauptung abgeheftet werden.

Nun sind Apple und Microsoft auf dem Markt nicht alleine. Vor allem der Suchmaschinen-Gigant Google feiert mit seinem em Betriebssystem beachtliche Erfolge. Da Google – aus welchen Motiven auch immer – keine Lizenzgebühren für sein Mobil-OS verlangt und das System in vielen Belangen dem großen Vorbild iPhone mindestens ebenbürtig ist, hat in den vergangenen Monaten eine ganze Armee von Androiden verschiedenster Hersteller die Regale der Mobilfunk-Shops erobert. Daher kann von einem Monopol Apples ohnehin keine Rede sein.

Smartphones mit Android beziehen ihre Apps auf dem weitgehend unregulierten Android Marketplace und beliebigen anderen Software-Quellen. Und dabei tauchen auch immer wieder Meldungen über Programme auf, die eigentlich Trojanische Pferd sind, etwa die im Juli entdeckte App zum Austausch des Bildschirm-Hintergrunds (Wallpaper), die systematisch die persönlichen Daten auf dem Android-Handy ausspionierte. Daher kann man die Sicherheitsfrage meiner Ansicht nach nicht als Alibi-Thema oder “Schutzbehauptung” abtun.

Max OS X trifft das iPad
Max OS X trifft das iPad: Steve Jobs auf dem Apple-Event

Auch wenn die CCC-Sprecherin die Öffnung des iPhone-Marktes in Deutschland nicht mitbekommen hat – das Apple-Event “Back to the Mac” am 20. Oktober ist von ihr aufmerksam registriert worden. Das Versprechen von Apple-Chef Steve Jobs, Errungenschaften auf der Entwicklung des iPhones und des iPads in das neue Apple-Betriebssystem Mac OS X “Tiger” einfließen zu lassen, löst bei der Berliner Informatikerin eher eine Horrorvision aus:

Den vollwertigen Computer zu Hause kann man nach Belieben nutzen. Ob man ein anderes Betriebssystem oder vielleicht selbstgeschriebene Programme verwenden will, ist der eigenen Entscheidung überlassen. Apples iPad jedoch läutet den Schwenk zu einer neuen Ideologie der „ummauerten Gärten“ ein, in der nicht mehr jeder mit den Maschinen tun und lassen kann, was er will, sondern nur noch zu den Bedingungen des Herstellers agieren darf.

Constanze Kurz hat dabei aber nicht im Blick, dass bei dem von ihr so gepreisenen Personal Computer viele Anwender über quasi unüberwindbare Hürden zu überwinden sind, wei die Kiste einfach nicht so einfach funktioniert, wie von Microsoft versprochen. Von den Linux-PCs, die für die Masse der Computeranwender trotz moderner Systeme wie Ubuntu quasi unbedienbar sind, will ich gar nicht erst reden. Es ist auch kein Zufall, warum ausgerechnet die Kategorie der “freien PCs mit Linux”, die den Idealen des CCC besonders nahe kommt und die Herzen der Frickler hoch schlagen lässt, nie einen wirklichen Durchbruch am Markt erlebt hat.

Aus dem Maschinenraum (19): Die vollständige Gängelung rückt nahe – Digitales Denken – Feuilleton – FAZ.NET.

12 Stunden vor dem Launch von Windows Phone 7 – die Top-Stories von Engadget.com

So sieht derzeit die Homepage von Engadget.com aus. Apple verdirbt irgendwie Microsoft die Party…

Screenshot engadget.com
Screenshot engadget.com

Der Schlagabtausch um Android

Steve Jobs
Steve Jobs auf der WWDC 2010

Die Attacke kam unerwartet. Seit über zwei Jahren hatte Apple-Chef Steve Jobs sich nicht mehr bei einer Telefon-Konferenz zu den Quartalsergebnissen des Unternehmens, dem Earnings-Call, zu Wort gemeldet. Und um die Geschäftszahlen des vierten Quartals der Apple Inc. ging es dem CEO auch nur am Rande. Jobs nutzte die Gelegenheit, um fünf Minuten lang über das Smartphone-Betriebssystem Android abzulästern.

Apple habe mit dem iPhone den Konkurrenten RIM (Blackberry) überholt, sagte Jobs selbstbewusst und stellte dann die Zahlenangaben von Google-Chef Eric Schmidt zum Absatz der Android-Smartphones in Frage.

Well, what about Google? Last week, Eric Schmidt reiterated that they are activating 200,000 Android devices per day. And have around 90,000 apps in their App Store. For comparison, Apple has activated around 275,000 iOS devices per day on average for the past 30 days with a peak of almost 300,000 iOS devices per day on a few of those days. And Apple has 300,000 apps on its App Store.

Unfortunately, there is no solid data on how many Android phones are shipped each quarter. We hope that manufacturers will soon start reporting the number of Android handsets they ship each quarter. But today that just isn’t the case. Gartner reported that around 10 million Android phones were shipped in the June quarter and we await to see if iPhone or Android was the winner in this most recent quarter.

Die durch Google vorgenommene Charakterisierung von Android als “open” und iOS als “closed” sei “unaufrichtig”. Android werde von den Geräteherstellern wie HTC oder Motorola mit “proprietären Oberflächen” versehen. Das widerspreche dem Ansatz von “open”, wie ihn beispielsweise Microsoft bei den PCs gewählt habe. Die Entwickler von Windows-Programmen könnten sich schließlich darauf verlassen, dass Windows überall gleich aussehe.

Die Antwort von Google ließ nicht lange auf sich warten. Android-Manager Andy Rubin entgegnete auf Twitter:

Tweet von Andy Rubin

Die für Non-Geeks und Nicht-Programmierer unverständliche Entgegnung zeigt im Kern worum es in der Auseinandersetzung zwischen Apple und Google geht. Google-Mann Rubin will mit seinem Tweet beweisen, wie offen Android wirklich ist, weil sich jeder den Quellcode des Betriebssystem von einer offen zugänglichen Quelle ganz legal herunterladen kann, um sich seine eigene Android-Version zu kompilieren.

Ungewollt bestätigt aber Rubin mit seiner Einlassung eine These von Jobs, nämlich dass Android zumindest für die Anwender viel zu kompliziert sei. In seinem “Rant” gegen Android hatte Jobs in diesem Kontext kritisiert, wie sehr die Android-Szene fragmentiert ist. Dabei verwies Jobs auf Zahlen von TweetDeck, die beim Beta-Test der aktuellen Version von TweetDeck for Android erhoben wurden. Man habe es mit mehr als 100 verschiedenen Versionen der Android-Software auf 244 unterschiedlichen Handsets zu tun gehabt. (Die Zahlen kann man in diesem Blog-Post von TweetDeck nachlesen).

Android Ecosystem - Geräte
Android Ecosystem - Geräte
Android Ecosystem - OS-Versionen
Android Ecosystem - OS-Versionen

Die Macher von TweetDeck wollen sich wiederum nicht als Kronzeugen von Jobs in den Zeugenstand rufen lassen. Per Twitter meldete sich TweetDeck CEO Iain Dodsworth zu Wort:

Die Kritik von Jobs bezieht sich aber nicht nur auf die Vielfalt der Android-Versionen und -Geräte. Auch die unübersichtliche Vielfalt der Software-Läden für Android-Programme stelle sowohl für die Entwickler als auch für die Anwender ein Problem dar. Es gebe Beispiele dafür, dass offene Systeme “nicht immer gewinnen”, sagte Jobs und erinnerte an die das gescheiterte PlaysForSure-Konzept von Microsoft. Die offene Vielfalt von PlaysForSure sei letztlich durch eine Kopie des iPhone-Konzeptes in Form des Zune-Players abgelöst worden.

Die Debatte um Open vs. Closed sei eine “Nebelkerze”, so Jobs und umschrieb die Unterschiede zwischen Android und iOS als fragmentiert gegen ganzheitlich (“integrated”).

Der komplette Wortlauf des Earning-Calls kann hier nachgelesen werden.