So sieht die neue Twitter-Homepage aus

Twitter will sich künftig nicht mehr auf das Verbreiten von 140-Zeichen-Textmeldungen beschränken. In einem umfassenden Relaunch weitet der Kurznachrichtendienst sein Angebot multimedial aus: Twitter-Anwender sollen künftig viel einfacher Bilder und Videos austauschen können, ohne die Twitter-Website verlassen zu müssen.

So sieht dann beispielsweise die Präsentation eines “shared video” aus:

Twitter-Embedded Video

Twitter hat auch die Gelegenheit genutzt, das Design der Homepage etwas aufzuräumen. Die sieht künftig so aus:

TwitterDefaultHomepage

Twitter bietet seinen Usern nun auch die Möglichkeit, mit einem Klick verwandte Inhalte (“related content”) zu einem Tweet aufzurufen. Das können beispielsweise Geo-Informationen sein.

TwitterGeo

Twitter stellt in diesem Video die neuen Funktionen vor:

Apple: Wenn Du eine Religion kritisieren möchtest, schreibe ein Buch

Wenn man in der Vergangenheit von Apple wissen wollte, warum eine iOS-App nicht in den iTunes App Store aufgenommen wurde, zeigten sich die Verantwortlichen in der Vergangenheit einsilbig.

Die mit Abstand meisten Apps, die wir zurückweisen

  • tun nicht das, was sie vorgeben zu tun
  • nutzen private Programmier-Schnittstellen (APIs)
  • oder stürzen ab

sagte Apple-Chef Steve Jobs auf der Entwickler-Konferenz WWDC im Juni 2010. Und sein Team wiederholte diese Aussage wie ein Mantra.

3 Gründe, warum eine App zurückgewiesen wird

3 Gründe, warum eine App zurückgewiesen wird

Vielleicht hat man auch in Cupertino inzwischen mitbekommen, dass sich unter den iOS-Entwicklern zunehmend Unmut aufgestaut hat. Zum einen mussten sie seit der letzten umfassenden Änderung der AGBs im vergangenen April auf Cross-Plattform-Entwicklungsumgebungen wie das Adobe Flash SDK oder .NET von Microsoft verzichten. Und selbst wenn sie sich bei der App-Entwicklung an die (technischen) Spielregeln gehalten hatte, konnten sie nicht immer sicher sein, dass ihre Anwendung dann auch letztlich im iTunes Store auftauchen wird.

Vor diesem Hintergrund kann man die Veröffentlichung der neuen App Review Guidelines bahnbrechend nennen. Apple zwingt die Entwickler nun nicht mehr dazu, allein das iOS-SDK von Apple zu verwenden, das nur auf einem Mac läuft. “Dies sollte den Entwicklern die gewünschte Flexibilität, die Sie wünschen”, erklärte Apple. Und es hält dem iPhone-Hersteller mit Sicherheit die Kartellbehörden vom Hals, die schon damit begonnen hatten, sich das Kleingedruckte der Apple-Guidelines anzuschauen. Die Aktie von Adobe machte am Donnerstag einen Sprung von acht Prozent, weil nun manche Investoren eine goldene Zukunft für das Flash-SDK sehen.

Mit den neuen Guidelines von Apple erhalten die Entwickler nun auch endlich einen umfassenden Einblick in das Zulassungssystem von iTunes. Hier kann man nun u.a. lesen:

  • Wir sehen einen Unterschied zwischen Apps und Büchern oder Songs, die wir nicht bewerten. Wenn Du eine Religion kritisieren möchtest, schreibe ein Buch
  • Wir haben über 25.000 Anwendungen im Apps Store. Wir brauen keine weiteren Furz-Apps. Wenn Deine App nicht etwas Nützliches macht oder irgendeine Form nachhaltiger Unterhaltung (“lasting entertainment”) bietet, wird sie vielleicht nicht akzeptiert.
  • Wenn Deine App so aussiehts, als hättest Du sie in ein paar Stunden zusammengeschustert (“cobbled together”) oder wenn Du Deine erste Übungs-App im Store unterbringen möchtest, um Deine Freunde zu beeindrucken, bereite Dich bitte auf eine Absage vor. Wir haben jede Menge ernsthafte Entwickler, die ihre Qualitäts-Apps nicht von Amateur-Stücken umgeben wissen wollen.
  • Wir werden Apps zurückweisen, wenn der Inhalt oder das Verhalten der App eine Linie überschreitet. “Welche Linie”, fragst Du? Nun, wie ein Richter am Supreme Court einmal gesagt hat: “Ich werde das wissen, wenn ich sie sehe.” Und wir glauben, Du weißt auch, wenn Du diese Linie überschreitest.
  • Wenn Deine App zurückgewiesen wird, dann kannst Du Dich an ein Review Board wenden. Wenn Du zur Presse läufst und uns beschimpfst (“trash us”), wird Dir das nicht helfen.

Danach folgt eine detaillierte Auflistung der möglichen Fallstricke aus den Bereichen Funktionalität, Metadaten (Beschreibung der App im Store), Ortsinformationen, Push-Mitteilungen, Game-Center, iAds, Warenzeichen, Multimedia-Inhalte, User-Interface, Kaufvorgang sowie Inhalte-Scraping und Aggregation. Außerdem darf die App natürlich nicht das Gerät beschädigen.

Beim Umgang mit Satire und “persönlichen Attacken” ist Apple weiterhin ziemlich restriktiv, lockert aber für “professionelle politische Satiriker und Komiker” die Bestimmungen, nachdem zuvor die Ablehnung einer App des Pulitzer Preis-Gewinners Mark Fiore für große Negativ-Schlagzeilen gesorgt hatte. Apple möchte auch keine Gewalt-Apps oder Anwendungen mit “zweifelhaftem Inhalt”, genauer gesagt “übermäßig anstößige oder rohe Inhalte” bzw. “Apps, die hauptsächlich dazu bestimmt sind, zu stören oder bei den Usern Nutzer hervorzurufen”. Porno-Apps werden ebenfalls verbannt. Apple bezieht sich dabei auf die Definition des Begriffs “Pornografie” im Webster’s Dictionary. Weiterhin möchten die Verantwortlichen in Cupertino keine Hass-Anwendungen, die gegen Religionen, Kulturen oder Rassen hetzen.

Bei Gawker werden die neuen Richtlinien polemisch als die neuen “Zehn Gebote des Steve Jobs” zusammengefasst. Wired freut sich darüber, dass der Text etliche Fragen beantworte, ist aber auch der Meinung, dass die Guidelines noch einige Fragen offen lassen. macht Euch Eurer eigenes Bild. Hier kann man die kompletten Guidelines herunterladen:

Apple App Store Review Guidelines

Focus beim Thema Apple wieder auf dem Holzweg?

Das Nachrichtenmagazin Focus widmet Apple und seinem Chef Steve Jobs die aktuelle Titelgeschichte (“Der Imperator – Wie Steve Jobs mit Apple die Welt revolutioniert und bevormundet”). Auf zehn Seiten werden dort Archivstücke aus den letzten drei Jahrzehnten mit aktuellen Geschehnissen wie dem “Antennagate” und dem “SpyPhone”-Patent zusammengerührt. Ich habe kaum etwas gefunden, was man nicht zuvor woanders gelesen hätte (z.B. hier). Nur eine kleine Passage war mir neu:

Ausriss Focus

Ausriss Focus

Nach FOCUS-Informationen ist Apple im Begriff, ins Auto vorzudringen. In Kooperation auch mit deutschen Herstellern wie BMW entwickeln die Amerikaner ein Gerät auf iPhone-Basis für Pkws. Es soll Navigationssysteme ersetzen und zugleich “Kommandozentrale” und Unterhaltungseinheit im Fahrzeug werden.

So etwas Ähnliches hatte Focus allerdings schon einmal geschrieben – und zwar im Juni 2007. Damals hieß es:

Tatsächlich steuert das Unternehmen seit der Erfolgsstory seines Musikplayers iPod zunehmend weg vom Image des Computerherstellers – hin zum Vollsortimentler für den digitalen Alltag. Nun drängt Apple in die nächste Bastion der modernen Lebenswelt: Mercedes wird seine Fahrzeuge nach FOCUS-Informationen voraussichtlich ab 2009 exklusiv mit Hightech aus den Entwicklungslaboren des einstigen Computerkonzerns ausrüsten. Nach sechs Monaten sollen auch andere Autohersteller folgen.

Focus zitierte auch damals keine Quelle, es gab nicht einmal einen vagen Hinweis. An anderer Stelle führte das Magazin aus:

Nach FOCUS-Informationen soll das Gerät, das der US-Computerhersteller derzeit entwickelt, Unterhaltung, Kommunikation und Navigation in einer Einheit kombinieren. Mercedes wird die neue Apple-Garnitur für sechs Monate exklusiv anbieten. Mit einer Markteinführung ist voraussichtlich 2009 zu rechnen. Unklar ist noch, ob Apple – ähnlich wie beim iPhone – auf Google Maps als Navigationshilfe vertrauen wird.

Ich hatte damals schon vermutet, dass Focus sich mit seiner Story mächtig verfahren hat. Und tatsächlich: Das Jahr 2009 ging ins Land, ohne dass Mercedes-Kunden eine Unterhaltungs- und Navigations-Kombi von Apple buchen konnten. Und vermutlich werden auch die BMW-Fahrer lange Zeit warten müssen, bis die Münchner Autobauer ein Herzstück ihrer Entwicklung, die Gestaltung der grafischen Benutzeroberfläche der digitalen Anwendungen im Fahrzeug, an Apple outsourcen werden. Wetten?

CTRL-Self-Delete: Der Datenschutz-Tipp der Woche von Stephen Colbert

Stephen Colbert gibt seinen Zuschauern wertvolle Tipps, wie sie “in the internets” ihre Daten schützen können. Oder – wenn das nicht geklappt hat – doch noch einen Job bekommen können. Vieß Spaß.

15 Jahre Windows 95 – Wie Microsoft die Software-Geschichte umschreibt

Heute vor 15 Jahren, am 24. August 1995, brachte Microsoft sein Betriebssystem Windows 95 auf den Markt. Das System war ein Meilenstein in der Geschichte der Personal Computer. Deshalb weist auch die Microsoft-Pressestelle heute in einer Mitteilung auf dieses Jubiläum hin. Allerdings unternehmen die Mitarbeiter des Softwarekonzern dabei nicht weniger als den Versuch, die Geschichte der Software-Entwicklung umzuschreiben:

Nach heutigen Maßstäben mag die 95er-Variante von Windows spartanisch anmuten – damals aber revolutionierte sie die Nutzung von PCs. So war es 1995 ein absolutes Novum, dass Anwender erstmals Daten auf einer Desktop-Oberfläche ablegen oder in einen virtuellen Papierkorb verschieben konnten. Windows 95 war zudem das erste 32-Bit-Betriebssystem, das eine “Plug and Play”-Funktion anbot, um das Installieren neuer Hardware zu erleichtern. Dazu bot ein simpler Mausklick auf den neuen “Start”-Knopf Zugriff auf alle Programme und Einstellungen des PCs. Mit der neuen Taskleiste konnte direkt zwischen den aktiven Programmen hin- und hergewechselt werden. So einfach war die Bedienung eines Computers vorher nie.

Die Desktop-Oberfläche und der virtuelle Papierkorb in Windows 95 sollen “ein absolutes Novum” gewesen sein? Wer so eine Behauptung aufstellt, begeht Geschichtsklitterung. Ich habe die Entwicklung des “Graphical User Interfaces” etwas anders in Erinnerung.

Das Konzept einer Maus-Bedienung wurde erstmals im Dezember 1968 von Doug Engelbart am Stanford Research Institute (SRI) demonstriert. Die Firma Microsoft gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht. (Bill Gates war damals gerade mal 13 Jahre alt).

httpv://www.youtube.com/watch?v=a11JDLBXtPQ

Die legendäre Vorführung vom 9. Dezember 1968 gilt heute als “Mutter aller Demos”.

Das legendäre Forschungsinstitut Xerox PARC in Kalifornien entwickelte dann in den siebziger Jahren ein komplettes Konzept für die Desktop-Metapher zur Bedienung eines Computers.


Demo des Xerox Alto (aus: Triumph of the Nerds)

Die grafische Benutzeroberfläche wurde von Xerox mit dem “Alto” auch kommerziell auf den Markt gebracht. Den Massenmarkt für GUI-basierte Computer erreichte dann Apple mit der Lisa (1983) und dem Macintosh (1984) – auch weil das Team von Steve Jobs sich bei Xerox eine Menge Anregungen geholt hatte.

Wenn man großzügig ist, kann man noch argumentieren, dass Microsoft sich in der Pressemitteilung nur auf PCs bezieht – und deshalb frühere Computer mit einer GUI nicht berücksichtigt. Aber auch für den “IBM-kompatiblen” PC gab es vor Windows 95 quasi alle Errungenschaften, die in der Mitteilung auflistet werden. Das System stammte allerdings nicht von Microsoft, sondern von IBM – nämlich OS/2. Microsoft war zwar anfänglich noch an der Entwicklung des DOS-Nachfolgers beteiligt, stieg aber 1991 aus dem OS/2-Projekt aus, um das eigene Windows-System voranzutreiben.

Screenshot OS/2 Warp 3 (1994)

Das Betriebssystem OS/2 Warp 3 aus dem Jahr 1994

Windows 95 war dann immerhin das erste System von Microsoft, bei dem “Anwender erstmals Daten auf einer Desktop-Oberfläche ablegen oder in einen virtuellen Papierkorb verschieben konnten”.

Siehe auch diese Artikel:

Vom Labor auf den Schreibtisch – Vor 40 Jahren präsentierte Doug Engelbart die erste Computermaus

Geschichte des Apple Macintosh – Xerox PARC

Update: Das Video in diesem Beitrag zeigt die Entwicklungsumgebung Smalltalk, die in den 1970er Jahren am Xerox PARC Forschungszentrum durch Alan Kay, Dan Ingalls, Adele Goldberg und andere entwickelt wurde. Sie wurde allgemein unter dem Namen Smalltalk-80 freigegeben und hat die Entwicklung vieler späterer Programmiersprachen, wie etwa Objective-C, Java und Ruby beeinflusst.

2. Update: Jan Wildeboer weist noch auf die Systeme GEM und GEOS hin, die ebenfalls über eine grafische Benutzeroberfläche verfügten. Der Graphical Environment Manager (GEM) von Digital Research wurde vor allem durch den Rechner Atari ST unter dem Betriebssystem TOS bekannt. Es gab auch Versionen für den IBM-PC sowie eine Unix-Variante.

Screenshot GEM

Der Graphical Environment Manager (GEM) aus dem Jahr 1984

Das Betriebssystem GEOS (Graphic Environment Operating System) wurde von Berkeley Softworks entwickelt und für die 8-Bit-Computer C64, C128 sowie Apple II 128k und Apple IIc/e veröffentlicht.

Screenshot GEOS

GEOAS auf dem Commodore 64