Fußball-WM 2006: Chaos hinter den Kulissen

Von | Personal Tech, Yahoo

Die Fußball-Weltmeisterschaft hat uns einen wunderbaren Sommer beschert. Jürgen Klinsmann ist es gelungen, mit seinem Kurs den Widerstand der alten Clique rund um DFBMayerVorfelderBeckenbauerNetzerBildBreitnerMatthäusWaldi zu brechen. Das deutsche Team hat als einzige Mannschaft des Turniers auf attraktiven Offensiv-Fußball gesetzt. Okay, die Italiener waren am Ende ausgebuffter. Sie haben es nicht nur geschafft, die deutsche Mannschaft in den letzten Minuten im Halbfinale zu besiegen. Sie haben auch den Überspieler des Turniers, Zinédine Zidane, mit obzönen Sprüchen so provoziert, dass dieser nach dem “Kopfstoß der Schade” mit einer roten Karte das Finale verlassen musste und das französische Team auf die Verlierstraße geriet.

Yahoo!-Mitbegründer Jerry Yang hatte beim Besuch des WM-Finales in Berlin
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Foto: Christoph Dernbach
Yahoo!-Mitbegründer Jerry Yang hatte beim Besuch des WM-Finales in Berlin kein Problem mit den Tickets

Ich selbst hatte das Glück, in vier Spielen den Geist der Fußball-WM 2006 aufsaugen zu können. Nachdem ich mehrfach vergeblich versucht hatte, im Internet WM-Tickets für die Spiele in Hamburg zu ergattern, kam ich in einer der Nachrückerrunden dann für die Partie Ukraine vs. Saudi-Arabien zum Zug und konnte Tickets für meine Frau und mich kaufen. In den Wochen vor der WM trudelten dann etliche Einladungen von WM-Sponsoren ein, von denen ich drei Tickets, darunter auch das Endspiel in Berlin, annehmen durfte. Den Weg zu den Spielen habe ich dann nicht nur als Fußball-Fan angetreten, sondern auch als technisch interessierter Mensch. Das nationale OK der FIFA hatte ja frühzeitig angekündigt, dass die Zuschauer nur mit einem RFID-Ticket ins Stadion kommen würden. Dabei traten in zwei von vier Spielen massive Probleme auf.

Gleich beim ersten Spiel – Costa Rica vs. Ecuador – erlebte ich am eigenen Leib, dass das technische Konzept des FIFA OK nicht richtig funktionierte. Der Sponsor, ein großer Online-Dienst, konnte die Tickets nicht rechtzeitig verschicken, sondern verteilte die Karten am Spieltag vormittags in einem Hotel in Hamburg. Am Volksparkstadion ließ sich mit diesem Ticket die erste Sicherheitskontrolle noch überwinden. An der zweiten Station – der eigentlichen Kartenkontrolle – war dann aber vorläufig Schluss. Der FIFA-Steward am Gate sah mit einem Blick, dass das Geburtsjahr 1972, das diesem Ticket zugeordnet war, nicht auf mich zutreffen konnte. Dazu ist mein Haupthaar inzwischen doch zu grau. Durch einen Datenbankfehler war “mein” Ticket einer anderen Person zuordnet worden. Damit war mein erster WM-Besuch eigentlich schon beendet, noch bevor er so richtig begonnen hatte. Ein energischer Hinweis auf den Sponsor mit dem großen “T” und das FIFA-Hospitality-Programm wirkte dann aber Wunder und wenige Minuten später konnte im Fan-Block von Costa Rica Platz nehmen, wo zu diesem Zeitpunkt die Stimmung noch richtig super war.

Die Begegnungen Ukraine vs. Saudi Arabien und das Viertelfinale Italien vs. Ukraine verliefen aus technischer Sicht unspektakulär. Im Gegensatz zur ersten Begegnung war ich bei diesen Spielen nicht zu früh in den Volkspark gefahren. Bei mir war nämlich inzwischen auch die Botschaft angekommen, dass die FIFA-Stewards in der heißen Phase vor dem Spiel kaum noch Ausweise kontrollieren. Die RFID-Chips in den Karten ließen die Einlass-Ampeln auf Grün springen.

Happy End für Italien bei der Fußball-WM 2006
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Foto: Christoph Dernbach
Happy End für Italien bei der Fußball-WM 2006

In Berlin zum Endspiel lief das dann nicht mehr so locker ab. Am Absperrgitter vor dem Olympia-Stadion erklärten uns (einer Gruppe von fünf Gästen eines WM-Sponsors) hilflose FIFA-Stewards, dass unsere Tickets “ungültig” seien. Nein, nicht der RFID-Chip stellte das Problem dar. Die FIFA hatte wohl wegen Datenbank-Problemen über 200 Tickets für den “Roten Block” im Berliner Olympiastadion doppelt und dreifach an die Sponsoren verkauft. Und im Gegensatz zu den Datenbank-Pannen in der Vorrunde waren diesmal nicht mehr genügend Freitickets vor dem Anpfiff verfügbar, um die Mega-Panne auf die Schnelle auszugleichen.

So habe ich beim Endspiel die ersten 25 Minuten des Spiels vor dem Stadion verbracht und somit die beide Tore verpasst, denn im Chaos der FIFA waren Ersatztickets erst dann aufzutreiben, nachdem Zidane in der 7. Minute Frankreich mit einem Foulelfmeter in Führung gebracht und Materazzi in der 19. Minute den Ausgleich für die Italiener besorgt hatte.

Das Karten-Chaos hatte noch nicht einmal nach dem Abpfiff ein Ende. Nachdem wir uns noch die Siegerehrung für die Italiener im Stadion angeschaut hatten, wurden strandeten wir auf dem Weg nach draußen erneut an den Ticket-Maschinen der FIFA. Die Ersatztickets waren in dem System wohl nicht gespeichert, und die Ampel am Drehkreuz zeigte wieder nur “Rot”. Nun, irgendwie haben wir die Helfer überzeugen können, dass es der Verbesserung des Sicherheitsstandards der FIFA WM 2006 nicht nachhaltig dient, ein paar harmlose Journalisten für immer und ewig im Olympia-Stadion zu belassen.

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