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CeBIT vor zehn Jahren: Der iPad-Vorläufer und die Fernbedienung für die Waschmaschine

Am kommenden Montag geht es wieder nach Hannover zur CeBIT. Und wie in den vergangenen Jahren habe ich in unser dpa-Archiv geschaut, welche Highlights und Skurrilitäten die CeBIT 2000 geboten hat.

CeBIT vor zehn Jahren: Der iPad-Vorläufer und die Fernbedienung für die Waschmaschine

Mit dem Bildschirm-Computer «iPad» will der kalifornische Elektronikkonzern Apple in den kommenden Monaten eine ganz neue Gerätekategorie am Markt durchsetzen. Doch die Idee eines «Tablet Computers» ohne eine Hardware-Tastatur ist nicht wirklich neu: Vor zehn Jahren auf der Computermesse CeBIT 2000 präsentierte das Hannoveraner Unternehmen Höft & Wessel ein «Webpanel», das dem Konzept des iPad sehr nahe kam. Mit dem «skeye.pad» sollten man über eine Mobilfunkverbindung oder den Funkstandard DECT drahtlos im Internet surfen können.

skeye.pad
Das skeye.pad von Höft & Wessel auf der CeBIT 2000

Das «Webpanel» aus Hannover erhielt zwar damals den einen Best-of-CeBIT-Preis der Fachzeitschrift «Chip». In Serie für den Massenmarkt wurde das Gerät allerdings nie gebaut. Die Entwickler bei Höft & Wessel bauten aus dem Prototypen später verschiedene robuste mobile Spezialgeräte, die heute etwa bei den «Gelben Engeln» des ADAC im Einsatz sind oder Speditionen bei der logistischen Steuerung ihrer Lastwagen helfen. Auch die Bildschirme der Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn gehen letztlich auf die «Webpanel»-Entwicklung in Hannover zurück.

Wegen der damals bevorstehenden Weltausstellung Expo 2000 fand die CeBIT vor zehn Jahren nicht zum traditionellen März-Termin statt, sondern schon im Februar. Die Branche hatte gerade erfolgreich das Jahr-2000-Problem gemeistert und platzte fast vor Zuversicht. Das befürchtete Chaos zum kritischen Datumswechsel war ausgeblieben. Industrie und Handel blickten voller Optimismus nach vorne. Dies schlug sich dann auch in der Messebilanz nieder: Mehr als 750 000 Besucher kamen trotz des miesen Wetters zur CeBIT 2000. Viele der 7 800 Aussteller reisten damals mit vollen Auftragsbüchern und besten Umsatzprognosen aus Hannover ab.

Der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) versprach zur Eröffnung der High-Tech-Schau, nach dem Vorbild der USA eine Art «Green Card» einzuführen. Damit sollten Programmierer, Datenbankspezialisten und andere Computer-Experten aus Staaten außerhalb der Europäischen Union eine befristete Arbeitserlaubnis in Deutschland bekommen. Über das «Sofortprogramm zur Deckung des IT-Fachkräftebedarfs» kamen die folgenden Jahre 20 000 IT-Fachleute nach Deutschland. Die Regelung lief Ende 2004 aus und wurde durch ein neues Zuwanderungsgesetz ersetzt, mit dem weiterhin IT-Spezialisten bei dem Aufenthaltsrecht gegenüber anderen Arbeitsmigranten aus dem außereuropäischen Ausland bevorzugt werden.

Bundeskanzler Schröder auf der CeBIT 2000
Bundeskanzler Gerhard Schröder bei seinem Eröffnungsrundgang auf der Computermesse CeBIT mit einem Uhrenhandy von Motorola

Schröder hatte damals die wirtschaftliche Bedeutung des Fachkräftemangels erkannt. Im Gegensatz zu seiner Nachfolgerin im Bundeskanzleramt hatte Schröder privat so seine Mühen mit der Kommunikationstechnologie. Auf der CeBIT 2000 ließ sich der Kanzler vom damaligen AOL-Europachef Andreas Schmidt zeigen, wie man mit dem Handy eine Kurznachricht verschickt. «Der Kanzler ist hier! Er bekommt gerade SMS erklärt, aber das kennt der doch sowieso nicht», sagte ein Beobachter der Szene damals.

Der Onlinedienst AOL lieferte sich auf der CeBIT 2000 mit der Deutschen Telekom ein Wettrennen, die deutschen Schulen ins Internet zu bringen. Zehn Jahre später hat sich AOL nach einer Serie von Misserfolgen vom deutschen Markt zurückgezogen.

Damals sah aber auch für AOL die Zukunft noch rosig aus. Ein Jahr vor dem Platzen der großen Internet-Blase wurden auf der CeBIT 2000 noch Technologien als visionär angepriesen, die heute eher belächelt werden. So konnte man in den Messehallen einen «Computer zum Anziehen» bestaunen, bei dem Kleinst-Rechner und Batterien kaum sichtbar in den Taschen einer dicken, silbern schimmernden Weste steckten. Dieses Gerät sollte als mobiler Übersetzer für Stadtführungen eingesetzt werden.

Seltsame Fantasien regte auch die Funktechnologie Bluetooth an, die heute vor allem für drahtlose Kopfhörer genutzt wird. Jörg Gleisner vom Telekommunikations-Unternehmen Ericsson pries damals die Vorzüge der Datenfunktechnik so an: «Sie können mit dem Handy aus der Küche die Lautstärke beim Fernseher regulieren oder vom Arbeitszimmer die Waschmaschine einschalten.» Das Mobiltelefon als Fernsteuerung für die Feinwäsche hat sich dann aber auf dem Markt nicht wirklich durchgesetzt.

CeBIT vor zehn Jahren

Wo die bunten Fahnen wehen: CeBIT in Hannover

Am kommenden Montag startet in Hannover wieder die CeBIT. Sie wird deutlich kleiner als im Vorjahr ausfallen. Doch ich halte es aber mit dem Chef von Microsoft Deutschland, Achim Berg. “Nur wer vor Ort ist, kann was bewegen.” Daher sind wir von dpa auch in diesem Jahr mit einem großen Team auf dem Messegelände vertreten. Für unser Engagement spielt auch ein große Rolle, dass viele unserer Kunden zur CeBIT und im Vorfeld der Messe der Technologie-Berichterstattung einen erheblichen Raum einräumen.

Es ist inzwischen schon eine Tradition, dass ich mir einige Wochen vor Messebeginn aus dem Archiv die Berichte heraussuche, die wir und andere Medien vor zehn Jahren von der CeBIT abgesetzt haben. Ich habe mir an diesem Wochenende mal den Spaß gemacht, die Texte zum Thema “CeBIT vor zehn Jahren” hier ins Blog einzupflegen und zu bebildern:

CeBIT 1999: Ein Computer, der dem Kanzler aufs Wort gehorcht

Bundeskanzler Schröder auf der CeBIT 1999
Bundeskanzler Schröder auf der CeBIT 1999

Hannover (dpa) – «Ich möchte gerne einen Computer haben, in den ich reinsprechen kann.» Bei seinem Rundgang auf der CeBIT 1999 hatte der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) blitzschnell das Trendthema der weltgrößten Computermesse erfasst. «Alles sollte so einfach sein wie möglich.» Zehn Jahre später wartet die Branche zwar noch immer auf den Computer, der aufs Wort hört. Doch an die Aufbruchstimmung auf dem Messegelände in Hannover im Jahr 1999 erinnern sich Messemacher und Aussteller noch heute gerne – auch wenn zwei Jahre später die Internet-Blase mit einem lauten Knall platzte. [...]

CeBIT 1998: Die Computermesse der großen Versprechen

Bundeskanzler Helmut Kohl auf der CeBIT 1998
Bundeskanzler Helmut Kohl auf der CeBIT 1998

Hannover (dpa) – Die Fahrt zur Computermesse CeBIT 1998 in Hannover geriet vor zehn Jahren zu einer großen Geduldsprobe. Kilometerlange Staus auf dem Messeschnellweg und völlig überfüllte Bahnen strapazierten knapp zwei Jahre vor dem Beginn der Weltausstellung Expo 2000 die Nerven der Messebesucher. Wer sich zum Ausstellungsgelände vorgekämpft hatte, bekam dann allerdings einen spannenden Mix von Neuheiten und großen Versprechen geboten.
Drei Jahre vor dem spektakulären Platzen der Internet-Blase feierten die CeBIT-Macher im März 1998 die bis dahin größte Computermesse. Helmut Kohl war damals noch Bundeskanzler und lieferte den CeBIT-Fotografen beim Testen einer 3D-Brille auf dem Stand des Zentrums für Graphische Datenverarbeitung (Darmstadt) ein dankbares Fotomotiv.[...]

CeBIT 1997: «Digital Home»-Vision wird erst Jahre später Realität

Real Player (1997)
Real Player (1997)

Manchmal dauert es Jahre, bis Visionen Wirklichkeit werden. Auf der CeBIT 1997 kündigte die US-Firma Progressive Networks den Dienst «RealVideo» an, der Fernsehen über das Internet erlauben sollte. Die Bildchen waren damals kaum größer als eine Briefmarke. 20 verschwommene Bilder pro Sekunde und ein mäßig klingendes Tonsignal ließen wenig Freude beim Betrachter aufkommen. Zehn Jahre später stehen zumindest keine technischen Hindernisse mehr im Weg, dass die Vision vom «Digital Home» Wirklichkeit wird. Dienste wie «T-Home Entertain» von der Deutschen Telekom, «Alice IP TV» von HanseNet oder das «Maxdome»-Angebot der ProSieben-Gruppe transportieren heute die Signale von Hunderten TV-Sendern über das Internet ins Wohnzimmer, zum Teil sogar in einer höheren Auflösung als das Kabel. [...]

CeBIT 1996: Das Internet erreicht die Massen

Internet Cafe auf der CeBIT 1996
Internet Cafe auf der CeBIT 1996

Hannover (dpa) – Auf einen Superstar der Computer-Branche wie Bill Gates warteten die Besucher der CeBIT 1996 vergebens. Der Microsoft-Gründer hatte im Jahr zuvor noch die weltgrößte Computermesse als Bühne genutzt, um den Medienzirkus um sein neues Betriebssystem Windows 95 anzuheizen. Im März 1996 war der Zweikampf zwischen dem Microsoft-Produkt und der Konkurrenz «OS/2» von IBM aber schon zu Gunsten von Gates und seiner Truppe entschieden. Schaut man sich rückblickend die Höhepunkte der CeBIT 1996 an, kann man feststellen, dass in diesem Jahr das Internet erstmals eine dominante Rolle auf dem Messegelände in Hannover spielte. [...]

CeBIT 1995: Kühne Visionen und fatale Irrtümer
Hannover (dpa) – Vor dem Eingang zum CeBIT-Gelände in Hannover bildete sich an einem Sonntagvormittag vor zehn Jahren eine lange Schlange. Über 1500 Besucher der weltgrößten Computerschau wollten am 12. März 1995 von Software-Guru Bill Gates erfahren, wie die Informationstechnologie in einem Jahrzehnt aussehen wird. Der damals 39 Jahre alte Microsoft-Chef griff tief in die [...]

CeBIT 1994: «Billig-Handys» für 500 DM und Hoffnung auf den Aufschwung
Hannover (dpa) – «Gebeutelte Computerbranche hofft auf Aufschwung» lautete eine dpa-Schlagzeile vom 10. März 1994. Sie könnte so ähnlich auch in diesen Tagen als Überschrift für einen Vorbericht zur Computermesse CeBIT dienen. Damals vor zehn Jahren legte die Computerbranche nach der wilden Pionierzeit eine kleine Erholungspause ein. Doch viel Zeit zum Luftholen blieb nicht, denn [...]

CeBIT 1993: Premiere des «Pentium»-Chips lässt Bill Gates kalt
Hannover (dpa) – Im Frühjahr 1993 interessierte sich Bill Gates kaum für die CeBIT, die auch damals schon die weltgrößte Computermesse war. Daran änderte selbst die historische Premiere des Pentium-Chips von Microsofts Partner Intel in Hannover nichts. Und auch der erbitterte Wettstreit, den sich sein Microsoft-Team mit IBM im damals noch offenen Rennen zwischen Windows [...]

CeBIT 1992: Zukunftstrends von damals sind heute längst Geschichte
Hannover (dpa) – Gerhard Schröder amtierte noch als Ministerpräsident von Niedersachsen, Jürgen Möllemann war Bundeswirtschaftsminister, und pünktlich zum Besuch der beiden prominenten Politiker auf der größten Computermesse der Welt setzte am 11. März 1992 auf dem Messegelände in Hannover der berüchtigte CeBIT-Schneeregen ein. Die CeBIT zog vor zehn Jahren schon knapp 650000 Besucher an, die [...]

CeBIT 1999: Ein Computer, der dem Kanzler aufs Wort gehorcht

Hannover (dpa) – «Ich möchte gerne einen Computer haben, in den ich reinsprechen kann.» Bei seinem Rundgang auf der CeBIT 1999 hatte der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) blitzschnell das Trendthema der weltgrößten Computermesse erfasst. «Alles sollte so einfach sein wie möglich.» Zehn Jahre später wartet die Branche zwar noch immer auf den Computer, der aufs Wort hört. Doch an die Aufbruchstimmung auf dem Messegelände in Hannover im Jahr 1999 erinnern sich Messemacher und Aussteller noch heute gerne – auch wenn zwei Jahre später die Internet-Blase mit einem lauten Knall platzte.

Bundeskanzler Gerhard Schröder auf der CeBIT 1999
Bundeskanzler Gerhard Schröder auf der CeBIT 1999

«Sieben Tage lang waren im Mikrokosmos CeBIT skeptische Konjunkturprognosen und die Krisen in anderen Regionen der Welt wie weggeblasen», berichtete der damalige dpa-Korrespondent Andreas Möser von der CeBIT. «In Hannover spiegelte sich stattdessen die ungebremste Aufbruchstimmung der Computer- und Telekommunikationsbranche wider.» 7341 Aussteller hatten 1999 für einen neuen CeBIT-Rekord gesorgt. Zum Vergleich: In diesem Jahr werden nur noch 4300 Firmen aus aller Welt zum Gipfeltreffen der IT- Industrie nach Hannover kommen.

Doch es waren nicht nur Besucher- und Ausstellerzahlen, die den Erfolg der CeBIT 1999 ausmachten, sondern viele Premieren: Der umtriebige AOL-Europe-Chef Andreas Schmidt präsentierte in Hannover die erste Internet-Flatrate für den deutschen Markt, die dann in der gesamte Branche einen Trend setze.

Andreas Schmidt, Präsident von AOL Europe
Andreas Schmidt, Präsident von AOL Europe

Die Digitalkameras näherten sich der Schwelle von zwei Millionen Pixel. Allerdings musste man beispielsweise für die C-1400 XL, das damalige Spitzenmodell des Kameraherstellers Olympus noch 2300 DM (1176 Euro) ausgeben. Heute verfügt fast jede Handy-Kamera über eine höhere Auflösung.

Große Fortschritte gab es auch bei den Chip-Herstellern. Intel führte auf der CeBIT 1999 erstmals einen 800 Megahertz schnellen Prozessor vom Typ Pentium III vor. Die damals gängigen Personal Computer arbeiteten gerade einmal mit der Hälfte dieser Taktfrequenz.

Weitere technologische Akzente setzten damals vor allem die Konkurrenten des weltgrößten Softwarekonzerns Microsoft, der in dieser Zeit noch in das große Anti-Kartellverfahren in den USA verstrickt war. Das größte europäische Softwarehaus, die SAP AG, zeigte auf der CeBIT 1999, dass das wichtigste betriebswirtschaftliche Softwarepaket R/3 auch auf dem Windows- Konkurrenzsystem Linux läuft. Mit dem virtuellen Ritterschlag von SAP geadelt, entwickelte sich das freie Softwaresystem seitdem zumindest im Segment der größeren Unternehmensrechner (Server) als ernsthafte Alternative zu den Microsoft-Produkten. Sun Microsystems profilierte sich auf der CeBIT’99 mit einer Software-Plattform für Mobiltelefone (Java), die in den folgenden Jahren tatsächlich Millionen von Handys erreichte und dort Windows CE von Microsoft verdrängte.

Auf der CeBIT 1999 war aber auch schon ein Vorspiel der Eskapaden der New-Economy-Ära zu sehen. Jungunternehmer Lars Windhorst versuchte damals mit Michael Jackson Besucher auf den CeBIT-Stand seines Unternehmens zu locken. Doch zur Enttäuschung der Fans erschien statt des «King of Pop» nur ein Double auf dem Windhorst- Stand und wenig später beim Finanzdienstleister Gold-Zack.

Ein Double des Popstars Michael Jackson auf der CeBIT 1999
Ein Double des Popstars Michael Jackson auf der CeBIT 1999

Der damals als «Wunderkind» gefeierte Windhorst geriet mit seinen Unternehmungen zwei Jahre später mit dem Platzen der Internet-Blase in Schwierigkeiten und musste dann 2004 für die meisten seiner Unternehmen Insolvenz anmelden. Gold-Zack, zwischenzeitlich ein Star im Börsensegment Neuer Markt, ging im Jahr 2003 in Insolvenz.

Von Christoph Dernbach, dpa
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CeBIT 1998: Die Computermesse der großen Versprechen

Hannover (dpa) – Die Fahrt zur Computermesse CeBIT 1998 in Hannover geriet vor zehn Jahren zu einer großen Geduldsprobe. Kilometerlange Staus auf dem Messeschnellweg und völlig überfüllte Bahnen strapazierten knapp zwei Jahre vor dem Beginn der Weltausstellung Expo 2000 die Nerven der Messebesucher. Wer sich zum Ausstellungsgelände vorgekämpft hatte, bekam dann allerdings einen spannenden Mix von Neuheiten und großen Versprechen geboten.

Bundeskanzler Helmut Kohl auf der CeBIT 1998, Foto: Kay Nietfeld

Drei Jahre vor dem spektakulären Platzen der Internet-Blase feierten die CeBIT-Macher im März 1998 die bis dahin größte Computermesse. Helmut Kohl war damals noch Bundeskanzler und lieferte den CeBIT-Fotografen beim Testen einer 3D-Brille auf dem Stand des Zentrums für Graphische Datenverarbeitung (Darmstadt) ein dankbares Fotomotiv.

Damals waren Personal Computer nur bedingt massentauglich. Zur Erinnerung: Wer im Jahr 1998 beispielsweise an einen PC ein Zusatzgerät anschließen wollte – etwa einen Drucker oder eine externe Festplatte -, wurde von dem System kryptisch nach Angaben zu «I/O- Adressen», «Jumpern» oder «IRQ-Einstellungen» gefragt. Für die geplagten Computer-Anwender wurde auf der CeBIT 1998 Linderung durch den neu entwickelten Universal Serial Bus (USB) in Aussicht gestellt. Der universelle serielle Stecker werde den Anschluss eines Scanners so einfach machen wie das Anschalten des Rechners, hieß es.

Der erste PC mit USB-Anschluss für die Massen wurde jedoch nicht auf der CeBIT 1998, sondern erst zwei Monate später in Kalifornien präsentiert. Apple-Chef Steve Jobs startete mit dem ersten iMac die Kehrtwende für den damals angeschlagenen Computerkonzern und setzte dabei voll auf Innovationen wie USB. Ein Jahr später sah man dann auf der CeBIT auch die ersten Windows-PCs mit den praktischen USB- Buchsen.

Der erste iMac von Apple (1998)
Der erste iMac von Apple (1998)

Die Leistung der PCs wurde damals quasi mit der Taktfrequenz der Hauptchips gleichgesetzt. «Höhere Taktzahl = mehr Power», lautete die einfache Formel der Branche. Daher war es schon eine kleine Sensation, dass sich der Chipgigant Intel das Messegelände in Hannover ausgesucht hatte, um einen Weltrekord aufzustellen, der PC- Fans in Verzückung versetzte. Intels Vizepräsident Albert Yu präsentierte mit Hilfe des Computerspiels «Underwater World» ein Labormuster des Pentium-II-Chips, das während der Demo den bis dahin unvorstellbaren Rekordtakt von 702 Megahertz erzielte. Ein schneller PC war damals nicht schneller als 200 MHz.

Viele Computer-Händler trauern heute diesen Megahertz-Rennen hinterher. Die Architektur der Chips für Personal Computer hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend geändert, so dass die Taktzahl eines Chips allein kaum noch Aussagekraft mehr hat. In den Zeiten von komplexen Mehrkernprozessoren ist der Stand der Technik einer breiten Öffentlichkeit nicht mehr so leicht zu vermitteln wie vor zehn Jahren.

Ein Leistungssprung war auf der CeBIT 1998 auch für die schätzungsweise vier Millionen Internet-Anwender in Sicht, die sich aus der Sicht von heute mit quälend langsamen Modemleitungen ins Netz der Netze einwählten. Telekom-Vorstand Gerd Tenzer kündigte damals an, im ganzen Bundesgebiet Breitbandzugänge in ADSL-Technik (Asymmetrical Digital Subscriber Line) einzuführen. Ein kleiner Pilotversuch startete dann im April 1998 in Nordrhein-Westfalen. Es dauerte allerdings noch bis zum Juli 1999, bis die ersten schnellen Internet-Zugänge der Telekom auch in anderen Städten geschaltet werden konnten. Ende 1999 zählte die Telekom 2900 DSL-Kunden, heute betreuen die Telekom und ihre Partner rund 14 Millionen breitbandige Internetanschlüsse.

Zum Abschluss der CeBIT 1998 feierte die Deutsche Messe AG ihre Computermesse mit 670 000 Besuchern als «Meilenstein für die Informationsgesellschaft». Angst vor sinkenden Aussteller- oder Besucherzahlen mussten die Manager damals (noch) nicht haben. Schließlich hatten viele Besucher von der CeBIT in Hannover zwei Herkules-Aufgaben mit nach Hause gebracht: Die Umstellung auf den Euro und das «Jahr 2000-Problem» sollten der IT-Branche etliche Monate lang gute Umsätze bescheren.

Von Christoph Dernbach, dpa

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CeBIT 1997: «Digital Home»-Vision wird erst Jahre später Realität

Real Player (1997)
Real Player (1997)
Hannover (dpa) – Manchmal dauert es Jahre, bis Visionen Wirklichkeit werden. Auf der CeBIT 1997 kündigte die US-Firma Progressive Networks den Dienst «RealVideo» an, der Fernsehen über das Internet erlauben sollte. Die Bildchen waren damals kaum größer als eine Briefmarke. 20 verschwommene Bilder pro Sekunde und ein mäßig klingendes Tonsignal ließen wenig Freude beim Betrachter aufkommen. Zehn Jahre später stehen zumindest keine technischen Hindernisse mehr im Weg, dass die Vision vom «Digital Home» Wirklichkeit wird. Dienste wie «T-Home Entertain» von der Deutschen Telekom, «Alice IP TV» von HanseNet oder das «Maxdome»-Angebot der ProSieben-Gruppe transportieren heute die Signale von Hunderten TV-Sendern über das Internet ins Wohnzimmer, zum Teil sogar in einer höheren Auflösung als das Kabel.

Unter den Ankündigungen der Aussteller auf der CeBIT 1997 waren nur wenige echte Innovationen, die unmittelbar Auswirkungen auf den Markt hatten. Für die im Vorjahr 1996 mit großem Rummel angekündigte DVD wurden in Hannover endlich Abspielgeräte gezeigt, die halbwegs bezahlbar waren. Der von Toshiba damals angekündigte DVD-Brenner fiel mit 16 000 Mark (8180 Euro) allerdings nicht in diese Kategorie. Heute sind DVD-R-Geräte für den PC unter 30 Euro zu haben – und die Industrie streitet sich inzwischen um die DVD-Nachfolgeformate HD-DVD und Blu-ray.

In der Online-Welt war 1997 America Online (AOL) der große Star. Der damalige AOL-Chef Steve Case rief auf der CeBIT die Jagd auf den deutschen Branchenführer T-Online aus und verwies darauf, wie AOL in den USA den Branchenführer CompuServe abgehängt habe. Die Telekom konterte diesen Angriff damals mit Hilfe des US-Softwareriesen Microsoft. Die Kunden des Microsoft-Onlinedienstes MSN wurden T- Online auf der CeBIT 1997 auf dem Silbertablett überreicht, da es dem Microsoft-Dienst einfach nicht gelungen war, in Deutschland Fuß zu fassen.

Ein Jahr später schluckte AOL den Wettbewerber CompuServe. Auf dem Höhepunkt der «New Economy»-Ära fusionierte AOL dann mit dem Medienkonzern Time Warner, ohne in Deutschland jemals die Vormachtstellung von T-Online ernsthaft gefährden zu können. Inzwischen hat AOL das deutsche Internet-Zugangsgeschäft an HanseNet verkauft und versucht als werbefinanziertes Internetportal einen geschäftlichen Neuanfang. Dort trifft es unter anderem auf das MSN-Portal, das inzwischen wieder selbstständig von Microsoft bestückt und vermarktet wird.

Für die privaten Computeranwender erwies sich die CeBIT 1997 somit als vergleichsweise unspektakuläre Veranstaltung. Spannender dagegen wurde die Messe für manche Business-Kunden. So kündigte damals Europas größter Softwarekonzern SAP an, das monolithische Softwarepaket R/3 zur Steuerung von betriebswirtschaftlichen Abläufen in Unternehmen aufzuschnüren. «Wir widerlegen damit unsere Kritiker, die R/3 als unbeweglichen Dinosaurier bezeichnet haben», polterte der damalige SAP-Chef Hasso Plattner auf der CeBIT-Pressekonferenz. Der neue Kurs sollte sich für SAP auszahlen: Der Umsatz stieg in den vergangenen zehn Jahren von damals 3,7 Milliarden Mark (1,9 Mrd Euro) auf 6,6 Milliarden Euro im jüngsten Geschäftsjahr. Der Gewinn explodierte in diesem Zeitraum von 567 Millionen Mark (290 Mio Euro) auf 2,6 Milliarden Euro.

Genervt waren 1997 die meisten der 610 000 CeBIT-Besucher von den chaotischen Verkehrsverhältnissen in Hannover. Gut zwei Jahre vor der Expo 2000 sorgten damals Bauarbeiten für kilometerlange Staus und Parkplatznot rund um das Messegelände.

Von Christoph Dernbach, dpa

dpa cd yyon rg/so