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Den Sack schlagen, den Esel meinen – Thomas Leif, Ulrich Wickert und Mercedes Bunz

Am späten Mittwochabend hat die ARD zum großen Gegenschlag zur vermeintlichen Kampagne der privaten TV-Sender und der Verlage in Deutschland gegen die Aktivitäten von ARD und ZDF im Internet ausgeholt. Wer die Sendung verpasst haben sollte, kann sich den Film von SWR-Autor Thomas Leif (Chefreporter des Landessenders Mainz und Vorsitzender von Netzwerk Recherche) auf der Website des SWR anschauen.

Im Kapitel 3 knüpft sich Leif die “Kampagnen-Macher” vor, die das öffentlich-rechtliche Engagement im Netz begrenzen wollen und zieht ganz nebenbei gegen die neue Nachrichten-Website der Holtzbrinck-Gruppe, Zoomer.de, zu Felde. Es muss Leif unheimlich gewurmt haben, dass der ARD-Nachrichtenveteran Ulrich Wickert seinen guten Namen als “Herausgeber” für ein Portal zur Verfügung gestellt hat, in dem die Anwender bei der Auswahl der News beteiligt sind. Doch während Wickert in dem Film mit Samthandschuhen angefasst wird, bekommt Mercedes Bunz, die als Chefin von Tagesspiegel.de auch für Zoomer.de verantwortlich ist, die Wucht des ARD-Recherchemeisters voll ab. Seht selbst:

[Was dürfen ARD und ZDF im Internet?: Der Kampf um die Zuschauer – Quoten, Klicks und Kohle | SWR.de]

[FAZ.NET-Fernsehkritik: „Infiltration von Meinung“ – Medien – Feuilleton – FAZ.NET]

[„Quoten, Klicks und Kohle“: Dreiste Dauerwerbesendung – FOCUS-Fernsehclub – FOCUS Online]

[Der Großreporter vergibt eine Chance – Kölner Stadt-Anzeiger]

[NETZEITUNG | MEDIEN ALTPAPIER NACHRICHTEN: Altpapier vom Freitag]

[PR-Fachberater Thomas Leif darf wieder ins Bild [Indiskretion Ehrensache]]

Qualitäts-Journalismus mit den Textschnorrern von pressetext

Redakteurin Kristina Sam vom pressetext.austria scheint sich weder in Österreich gut auszukennen noch in der IT-Branche. Sonst hätte sie beim dreisten Abschreiben meiner dpa-Meldung zur Verzögerung der Deutschland-Premiere des Microsoft-Players Zune nicht diese Fehler eingebaut. Ja, Kitzbühel wird wie Kitzbühl ausgesprochen, aber nicht so geschrieben. Und dass die Markteinführung “auf unbestimmte Zeit verschoben” wird, hat Redakteurin Sam dem Microsoft-Manager Stephan Brechtmann in den Mund gelegt. Gesagt hat er das so nicht.

Da pressetext.austria bzw. pressetext.europe (pte), die selbst ernannte “Nachrichtenagentur für Meinungsbildner in den Bereichen Hightech, Medien, Business und Leben” bereits für das unerlaubte Abkupfern von Texten von Nachrichtenagenturen wie APA, sda und dpa belangt wurde, hat Redakteurin Kristina Sam in dem geklauten Text auch nicht dpa als Quelle angegeben, sondern die Financial Times Deutschland. Die FTD ist zahlender dpa-Kunde und hat sowohl online als auch im gedruckten Blatt die Zune-Meldung der dpa veröffentlicht (und die Quelle klar gekennzeichnet).

Die FTD-Überschrift “Microsoft bringt iPod-Konkurrenten nicht nach Deutschland” geht dabei über den eigentlichen Sachverhalt hinaus, da Microsoft sich ja nicht generell gegen einen Zune-Start in Deutschland ausgesprochen hat, sondern nur kurzfristig nicht den Zune hierzulande anbieten möchte. In der gesamten Meldung der FTD wird das aber auch klar.
Interessant ist nun, wie der Schnorrer-Text von pressetext seinen Weg auf andere Newsseiten findet. So schreibt beispielsweise Björn Greif von ZDNET unter Berufung auf pte: Zweite Zune-Generation kommt nicht nach Deutschland. Bei Silicon.de fabuliert “Anja Schütz mit Material von pte” über die Zune-Verzögerung.

Die iPhone-Kalkulation der FTD: Brutto = netto

AbacusDie Financial Times Deutschland hat in dem Spekulationsgewummel rund um Apples iPhone bislang eine gute Figur abgegeben. Und mit einer hohen Wahrscheinlichkeit dürfte die Botschaft der heutigen Story zum iPhone auch den Kern der Botschaft darstellen, den die Telekom und Apple am Mittwoch verkünden werden (“Neben Deutschland wird die Deutsche Telekom das Multimediahandy iPhone von Apple auch in Österreich, den Niederlanden, Ungarn sowie Kroatien exklusiv verkaufen. “). In der FTD-Geschichte steckt jedoch ein dicker Fehler, der immer wieder auftaucht, wenn es um Preise für Apple-Produkte in den USA und in Europa geht.

Die FTD schreibt:

Der Verkauf des Handys soll rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft starten – zum Preis von 399 Euro, etwa 550 $, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters. Damit verfolgt Apple eine Hochpreisstrategie wie zunächst in den USA. Dort musste der Konzern den Preis vor wenigen Tagen jedoch um ein Drittel von 599 $ auf 399 $ senken, nachdem sich die zunächst starke Nachfrage abschwächte. Der Abschlag hatte zu einer massiven Enttäuschung der Erstkäufer geführt. Um die treuesten Fans zu besänftigen, bietet Apple Erstkäufern nun einen Gutschein für Apples Onlinemusikladen iTunes im Wert von 100 $ an.

Die FTD verschweigt, dass es sich bei den 399 Dollar in den USA um einen Preis ohne Mehrwertsteuer handelt. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass es sich bei den 399 Euro um den Brutto-Preis handelt. Zieht man von 399 Euro die bei uns fälligen 19 Prozent Umsatzsteuer ab, dann landet man bei 335,29 Euro netto. Das entspricht nach dem heutigen Umtauschkurs 464,93 Dollar und nicht “etwa 550″ Dollar, die die FTD ausrechnet. Man kann natürlich darüber streiten, ob Apple das Wechselkursrisiko nicht weniger üppig absichern sollte. Die 1:1-Übertragung des Betrags von Dollar (netto) auf Euro (brutto) wird aber von Apple bereits seit etlichen Monaten praktiziert und hat bislang immer nur zu kleinem Grummeln in der Kundschaft geführt. Wenn man die Preise in den USA und Europa fair vergleichen möchte, müssen allerdings auch Faktoren wie Garantiefristen (in Deutschland gesetzlich länger als in den USA) und andere (vom Standort abhängige Overhead-Kosten) berücksichtigt werden.

Daher gönne ich den FTD-Autoren Volker Müller, Arndt Ohler und Christian Höller jeweils ein iPhone. Da ist nämlich auch ein Taschenrechner eingebaut.

FTD.de – IT+Telekommunikation – Nachrichten – T-Mobile-Töchter erhalten iPhone-Lizenz

Der Print-Journalismus wird überleben

BILD als Mückenklatsche

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Oops, warum ist die Apple-Aktie denn auf einmal so billig…

Engadget, eines der weltweit populärsten Weblogs, hat mit einem falschen Bericht über eine Verzögerung des iPhones die Apple-Altie kurzzeitig in den Keller gejagt. Bei Ryan Block, dem Mitbegründer von Engadget, war eine gefakte Mail von Apple zugegangen, in der ein späterer Marktstart für das iPhone (Oktober statt Juni) und eine weitere Verschiebung des neuen Mac-Betriebssystem “Leopoard” (Januar 2008) angekündigt wurde. Eine Überprüfung der Infos hielt Block wohl für nicht notwendig und haute die vermeintliche Sensationsstory raus. Nun steht er auch in der Blogger-Szene im Kreuzfeuer der Kritik.

Apple-Aktie am 16. Mai 2007

15 Minuten, nachdem der Beitrag gepostet worden war, stürzte die Apple-Aktie in New York. Zwischenzeitlich verlor das Unternehmen rund vier Milliarden Dollar an Marktwert. Nach einem Dementi von Apple und einer Korrektur bei Engadget selbst erholte sich der Kurs wieder halbwegs, erreicht allerdings nicht mehr das Niveau des Vormittags.

Engadget Blunder Sends Apple Stock Falling – Lifestyle News – Digital Trends

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