Jef Raskin, der Vater des Macintosh, ist tot

Von | Tech History

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Foto: Privat
Jef Raskin

Jef Raskin, der geistige Vater und Namensgeber des Apple Macintosh, ist am vergangenen Samstag im Alter von 61 Jahren gestorben. Das meldet digibarn.com.

Fünf Jahre vor der Vorstellung des Apple Macintosh am 24. Januar 1984 macht sich Apple-Chairman Mike Markkula Gedanken darüber, ob sein Unternehmen nicht einen 500-Dollar-Computer auf den Markt bringen sollte. Markkula beauftragte damals Jef Raskin mit dem geheimen “Annie“-Projekt. Raskin war für die Publikationen bei Apple, insbesondere Handbücher, verantwortlich und sollte eigentlich sich stärker um die Entwickler kümmern, die Anwendungen für den Apple II schreiben.

Prototyp Swyft des Canon Cat
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Foto: regnirps.com
Prototyp “Swyft”
des Canon Cat

“Ich sagte Markkula, dass ‘Annie’ ein klasse Projekt ist, dass man für 500 Dollar aber nicht viel machen kann”, erinnert sich Raskin später. “Gleichwohl steckte in dem Projekt etwas, von dem ich seit einiger Zeit geträumt habe, was ich Macintosh genannt habe. Im Kern ging es darum, etwas komplett aus der menschlichen Perspektive heraus zu entwickeln.”

Später übernahm Steve Jobs gegen Raskins den Widerstand das Macintosh-Projekt. Im März 1982 gab Raskin entnervt auf und verließ Apple Computer. Später machte er sich als Entwickler des Canon Cat und mit Veröffentlichungen zu Grafischen Benutzeroberflächen einen Namen.

Jef Raskin und der Apple Macintosh

Raskin wählte 1979 einen völlig neuen Ansatz, denn bislang definierte stets das “technisch Machbare” das Design eines Computers. Der studierte Informatiker, der bei seiner Anstellung sein Diplom vor den Apple-Gründern verheimlichte (weil die Steve Wozniak und Steve Jobs Akademikern extrem misstrauisch begegneten), wollte einen Computer für den normalen Menschen auf der Straße bauen – und dieser durfte natürlich auch nicht unerschwinglich sein. Raskins Ausdruck von der “Person in the Street” wurde bei Apple zum geflügelten Wort, das mit PITS abgekürzt wurde.

Der erste Entwurf von Raskin sah einen geschlossenen Computer inklusive Monitor, Tastatur und Drucker vor, der ohne externe Kabel auskommen sollte – und das alles für 500 Dollar. Dafür sollte der Macintosh aber nur mit einem winzigen 5-Zoll-Display, einer Billig-CPU (6809) und einem extrem eng bemessenen Hauptspeicher von 64 Kilobyte ausgestattet sein.

Steve Jobs und Jef Raskin

Raskin und Jobs
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Foto: PBS
Raskin und Jobs

Steve Jobs hatte sich zu diesem Zeitpunkt nicht besonders um das Macintosh-Projekt gekümmert – und Raskin versuchte in einer dunklen Vorahnung auch alles, um den Apple-Mitbegründer außen vor zu halten. Im Sommer 1980 bahnte sich jedoch gerade ein massiver Konflikt zwischen Jobs und Apple-President Mike Scott an, denn Scott wollte Jobs aus der konkreten Entwicklungsarbeit an dem neuen Lisa heraus drängen. Mit seinem launigen und zeitweise sehr aggressiven Führungsstil hatte Jobs viele Entwickler vor den Kopf gestoßen. Außerdem traute Scott ihm keine größere Management-Rolle zu und wollte ihn auf die weniger wichtige Rolle eines Firmensprechers und Promoters im Vorfeld des Apple-Börsenganges am 12. Dezember 1980 festlegen.

Steve Jobs entdeckt den Mac

Der Gang an die Börse machte Jobs zum Multimillionär – doch er besaß nicht genügend Aktien, um Apple Computer insgesamt und damit auch seine eigene Aufgabe innerhalb von Apple bestimmen zu können. Anfang 1981 stand er zumindest ohne Verantwortung für ein bestimmtes Projekt dar. Zum Leidwesen von Jef Raskin stürzte sich Jobs auf das Macintosh-Projekt, das zu diesem Zeitpunkt im Apple-Aufsichtsrat (Board) noch nicht richtig ernst genommen wurde.

Doch Steve Jobs wusste, was er wollte. Er hatte bei Xerox PARC die grafische Benutzeroberfläche des Xerox Alto gesehen. Statt grüner Buchstaben auf dunklem Hintergrund sah man weiße Dokumenten-Fenster mit schwarzer Schrift – wie bei einem Blatt Papier. Verschiedene Schriftarten konnten ausgewählt werden. Die Grafikkarte steuerte auf dem Bildschirm frei einzelne Pixel an. Mit Hilfe einer Maus konnte ein Zeiger auf dem Bildschirm bewegt werden, um Texte zu markieren oder Befehle auszuführen. Dateien wurden durch Symbole auf einem virtuellen Schreibtisch repräsentiert. Den Alto konnte man nicht kaufen. Allein der Hauptspeicher dieses Experimental-Computers hätte zu diesem Zeitpunk rund 7000 Dollar gekostet. Jobs wollte einen Computer noch besser als der Alto – und auch besser als Apples Lisa. Die neue Wundermaschine sollte aber nur einen Bruchteil von Lisa kosten, für den man inklusive externer Festplatte rund 12 000 Dollar zahlen musste.

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Foto: PBS
Piratenflagge über dem
Gebäude der Mac-Entwickler
„Bandley III“

Innerhalb von Apple sammelte Jobs eine kleine, verschworene Mannschaft zusammen – und nahm auf andere Projekte im Haus keine Rücksicht. Andy Hertzfeld, einer der wichtigsten Software-Designer im Macintosh-Entwicklungsteam, erinnert sich: “Steve platzte in mein kleines Cubicle-Büro herein und sagte, ‘Okay, Du arbeitest jetzt am Mac.’ Ich sagte ihm, dass ich noch ein paar Tage brauche, um eine Arbeit für den Apple II abzuschließen. Doch er sagte einfach ‘Nein’ und zog den Stromstecker von meinem Apple II aus der Steckdose. Ich konnte noch nicht einmal meine Arbeit speichern.” Jobs nahm Hertzfelds Rechner, packte ihn in den Kofferraum seines Autos, und fuhr ihn zum benachbarten Gebäude “Bandley III”, in dem Jobs das Macintosh-Team versammelt hatte. “Was blieb mir anderes übrig, als ihm zu folgen?”

Die Macintosh-Piraten

Auf dem Dach “Bandley III” wehte eine Piratenflagge mit dem Apple-Symbol als Augenklappe – und an Deck des virtuellen Piratenschiffs stand mit Steve Jobs ein Mann, der es allen bei Apple beweisen wollte. Erstes Opfer von Jobs wurde Jef Raskin, der lange gegen den Einsatz einer Maus gekämpft hatte und statt dessen einen Stift oder Joystick bevorzugt hatte. Im März 1982 kündigte Raskin seinen Job bei Apple Computer.

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