Geld für Wikipedia von "Hitler's Carmaker" Alfred P. Sloan

Alfred P. Sloan - Time MagazineDie Wikimedia Stiftung wird in den kommenden drei Jahren insgesamt drei Millionen Dollar von der Alfred P. Sloan Foundation erhalten. Mit dem Geld soll der Betrieb der freien Online-Enzyklopädie Wikipedia und ihrer Schwesterprojekte finanziert werden. Sue Gardner, Geschäftsführerin der Wikimedia Foundation feierte die Unterstützung als „_fabulous_ news„. „Diese Spende ist finanziell bedeutend für uns – und sie zeigt, dass die Sloan Foundation unsere Arbeit für wichtig und unsere Organisation für vertrauenswürdig hält“, schrieb Gardner.
Der Geldsegen kommt nach einem Bericht von heise.de zur rechten Zeit:

Die Wikimedia Foundation hat gerade ihre neuen Büros in San Francisco bezogen und die Anzahl der Angestellten von 10 auf 15 erhöht. Für das aktuelle Geschäftsjahr veranschlagt die Stiftung ein Budget von 4,6 Millionen Dollar – bei der letzten Spendenkampagne zum Jahreswechsel kam jedoch weniger als die Hälfte des benötigten Geldes zusammen. Seitdem bemühen sich Sue Gardner und ihr Vize Erik Möller um Großspender und erhielten mindestens eine Million Dollar von anonymen Großspendern.

Logo der Alfred P. Sloan FoundationIn dem Heise-Text und den meisten anderen Berichten über die Großspende für Wikimedia findet man kaum Angaben zu dem großzügigen Spender, der Alfred P. Sloan Foundation. Die Stiftung wurde 1934 von Alfred Pritchard Sloan Jr. gegründet, der damals Präsident des weltgrößten Autokonzerns, General Motors, war. Der Elektroingenieur (Jahrgang 1875), der als 20-jähriger am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston graduiert hatte, war 1918 durch eine Firmenübernahme zu General Motors gekommen und erlangte 1923 die Position des Präsidenten. 1937 wurde er schließlich Vorstandsvorsitzender („Chairman of the Board of General Motors“). Sloan machte sich einen Namen als entschiedener Gegner des Öffentlichen Transportsystems und Gewerkschaftsgegner. David Farber, der eine große Sloan-Biografie geschrieben hat, sagte über den Automagnaten:

His steady opposition to making safer automobiles, his dismissal of workers‘ rights, his inability to see Adolf Hitler and his henchmen as evil and dangerous men (he once casually equated Franklin Roosevelt with Hitler), and his general disregard for issues of social justice and the common good make him a not very lovable figure.

Der deutschsprachige Wikipedia-Artikel über Alfred P. Sloan fällt sehr übersichtlich aus:

Alfred Pritchard Sloan junior (* 23. Mai 1875 in New Haven, Connecticut; † 27. Februar 1966) war von 1923 – 1937 der Präsident von General Motors.
Er schuf die typische Autohierarchie von General Motors (GM), in der man markentechnisch „unten“ einsteigen konnte und sich schließlich im Lauf der Jahre an die Spitze, in diesem Fall Cadillac, „hocharbeiten“ konnte – als Kunde. Anders ausgedrückt: er schuf ein perfektes Plattform-System mit differenzierten Automarken, in dem jeder Kunde ein maßgeschneidertes Angebot finden konnte. Heutzutage machen es praktisch alle Autohersteller in ähnlicher Weise; z. B. Volkswagen

Dann folgt noch ein kurzer Verweis auf „Sloans Weiterentwicklung des Taylor-Ansatzes“, einem bestimmten arbeitswissenschaftlichen Ansatz.

In der englischsprachigen Wikipedia finden sich immerhin einige kritische Bemerkungen. Sloan habe im Gegensatz zu Toyota seine Arbeiter stets nur als Kostenfaktor gesehen, nicht als „Hauptquelle für Kosteneinsparungen und Produktionsverbesserungen“. Außerdem habe die von Sloan entwickelte Bilanzmethode eine „lean production“ wie bei den japanischen Atomobilbauern verhindert. In den Quellen steht außerdem noch ein Link auf einen Aufsatz von Edwin Black, „Hitler’s Carmaker: The Inside Story of How General Motors Helped Mobilize the Third Reich“. In dem Text wird herausgearbeitet, dass General Motors (wie auch der Ford-Konzern) direkt und über die die deutsche Tochter Opel zur Aufrüstung der Deutschen Wehrmacht unter Hitler beigetragen hat.

Sloan soll später Papiere über seine Verwicklung mit dem Dritten Reich vernichtet haben. Er starb 1966. Seine Stiftung verfügte Ende 2006 über ein Vermögen von 1,8 Milliarden US-Dollar. Die Arbeit der Stiftung deckt drei Bereiche ab:

  • Förderung von Wissenschaft und Technologie
  • Verbesserung des Lebensstandards und der Wirtschaftsperformance
  • Ausbildung und Karriereförderung in Wissenschaft und Technologie
  • [Sloan Rules, an interview with David Farber] [Hitler’s Carmaker: The Inside Story of How General Motors Helped Mobilize the Third Reich] [Hitler’s carmaker | Jerusalem Post ]

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    2 comments

    1. Es ist natürlich unbedingt davon auszugehen, dass die Biografie von David Farber objektiv und vollständig ohne Hintergedanken ist…

    2. Stefan, ich kenne die „Hintergedanken“ von David Farber nicht. Aber dass sich die (deutsche und US-amerikanische) Automobil-Industrie im Dritten Reich mehr als schäbig benommen hat, steht ja wohl nicht zur Debatte.

      Selbst im deutschsprachigen Artikel in der Wikipedia zu Geneal Motors wird festgehalten:

      Während des Zweiten Weltkriegs unterstützte General Motors entgegengesetzte Seiten. Einem Bericht des amerikanischen Senats aus dem Jahre 1974 zufolge expandierte General Motors (sowie Ford und Chrysler) während der 1920er und 30er in viele europäische Länder, eingeschlossen Deutschland. Die Unternehmen versorgten sowohl das US-Militär als auch das deutsche Militär mit Lastkraftwagen. Der Bericht behauptet, dass General Motors und Tochterunternehmen von Ford nahezu 90% der gepanzerten Opel Blitz 3-Tonnen-LKWs, sowie mehr als 70% der mittleren und Schwerlast-LKWs des Dritten Reiches gebaut haben. Diese Fahrzeuge dienten, laut amerikanischen Nachrichtendiensten, als Rückgrat für das Transportsystem der deutschen Armee.
      Der damalige Geschäftsführer von General Motors, Alfred P. Sloan, verteidigte 1939 angeblich die Investitionsstrategie in Deutschland mit der Begründung, dass das Geschäft von GM dort höchst profitabel sei.

      Siehe auch: Report United States Senate Committee on the Judiciary

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