Vom Labor auf den Schreibtisch – Vor 40 Jahren präsentierte Doug Engelbart die erste Computermaus

Von | Tech History

Wer hat die Computermaus erfunden? Apple? Nein. Forscher im legendären kalifornischen Forschungszentrum Xerox PARC? Stimmt auch nicht, auch wenn dies häufig behauptet wird. Den Ruhm als Erfinder der Computermaus kann der kalifornische Wissenschaftler und Tüftler Doug Engelbart für sich beanspruchen. Vor vierzig Jahren präsentierte der Computerpionier erstmals die Maus der Öffentlichkeit.

Die Maus von Douglas Engelbart

Die Maus von Douglas Engelbart

In den 60er Jahren beschäftigte sich der ehemalige Navy-Radartechniker Engelbart am Stanford Research Institute (SRI) in Menlo Park mit der “Erweiterung des menschlichen Intellekts”. Im Rahmen dieses akademischen Projekts führte Engelbart der Forschungsgemeinde am 9. Dezember 1968 in San Francisco erstmals den Einsatz einer Maus vor, die auf einem Bildschirm einen schwarzen Punkt bewegte.

httpv://www.youtube.com/watch?v=a11JDLBXtPQ

Die legendäre Vorführung vom 9. Dezember 1968 gilt heute als „Mutter aller Demos“.

Das Patent von Engelbart für die Erfindung der Computermaus

Das Patent von Engelbart für die Erfindung der Computermaus

“In unserer Vision gingen wir davon aus, dass die Menschen zur Lösung von Problemen computergestützte Arbeitsstationen einsetzen werden. Diese Stationen setzten voraus, dass man mit Hilfe eines Geräts einen Cursor und damit die Informationen auf dem Bildschirm ansteuern konnte. Wir probierten (im Auftrag der NASA) verschiedene Geräte aus, darunter einen Lichtgriffel und auch Joysticks”, sagte Engelbart 30 Jahre später in einem Interview. “Es stellte sich schnell heraus, dass die Maus besser als alle anderen Geräte funktionierte.”

Die NASA konnte allerdings mit der ersten Maus nicht viel anfangen, da auch bald deutlich wurde, dass Engelbarts Maus in der Schwerelosigkeit nicht angewandt werden konnte. SRI meldete Engelbarts Erfindung zum Patent an, das am 17. November 1970 auch unter der Nummer 3,541,541 erteilt wurde.

Es dauerte dann fast weitere zehn Jahre, bis sich im Silicon Valley wieder ein Forschungsteam ernsthaft mit der Maus als Bestandteil einer grafisch orientierten Benutzeroberfläche eines Computers beschäftigte. Die Forscher des Xerox PARC schlossen an ihren Computer Alto eine Maus an, mit der man Befehle auf dem Rechner ausführen, Texte markieren und Dateien öffnen konnte. Während die Forscher in Kalifornien sich für die Idee einer grafischen Benutzeroberfläche (GUI) und die damit konzeptionell verbundene Maus begeisterten, lehnten die Xerox-Bosse an der Ostküste ein signifikantes Investment in die neue Technologie ab. Damit eröffnete sich für Apple die historische Chance, den ersten wirklich bedienungsfreundlichen Computer für die Massen entwickeln zu können.


Link: sevenload.com
Im Film „Pirates of Silicon Valley“ wird das Thema „Apple und Xerox“ etwas ironisch abgehandelt

Apple-Mitbegründer Steve Jobs bekam die Xerox-Maus und die GUI des Alto im November 1979 zu Gesicht und war sich sofort darüber klar, dass diese Entwicklung revolutionäres Potential in sich barg.


Demo des Xerox Alto (aus: Triumph of the Nerds)
Steve Jobs erinnerte sich 17 Jahre später, 1996, noch genau an seinen Besuch im PARC:

Ich war total geblendet von dem ersten Ding, das sie mir zeigten: Die grafische Benutzeroberfläche. Ich dachte, das ist das beste Ding, was ich je in meinem Leben gesehen habe. Es hatte noch viele Schwächen. Was wir sahen war unvollständig. Sie hatten eine ganze Reihe Sachen falsch gemacht. Aber zu der Zeit wussten wir das nicht. Aber dennoch: Sie hatten den Keim der Idee geschaffen, und sie hatten es sehr gut gemacht. Und innerhalb von zehn Minuten war mir klar, dass eines Tages alle Computer so arbeiten würden.

Die Maus des Xerox Alto - Foto: Marcin Wichary

Die Maus des Xerox Alto - Foto: Marcin Wichary

Jobs war von dem Konzept begeistert, sah aber auch die Probleme im Detail. Die Xerox-Maus kostete in der Herstellung allein 400 Dollar, fiel durchschnittlich nach einer Woche aus und konnte nur von Fachleuten repariert werden. “Steve Jobs kam zu uns und sagte: ‘Ich will eine Maus für 10 Dollar, die niemals ausfällt und die in Massen produziert kann, weil die Maus das wichtigste Interface des Computers der Zukunft werden wird”, erinnert sich Jim Sachs, der bei einer externen Firma die Apple-Maus entwarf, der damals zunächst am Verstand des Vegetariers Jobs gezweifelt hatte, denn ein Maus als wichtigstes Eingabeinstrument eines Computers war eigentlich unvorstellbar. “Wir dachten zunächst, vielleicht sollte er seine Ernährungsweise doch mit etwas Fleisch anreichern. Aber solange er uns 25 Dollar die Stunde bezahlte, hätten wir ihm auch einen solarbetriebenen Toaster gebaut.”

Der Aufbau der ersten Macintosh-Maus

Der Aufbau der ersten Macintosh-Maus

Die Entwickler bei Hovey-Kelley ersetzten die elektrischen Bürstenkontakte der Xerox-Maus durch optomechanische Kontakte, die über mit Federn angedrückte Rollen die Bewegung der Mauskugel registrieren. An den Rollen befestigten sie Lochscheiben, die bei einer Bewegung Lichtwechsel auslösen. Diese Wechsel werden von Photozellen erfasst und in entsprechende elektrische Signale umgewandelt. Die Entwickler probierten für die ersten Modelle jede denkbare Kugelvariante aus. Ein Team-Mitglied ging in den nächsten Supermarkt und beschaffte sich Deo-Roller, um die Kugeln in die Maus-Prototypen einzubauen. Letztlich entschieden sich die Verantwortlichen für eine aufgeraute Stahlkugel, die in die Maus des Apple Lisa eingebaut wurde.

Die Apple-Maus sollte im Gegensatz zu den historischen Vorbildern nicht durch Dreck außer Gefecht gesetzt werden. Daher steckte Hovey-Kelley die Kugel hinter einen Ring am Boden des Plastikgebäudes, der leicht herausgeschraubt werden konnte, um die Kugel entfernen und die Rollen reinigen zu können. Zuletzt beschafften die Entwickler noch Kabel, die bei den ständigen Bewegungen der Maus nicht sofort brachen. Schließlich sollte das Gerät auch den “Jo-Jo“-Test bei Apple bestehen, bei dem die Maus vom Tisch gestoßen und vom Kabel aufgefangen wurde.

Werbung von Apple aus dem Jahr 1984

Werbung von Apple aus dem Jahr 1984

Unterdessen stritten sich die Entwickler bei Apple, wie viele Tasten die Maus haben sollte. Die Maus des Xerox Parc hatte drei Tasten. Das erschien fast allen Mitgliedern der beiden Apple-Teams (Lisa und Macintosh) zu kompliziert. Eine Fraktion bestand darauf, der Apple-Maus nur eine Taste zu verpassen, weil so der Einstieg für Computer-Anfänger viel einfacher sei und auch Kinder besser die Maus bedienen könnten. Die andere Fraktion hatte vor Augen, Tastatur/Maus-Kombinationen wie CRTL-Mausklick durch einen einzigen Klick zu ersetzen. Dafür benötigte man aber eine zweite Taste.

Patent der Apple Maus

Patent der Apple Maus

Der erste Macintosh-Entwickler, Jef Raskin, der zunächst den Einsatz einer Maus überhaupt verhindern wollte, setzte sich dann mit seiner internen Lobby-Arbeit für die einfachere Maus mit nur einer Taste durch.

Nach der Einführung des Lisa stellte sich schnell heraus, dass die Metallkugel zu viel Lärm verursachte. Daher wurde zunächst die Metallkugel mit einem Kunststoffmantel überzogen, bevor dann die Kugel vollständig aus Kunststoff produziert wurde. Apple lizenzierte Engelbarts Maus beim SRI für die vergleichsweise niedrige Summe von 40.000 Dollar und meldete seine Weiterentwicklungen selbst zum Patent an, das am 7. August 1984 beim US-Patentamt unter der Nummer 4,464,652 eingetragen wurde.

Mit Hilfe eines von der damals noch jungen Schweizer Firma Logitech, einer Ausgründung der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Lausanne), zog die Maus dann im Jahr 1985 auch in die Welt der IBM-kompatiblen Personal Computer ein. Zusammen mit grafischen Benutzeroberflächen wie Windows 95 ebnete die Maus dann den Weg für die weltweite Verbreitung des Computers. Heute ist die Bedienung eines Computers ohne Maus kaum noch vorstellbar. Im Dezember 2008 lieferte Logitech nach eigenen Angaben seine Milliardste Maus aus.

Douglas Engelbart

Douglas Engelbart

Zurück zum Maus-Erfinder Doug Engelbart: Er wird an diesem Dienstag im Silicon Valley für seine Lebensleistung geehrt. Im Memorial-Auditorium der Stanford University versammeln sich Verteranen wie Don Andrews, (Adobe), Daniel Bore (Mitbegründer von Logitech), William English (Sun Microsystems), Charles House (Media X an der Stanford University), Alan Kay (Viewpoints Research Institute), Bill Paxton (Kavli Institute for Theoretical Physics, University of California, Santa Barbara) und Andries van Dam (Professor of Computer Science, Brown University). Ich beneide John Markoff (Senior Writer der New York Times), der auf dieser edlen Gästeliste steht.

2 Responses to " Vom Labor auf den Schreibtisch – Vor 40 Jahren präsentierte Doug Engelbart die erste Computermaus "

  1. […] ca. 40 Jahren wurde die Computermaus erfunden!  Mehr: …Vom Labor auf den Schreibtisch – Vor 40 Jahren präsentierte Doug Engelbart die erste Computermaus… Die Maus von Douglas […]

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