CeBIT 1999: Ein Computer, der dem Kanzler aufs Wort gehorcht

Hannover (dpa) – «Ich möchte gerne einen Computer haben, in den ich reinsprechen kann.» Bei seinem Rundgang auf der CeBIT 1999 hatte der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) blitzschnell das Trendthema der weltgrößten Computermesse erfasst. «Alles sollte so einfach sein wie möglich.» Zehn Jahre später wartet die Branche zwar noch immer auf den Computer, der aufs Wort hört. Doch an die Aufbruchstimmung auf dem Messegelände in Hannover im Jahr 1999 erinnern sich Messemacher und Aussteller noch heute gerne – auch wenn zwei Jahre später die Internet-Blase mit einem lauten Knall platzte.

Bundeskanzler Gerhard Schröder auf der CeBIT 1999
Bundeskanzler Gerhard Schröder auf der CeBIT 1999

«Sieben Tage lang waren im Mikrokosmos CeBIT skeptische Konjunkturprognosen und die Krisen in anderen Regionen der Welt wie weggeblasen», berichtete der damalige dpa-Korrespondent Andreas Möser von der CeBIT. «In Hannover spiegelte sich stattdessen die ungebremste Aufbruchstimmung der Computer- und Telekommunikationsbranche wider.» 7341 Aussteller hatten 1999 für einen neuen CeBIT-Rekord gesorgt. Zum Vergleich: In diesem Jahr werden nur noch 4300 Firmen aus aller Welt zum Gipfeltreffen der IT- Industrie nach Hannover kommen.

Doch es waren nicht nur Besucher- und Ausstellerzahlen, die den Erfolg der CeBIT 1999 ausmachten, sondern viele Premieren: Der umtriebige AOL-Europe-Chef Andreas Schmidt präsentierte in Hannover die erste Internet-Flatrate für den deutschen Markt, die dann in der gesamte Branche einen Trend setze.

Andreas Schmidt, Präsident von AOL Europe
Andreas Schmidt, Präsident von AOL Europe

Die Digitalkameras näherten sich der Schwelle von zwei Millionen Pixel. Allerdings musste man beispielsweise für die C-1400 XL, das damalige Spitzenmodell des Kameraherstellers Olympus noch 2300 DM (1176 Euro) ausgeben. Heute verfügt fast jede Handy-Kamera über eine höhere Auflösung.

Große Fortschritte gab es auch bei den Chip-Herstellern. Intel führte auf der CeBIT 1999 erstmals einen 800 Megahertz schnellen Prozessor vom Typ Pentium III vor. Die damals gängigen Personal Computer arbeiteten gerade einmal mit der Hälfte dieser Taktfrequenz.

Weitere technologische Akzente setzten damals vor allem die Konkurrenten des weltgrößten Softwarekonzerns Microsoft, der in dieser Zeit noch in das große Anti-Kartellverfahren in den USA verstrickt war. Das größte europäische Softwarehaus, die SAP AG, zeigte auf der CeBIT 1999, dass das wichtigste betriebswirtschaftliche Softwarepaket R/3 auch auf dem Windows- Konkurrenzsystem Linux läuft. Mit dem virtuellen Ritterschlag von SAP geadelt, entwickelte sich das freie Softwaresystem seitdem zumindest im Segment der größeren Unternehmensrechner (Server) als ernsthafte Alternative zu den Microsoft-Produkten. Sun Microsystems profilierte sich auf der CeBIT’99 mit einer Software-Plattform für Mobiltelefone (Java), die in den folgenden Jahren tatsächlich Millionen von Handys erreichte und dort Windows CE von Microsoft verdrängte.

Auf der CeBIT 1999 war aber auch schon ein Vorspiel der Eskapaden der New-Economy-Ära zu sehen. Jungunternehmer Lars Windhorst versuchte damals mit Michael Jackson Besucher auf den CeBIT-Stand seines Unternehmens zu locken. Doch zur Enttäuschung der Fans erschien statt des «King of Pop» nur ein Double auf dem Windhorst- Stand und wenig später beim Finanzdienstleister Gold-Zack.

Ein Double des Popstars Michael Jackson auf der CeBIT 1999
Ein Double des Popstars Michael Jackson auf der CeBIT 1999

Der damals als «Wunderkind» gefeierte Windhorst geriet mit seinen Unternehmungen zwei Jahre später mit dem Platzen der Internet-Blase in Schwierigkeiten und musste dann 2004 für die meisten seiner Unternehmen Insolvenz anmelden. Gold-Zack, zwischenzeitlich ein Star im Börsensegment Neuer Markt, ging im Jahr 2003 in Insolvenz.

Von Christoph Dernbach, dpa
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